Kühne + Nagel und Verwaltung stellen Entwurf für Firmenzentrale vor

Kritik am geplanten Neubau

Altstadt·Bahnhofsvorstadt. Kritik hagelte es jetzt an dem geplanten Neubau der Firma Kühne + Nagel an der Ecke Martinistraße / Wilhelm-Kaisen-Brücke (siehe auch Bericht im Hauptteil des WESER-KURIER, Seite 11). Anwohner, Geschäftsnachbarn und Architekten beanstandeten in einer Einwohnerversammlung im Modellraum der Baubehörde an der Contrescarpe, dass die Öffentlichkeit zu spät in die Planungen einbezogen worden sei und dass mit der prägnanten Lage zu unsensibel umgegangen werde.
24.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Liane Janz

Kritik hagelte es jetzt an dem geplanten Neubau der Firma Kühne + Nagel an der Ecke Martinistraße / Wilhelm-Kaisen-Brücke (siehe auch Bericht im Hauptteil des WESER-KURIER, Seite 11). Anwohner, Geschäftsnachbarn und Architekten beanstandeten in einer Einwohnerversammlung im Modellraum der Baubehörde an der Contrescarpe, dass die Öffentlichkeit zu spät in die Planungen einbezogen worden sei und dass mit der prägnanten Lage zu unsensibel umgegangen werde.

Das jetzige Gebäude sei in die Jahre gekommen, sagte Uwe Bielang, Regionalleiter Norddeutschland beim Logistikkonzern Kühne + Nagel. Unter anderem gebe es Probleme mit der Fassade und den Wasserleitungen. Anfangs sei darüber nachgedacht worden, das in den 60er-Jahren gebaute Gebäude zu ertüchtigen, führte er aus. Das sei allerdings zu teuer. Deshalb solle in einem ersten Schritt ein Neubau direkt am Kopf der Wilhelm-Kaisen-Brücke gebaut werden. Nach dessen Fertigstellung soll das heute bestehende Gebäude abgerissen und an seiner Stelle ein weiterer Neubau errichtet werden.

Danach ging die vom Unternehmen beauftrage Architektin ins Detail der Planung. Der erste Neubau direkt an der Brücke solle neun Stockwerke haben, informierte Anja Meding. Dann folge ein Mittelbau mit drei Stockwerken und einem gläsernen Foyer, damit eine Sichtachse von der Wachtstraße zur Weser bestehen bleibe. An dieses mittlere Gebäude solle sich ein weiteres, fünfstöckiges Gebäude anschließen, das mit den Wohnhäusern abschließt.

In einem früheren Entwurf sei das Haus am Brückenkopf elf Etagen hoch gewesen, berichtete Stadtplanerin Angela Weiskopf aus dem Bauressort. Auf Einwirken des Landeskonservators sei die Zahl der Stockwerke reduziert worden. Der geplante Neubau liegt nach ihrer Auskunft am Rand der Pufferzone zum Unesco-Weltkulturerbe Rathaus und Roland. Da das zu berücksichtigen sei, habe das Bremer Landesamt für Denkmalpflege bei den Vorgesprächen mit am Tisch gesessen.

Nach den Power-Point-Präsentationen meldeten sich kritische Stimmen zu Wort. Die Firsthöhe des neungeschossigen Gebäudes liege bei 40 Metern, damit erhebe sich direkt am Brückenkopf klippenartig ein großer Baukörper, der allen, die über die Brücke kommen, den Blick auf die Domtürme nehmen würde, sagte Matthias Rauch, der für die Linke im Beirat Mitte sitzt. Zudem würde die freie Rechtsabbiegerspur von der Martinistraße auf die Wilhelm-Kaisen-Brücke überbaut werden. Damit würde der kleine Platz verschwinden, der sich dort derzeit befindet, gab er zu bedenken. Zwar seien Arkaden geplant, die der Öffentlichkeit zugänglich sein sollen, und auch eine Treppe zum unteren Fußweg an der Weser würde erstellt, dennoch würde der öffentliche Platz bedeutend verkleinert und die Aufenthaltsqualität sinken, kritisierte Matthias Rauch.

Bedenken meldeten ebenso Vertreter der Bremer Kreditbank mit Sitz an der Wachtstraße an. Wesentlich dunkler könnte es für sie werden, da der massive Bau ihnen Licht nähme, hieß es.

Einige Zuhörer erkundigten sich nach einem Verdunklungsgutachten und auch nach Schallgutachten, da ein solcher Baukörper wie ein Wall den Lärm in die Straße zurückwerfen würde. Und einige Nachbarn äußerten Angst um die Bausubstanz ihrer Häuser. Über Details zu geplanten Gutachten fiel allerdings kein Wort.

Das Bauressort sieht nach Ansicht von Stadtplanerin Angela Weiskopf in dem Neubauvorhaben städtebaulich eine große Chance. Der Neubau würde das neue Tor zur Altstadt werden. Damit das Vorhaben umgesetzt werden könne, müsse allerdings ein neuer Bebauungsplan (B-Plan) her.

Das Baugesetzbuch sieht für dieses Verfahren eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit vor. Im Rahmen der Erarbeitung dieses Plans war die Sitzung am vergangenen Dienstag angesetzt worden. Wenn die Verwaltungsarbeit wie geplant vorangeht, könnte Kühne + Nagel im Frühjahr 2016 mit dem Bau des Gebäudes mit neun Etagen direkt an der Brücke beginnen. 2019 soll nach derzeitigen Überlegungen auch der zweite Neubau stehen.

„Ihre Stellungnahmen gehen in die Planung ein“, versicherte Stadtplanerin Angela Weiskopf den Besuchern der Anliegerversammlung. Die Power-Point-Präsentationen, die gezeigt wurden, und das Sitzungsprotokoll sollen in Kürze im Internet auf www.ortsamtmitte.bremen.de öffentlich einsehbar sein.

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