Bremer Süd- und Westbad sind abwechselnd geschlossen

Kritik an Bäder-Öffnungszeiten über Ostern

Bremen. Freie Tage über Ostern, viel Zeit für Freizeitspaß – wer aber eines der öffentlichen Bäder besuchen möchte, steht womöglich vor verschlossenen Türen. Das Westbad bleibt am Ostersonntag und das Südbad am Ostermontag geschlossen. Das sorgt für Protest.
07.04.2012, 09:22
Lesedauer: 3 Min
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Kritik an Bäder-Öffnungszeiten über Ostern
Von Wigbert Gerling
Kritik an Bäder-Öffnungszeiten über Ostern

Wer Ostern ins Schwimmbad will, muss die Öffnungszeiten genau studieren. Denn trotz schlechtem Wetter bleiben einige Bäd

Frank Thomas Koch

Bremen. Freie Tage über Ostern, viel Zeit für Freizeitspaß – wer aber eines der öffentlichen Bäder besuchen möchte, steht womöglich vor verschlossenen Türen. Das kommunale Unternehmen, das die Einrichtungen betreibt, hat unter anderem entschieden, dass das Westbad in Walle am Ostersonntag und das Südbad in der Neustadt am Ostermontag geschlossen ist. Das sorgt politisch für Protest und löst eine Diskussion auf parlamentarischer Ebene aus.

Ostertage und draußen eher ungemütliches Wetter – wer auf den Gedanken kommt, dies für einen familienfreundlichen Besuch im Bad zu nutzen, muss mit einer Enttäuschung rechnen. Denn die Bremer Bäder GmbH hat andiesen Tagen mehrere ihrer Einrichtungen geschlossen.

Das kommunale Unternehmen gewährt über die Festtage nur eingeschränkt Zugang, will aber über Ostern garantieren, dass jeder, der möchte, zumindest in irgendeiner Einrichtung der Bremer Bäder schwimmen gehen kann. Konkret heißt das: Das Westbad und das Vitalbad in der Vahr sind am Ostermontag geöffnet, am Ostersonntag aber geschlossen. Dafür hat das Südbad am Sonntag geöffnet, steht dafür allerdings am Ostermontag für die Besucher nicht zur Verfügung.

Dies sorgt politisch für Diskussionsstoff und wird zur Beratung auf parlamentarischer Ebene führen – zumal die Bremer Bäder GmbH immer wieder aus der öffentlichen Kasse unterstützt werden muss. Erst kürzlich hieß es, der Senat habe entschieden, dass der Zuschuss zu den Betriebskosten zum Wohle der Bilanz in diesem Jahr um gut 500 000 Euro angehoben werden müsse.

Auch mit Blick auf diese finanziellen Hilfestellungen der Stadt kommentierte der CDU-Fraktionssprecher für Sport, Erwin Knäpper, die Schließung über die Ostertage mit dem Satz: „Welch ein Irrsinn.“ Es sei „schwer nachvollziehbar“, dass die kommunalen Einrichtungen ihre Türen ausgerechnet anTagen mit viel Freizeit nicht öffneten. Der Christdemokrat: „Dies ist, als wenn ein Eisdielenbesitzer bei 30 Grad im Schatten seinen Laden dichtmacht und auf Einnahmen verzichtet.“ Die Praxis der Bremer Bäder GmbH ist aus Sicht des Bürgerschaftsabgeordneten Knäpper nicht nur unbefriedigend für potenzielle Badegäste. Auch die Steuerzahler würden damit „vor den Kopf gestoßen“, da sie Jahr für Jahr das Minus des Bäderbetriebs ausglichen.

Für die Opposition sind die Öffnungszeiten „ein Fall für den Aufsichtsrat“, in dem das Sportressort vertreten ist. Erwin Knäpper erklärte, die politische Verantwortung für diese Praxis mit den Bäderschließungen liege beim sozialdemokratischen Sportsenator Ulrich Mäurer. Die christdemokratische Parlamentsfraktion werde die Feiertagsregelung der Bremer Bäder GmbH in der nächsten Sitzung der Sportdeputation zur Sprache bringen.

Der grüne Sportpolitiker und Parlamentarier Björn Fecker erklärte, eine städtische Bädergesellschaft „muss flexibel auf Wetterlagen reagieren können“. Die sportpolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Petra Krümpfer, verwies ebenfalls auf die eher ungünstigen österlichen Wetterprognosen, die zu einem Besuch im Bad verlocken könnten. Sie schlägt vor, beispielsweise für das kommende Jahr einen Probelauf zur Feiertagsöffnung vorzubereiten. Begleitet von einer entsprechenden Werbung könnte sich womöglich zeigen, dass es gelinge, mehr Besucher anzulocken, sodass sich die Öffnung auch lohne.

Die Bremer Bäder GmbH erklärte auf Nachfrage, erfahrungsgemäß seien die Einrichtungen über solche Festtage „nicht stark frequentiert“. Außerdem komme es den Interessen der Beschäftigten entgegen, die aneinem Feiertag wie Ostern auch gerne frei hätten.

Bei den großen Bade-Einrichtungen im näheren und weiteren Umland von Bremen allerdings ist von einer Zurückhaltung des Publikums über solche Festtage mit viel Freizeit nichts bekannt. Ganz im Gegenteil. Mit der Bemerkung „volles Haus“ wurde dort bei einer telefonischen Umfrage mehrfach die Erwartung für die Ostertage beschrieben. Beim „Ronolulu“ in Ro-

tenburg/Wümme beispielsweise herrscht erfahrungsgemäß Hochbetrieb. Die groß angelegte Einrichtung mit Wellness und Sauna sei, so hieß es dort, anallen Ostertagen von 8 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Das Südsee-Camp Badeparadies in Wietzendorf ist ebenfalls über Ostern geöffnet. Dort geht es von zehn Uhr morgens sogar bis 22 Uhr am Abend. Gerade angesichts einer eher ungemütlichen Wetterlage sei mit großem Zuspruch zu rechnen. Die Vorhersage dort: „Wir sind ausgebucht.“ Einen ähnlichen Tenor gab es bei der Soltau-Therme. Dort hieß es, es sei sowohl am Ostersonntag als auch am folgenden Tag geöffnet – und zwar von neun bis 22 Uhr.

Vor diesem Hintergrund lautet die Bilanz des christdemokratischen Sportpolitikers Erwin Knäpper zu den eingeschränkten Öffnungszeiten der Bremer Bäder: „So treibt man die zahlende Kundschaft gezielt in die Arme der Umlandgemeinden.“

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