Inklusion an Bremer Schulen Kritik an Sielings Äußerungen

Muss die Inklusion in Bremen "abgebremst werden", wie Bürgermeister Carsten Sieling es zuletzt forderte? Seine Äußerung stößt auf Kritik. Sieling will sich nun für mehr Personal an Schulen einsetzen.
02.06.2017, 19:02
Lesedauer: 2 Min
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Kritik an Sielings Äußerungen
Von Sara Sundermann

Muss die Inklusion in Bremen „abgebremst werden“, wie Bürgermeister Carsten Sieling es zuletzt forderte? Seine Äußerung stößt auf Kritik. Sieling will sich nun für mehr Personal an Schulen einsetzen.

Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) erntet Kritik wegen seiner Äußerungen zur Inklusion an Schulen. Der Regierungschef hatte gesagt, Bremen habe sich bei der Inklusion „verhoben“. Die Inklusion müsse nun „gezielt, sorgsam und an geeigneter Stelle abgebremst werden“. Bremen hat die Inklusion im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr weitgehend eingeführt. Mehr als zwei Drittel aller Kinder mit Förderbedarf besuchen in Bremen eine normale Schule.

Als „unreflektierte Aussagen“ bezeichnet CDU-Bildungspolitiker Thomas vom Bruch die Worte des Bürgermeisters. Die Aussage, die Inklusion abbremsen zu wollen, sei „eine Mischung aus Populismus und offenkundiger Verunsicherung“, besonders vor dem Hintergrund stattgefundener und anstehender Wahlen.

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„Es ist unverantwortlich von Bürgermeister Carsten Sieling, wenn er ein zentrales Vorhaben wie die Inklusion plötzlich infrage stellt“, sagte vom Bruch. Die SPD habe Schulen bei der Inklusion zu schnell und ohne geeignete Strukturen vor vollendete Tatsachen gestellt. „Das Zurückrudern jetzt ist das Eingeständnis völliger Überforderung und Hilflosigkeit.“

Zentralelternbeirat zeigt sich erschrocken

Mit Kritik reagiert auch die Bildungsgewerkschaft GEW. „Erst den Guten, Klugen und Reichen ihre Bildung, und dann sehen wir mal, was für den Rest noch übrig bleibt? Ist das die Kernaussage dessen, was der Bürgermeister meint, wenn er von ,Inklusion bremsen' spricht?“, fragt Christian Gloede, Landesvorstandssprecher der GEW. Es müsse nicht gebremst, sondern „mehr Treibstoff“ in die Schulen gepumpt werden.

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Der Zentralelternbeirat (ZEB) hatte sich bereits erschrocken gezeigt. Elternvertreterin Andrea Spude stellte die Frage, wo Bremen denn bei der Inklusion noch bremsen wolle? Schließlich seien inzwischen fast alle Förderschulen in Bremen abgeschafft.

Sieling will Fritz-Gansberg-Schule nicht schließen

Carsten Sieling erläuterte am Freitag im Gespräch mit dem WESER-KURIER seine Position. Seine Äußerung zu einem Abbremsen der Inklusion will er so verstanden wissen, dass sich diese vor allem auf die Fritz-Gansberg-Schule beziehe. Diese Förderschule für rund 50 verhaltensauffällige Kinder soll derzeit nur bis 2018 weiter bestehen.

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Bislang gibt es keinen Beschluss, ob sie danach aufgelöst wird oder bleibt. Sieling spricht sich nun dafür aus, die Schule nicht 2018 zu schließen. „Jetzt schon die Fritz-Gansberg-Schule zu schließen, würde die Akzeptanz der Inklusion schwächen.“

Der Bürgermeister betont: „Mir geht es darum, die Inklusion zu einem Erfolg zu machen.“ Abbremsen sei „kein Rückwärtsgang“, sagt Sieling, „aber wir haben in Bremen gleich einen großen Sprung gemacht.“ Es dürften nun keine zusätzlichen Belastungen für die Schulen geschaffen werden, so Sieling.

Er wolle sich für eine Stabilisierung der Lage an Schulen und für mehr Personal einsetzen: „In Brennpunktgebieten muss etwas getan werden.“ Zudem müsse bei der Ausstattung der Rebuz-Zentren und Zup-Stellen genau hingesehen werden. Rebuz und Zup sind zwei Systeme, die Schulen bei der Inklusion unterstützen sollen.

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