Der Bremer Phil Porter fordert Diskussion

Kritik an Blutspende-Verbot für Schwule

Wer schwul ist, darf in Deutschland kein Blut spenden. Grund dafür ist das erhöhte Risiko für Infektionskrankheiten wie Aids. Der Bremer Phil Porter fordert deswegen nun eine Diskussion.
16.02.2016, 00:00
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Von Silvia Pucyk
Kritik an Blutspende-Verbot für Schwule

Phil Porter würde gern Blut spenden, darf es aber nicht. Dagegen setzt er sich jetzt öffentlichkeitswirksam zur Wehr.

Christina Kuhaupt

Wer schwul ist, darf in Deutschland kein Blut spenden. Grund dafür ist das erhöhte Risiko für Infektionskrankheiten wie Aids. Der Bremer Phil Porter fordert deswegen nun eine Diskussion.

Es ist nur ein kleiner Stich in die Vene eines Menschen. Dennoch verursacht er momentan viel Aufregung in den sozialen Medien: Der Bremer Phil Porter möchte Blut spenden, darf es aber nicht, weil er homosexuell ist. „Ich fühle mich als Mensch zweiter Klasse. Warum darf ich nicht helfen?“, fragt der 27-Jährige. Auf Facebook hat er einen Kommentar geschrieben, der im Netz für Diskussionen sorgt.

Angefangen hatte alles vor einigen Jahren, als Porter Blut spenden wollte. Damals las er, dass Homosexuelle grundsätzlich von der Blutspende ausgeschlossen sind. „Das hat mir wehgetan. Warum werden wir nicht als Menschen akzeptiert?“

Die Bundesärztekammer und das Paul-Ehrlich-Institut entscheiden darüber, wer in Deutschland Blut spenden darf, erläutert Lübbo Roewer vom Bremer Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Grundlegend ist hierfür das sogenannte Transfusionsgesetz. „Homosexuelle haben ein höheres Risiko für Infektionskrankheiten wie Aids. Deswegen werden sie von der Blutspende ausgeschlossen“, erklärt Roewer.

Einzelfallprüfung verursacht hohe Kosten

Der dauerhafte Ausschluss von Schwulen ist politisch umstritten. Kritiker fordern, dass stärker auf den Einzelfall eingegangen werden sollte, um das Risiko abzuschätzen. Ärzte könnten Homosexuelle über ihr individuelles Sexualverhalten befragen, um dann eine realistische Einschätzung zu geben. Dies wäre allerdings zu kostspielig, sagt DRK-Sprecher Roewer. „Je intensiver eine Prüfung erfolgt, desto höher sind die finanziellen Ausgaben. Wollen wir tatsächlich doppelt so hohe Kosten im Gesundheitswesen?“

Von einer Einzelfallprüfung hält auch Phil Porter nichts. „Wenn es um das Liebesleben geht, lügen doch die meisten Befragten“, sagt er. „Welcher Heterosexuelle würde schon zugeben, dass er viele verschiedene Sexualpartner hat?“ Er selbst sei dagegen, beim Ausfüllen des Fragebogens zu lügen und sich als Heterosexueller auszugeben. „Bei der Blutspende kann ich mein Kreuz nicht an der falschen Stelle machen. Dafür bin ich zu stolz.“

Der Nachweis einer HIV-Infektion ist ebenfalls problematisch. Nach jeder Spende wird das Blut auf Auffälligkeiten getestet. Der Test kann allerdings keine Infektionen nachweisen, die erst wenige Tage alt sind. Somit kann er negativ ausfallen, obwohl die Spende HI-Viren enthält.

Porter: "Das ist diskriminierend"

Laut Porter würde ein bisschen mehr Offenheit der Debatte gut tun – und ein Blick in Nachbarländer. „In Polen dürfen homosexuelle Menschen ihr Blut spenden. Warum gibt es keine einheitlichen Regeln in Europa? Das ist diskriminierend.“

Von einer pauschalen Diskriminierung distanziert sich DRK-Sprecher Roewer. „Am Ende geht es um das mögliche Opfer, das nicht infiziert werden will. Aus medizinischer Perspektive ist der Ausschluss von Homosexuellen zu begründen.“

Phil Porter möchte jedenfalls weiter für seine Sache kämpfen. Der Bremer fordert, dass Homosexuelle nicht von vornherein von der Blutspende ausgeschlossen werden dürfen. Seine nächste Aktion hat er bereits geplant: Er will seinen Beruf als Fotograf dazu nutzen, um mit Bildern auf die Thematik aufmerksam zu machen. Porter: „Wir brauchen mehr Öffentlichkeit für das Thema.“

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