Studie des Statistischen Landesamtes Krise: Bremen besser als Bayern

Bremen. Die Wirtschaft im Bundesland Bremen war im Krisenjahr 2009 robuster als im Bundesschnitt. Während das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands um fünf Prozent gegenüber 2008 gesunken ist, schrumpfte die Wirtschaftsleistung in Bremen nur um rund 3,5 Prozent.
29.03.2010, 20:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Günther Hörbst

Bremen. Die Wirtschaft im Bundesland Bremen war im Krisenjahr 2009 deutlich robuster als im Bundesschnitt. Während das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands im vergangenen Jahr um fünf Prozent gegenüber 2008 gesunken ist, schrumpfte die Wirtschaftsleistung in Bremen nur um rund 3,5 Prozent. Deutlich stärker war der Rückgang in den südlichen Ländern Bayern und Baden-Württemberg. Das geht aus aktuellen Daten der Statistischen Landesämter hervor.

Die Schwaben mussten einen Rückgang um gut 7,5 Prozent verkraften, die Wirtschaftskraft Bayerns ging um rund fünf Prozent zurück. Ähnlich starke Einbrüche verzeichneten das Saarland, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Die Wirtschaft Hamburgs schrumpfte ähnlich stark wie die Bremens - um rund drei Prozent. Andreas Cors, Leiter der Abteilung Wirtschaft beim Statistischen Landesamt Bremen, hat für das vergleichsweise bessere Abschneiden der Hansestadt eine Erklärung: 'Bremen hat einen deutlich geringeren Anteil an Industriebetrieben innerhalb der gesamten Wirtschaft als Baden-Württemberg oder Bayern. In Bremen gibt es mehr Handels- und Dienstleistungsfirmen, der Branchenmix insgesamt ist günstiger.'

Diesen guten Branchenmix im zweitgrößten Hafen- und siebtgrößten Industriestandort Deutschlands sieht auch Michael Zeimet, Konjunkturexperte der Handelskammer Bremen, als wichtigen Grund für die moderate Entwicklung. 'Als breit aufgestellter Standort für kleine und mittlere Unternehmen hat sich die Region vergleichsweise robust gezeigt', sagt er.

Dieser günstigere Mix sorgt dafür, dass ein schlechtes Jahr für bestimmte Branchen nicht gleich die gesamte Wirtschaft mit in den Abgrund reißt. Die Krise des Jahres 2009 hat am stärksten das produzierende Gewerbe getroffen, vor allem Autohersteller und Maschinenbauer - überwiegend in den süddeutschen Bundesländern und da vor allem in Baden-Württemberg. Der Maschinenbau musste im vergangenen Jahr zum Teil Auftragsrückgänge von gut 50 Prozent verkraften. Die Folge: Die Wirtschaftskraft ist massiv eingebrochen.

Die Zahlen der Statistiker belegen aber auch, dass sich der Einbruch in den Industriebranchen der Länder spiegelbildlich auf dem Arbeitsmarkt ausgewirkt hat. 'In Bremen ist die Zahl der Arbeitslosen von Oktober 2008 bis Februar 2009 um 13,1 Prozent gestiegen', sagt Cors. 'In Baden-Württemberg ist sie dagegen um 42,8 Prozent, in Bayern gar um 55 Prozent gestiegen.' Hier hat sich der Einbruch in Schlüsselbranchen der Wirtschaft massiv auf die Arbeitslosenquote niedergeschlagen - und das trotz des Instruments der Kurzarbeit.

Das wurde auch in Bremen stark genutzt: Laut dem Mittelstandsbericht des Senats waren es zum Jahreswechsel noch 12000 Mitarbeiter in 500 Betrieben. Der Grund dafür: Auch in der Hansestadt verzeichneten die Unternehmen allgemein einen kräftigen Nachfrageeinbruch und traten bei den Investitionen auf die Bremse. Das galt insbesondere für die exportorientierte Industrie.

Bremens Exportabhängigkeit beträgt laut Statistiker Cors 52 Prozent. 'Das heißt, dass gut die Hälfte aller in Bremen produzierten Waren ins Ausland geht', sagt er. 'Aber', so Cors weiter, 'in Baden-Württemberg schlägt die Exportabhängigkeit wiederum wegen des weniger vorteilhaften Branchenmixes deutlich stärker auf die Wirtschaft durch als in Bremen.'

Hier sind die Firmen, die vom Export abhängen, nämlich nicht nur aus dem produzierenden Gewerbe wie im Süden. Hier gibt es auch viele Dienstleister wie Logistiker und Hafenbetriebe. Und die waren insgesamt eher in der Lage, die Krise durch andere Geschäfte zumindest teilweise aufzufangen. 'Das ist mit ein Grund, weshalb die Arbeitslosenquote in Bremen weniger stark angestiegen ist als in den süddeutschen Ländern', sagt Statistiker Cors.

Der Wirtschaftsexperte warnt jedoch davor, diese Zahlen zu positiv zu beurteilen. 'Es wird keinen schnellen Aufschwung geben', sagt Cors. 'Bremen hat zwar den Strukturwandel in den letzten Jahren gut bewältigt, es darf jedoch bei seinen Anstrengungen nicht nachlassen, will es für die Zukunft gewappnet sein.' Auch Handelskammer-Experte Zeimet sagt für viele Unternehmen ein schwieriges Jahr voraus.

'Es zeichnet sich aber ein moderater Aufschwung ab', ist er ein wenig optimistisch. 'Die Aussichten für 2010 haben sich verbessert. Die weltweiten Konjunkturprogramme entfalten ihre Wirkung. Da die globalisierte Produktion in den Seehäfenstandorten als logistischen Knotenpunkt zusammengeführt wird, haben Hafenstandorte wie Bremen die besondere Chance, sich auch als Industriestandort positiv weiterzuentwickeln.' Deshalb glaubt er, dass das bremische Bruttoinlandsprodukt in 2010 wieder wachsen wird.

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