Hochschule muss Ende Januar Wirtschaftsplan vorlegen / Grüne fordern Vorbereitung auf alle Eventualitäten

Kritischer Blick auf Jacobs University

Die Stunde der Wahrheit für die Jacobs University rückt näher. Ende des Monats muss sie darlegen, wie sie es bis 2018 schaffen will, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Die Hochschule selbst zeigt sich optimistisch. In der Politik wächst jedoch offenbar die Skepsis. Und ein ehemaliger Professor der Hochschule schreibt, dass private Voll-Unis in Deutschland generell zum Scheitern verurteilt seien.
11.01.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Kritischer Blick auf Jacobs University
Von Wigbert Gerling

Die Stunde der Wahrheit für die Jacobs University rückt näher. Ende des Monats muss sie darlegen, wie sie es bis 2018 schaffen will, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Die Hochschule selbst zeigt sich optimistisch. In der Politik wächst jedoch offenbar die Skepsis. Und ein ehemaliger Professor der Hochschule schreibt, dass private Voll-Unis in Deutschland generell zum Scheitern verurteilt seien.

Als in dieser Woche bekannt wurde, dass Heinz-Otto Peitgen nach seinem Rücktritt als Präsident der Jacobs University Bremen (JUB) eine sechsstellige Abfindung erhalten soll, stellte Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) eines unmissverständlich klar: dass sich Bremen nicht an der Finanzierung beteiligen wolle. Er sehe ausschließlich die Jacobs Foundation in der Verantwortung, den Betrag – kolportiert werden 800000 Euro – zu zahlen. Und in der Tat: Dort bestätigt man, einen Beschluss des Stiftungsrat, den Betrag 2014 obendrauf zu legen. Die Summe kommentierte man gleichwohl nicht.

Kritik an der Abfindung gibt es aus der rot-grünen Koalition. Mehr Sensibilität in der Sache hätte er sich gewünscht, sagt Grünen-Fraktionschef Matthias Güldner. Und der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Andreas Kottisch bezeichnete Günthners Haltung als richtig und konsequent, denn: „Die hier in Rede stehende Höhe der Abfindung verträgt sich überhaupt nicht mit der finanziellen Situation, in der sich die JUB befindet.“

Diese finanzielle Situation rückt nun wieder in den Fokus der Politik – und das nicht primär wegen Peitgens Abfindung. Eine erste gravierende Wegmarke auf dem Konsolidierungspfad der Hochschule steht in Kürze an. Ende Januar muss die JUB einen Wirtschaftsplan vorlegen, der aufzeigt, wie sie bis 2018 einen Haushalt vorlegen will, der – bis auf einen zugesagten Zuschuss von 10 Millionen Schweizer Franken vonseiten der Jacobs Foundation – ausgeglichen ist. Das ist im Vertrag zwischen Uni, Land Bremen und Jacobs Foundation so festgeschrieben. Dieser Vertrag wiederum ist die Grundlage dafür, dass die Uni von Bremen bis einschließlich 2017 jeweils 3 Millionen Euro im Jahr erhält und von der Stiftung die noch ausstehenden 78 Millionen der insgesamt einmal zugesagten 200 Millionen Euro. Erfüllt die Uni die Bedingungen nicht, können die Vertragspartner aussteigen.

Just in diesen Zeiten erschien in dieser Woche in der „Süddeutschen Zeitung“ ein Gastbeitrag von Günther K.H. Zupanc. Er war einer der ersten Professoren an der privaten Hochschule in Grohn, arbeitet inzwischen jedoch an der Northeastern University in Boston. Und in seinem Text erläutert Zupanc am Beispiel der JUB, warum private Voll-Universitäten in Deutschland seiner Meinung nach generell nicht überlebensfähig sind. Zu wenig Gebühren seien von den Studenten eingenommen worden, schreibt er, und vor allem: Zu wenig Spenden seien eingegangen. Die Uni habe erkennen müssen, dass die Spendenbereitschaft in Deutschland nicht hoch sei, wenn es um Bildung gehe, schreibt Zupanc.

Die JUB selbst zeigt sich gleichwohl optimistisch, dass die Wende gelingen kann. „Natürlich müssen wir uns auf die Zeit ab 2018 vorbereiten“, sagt Uni-Sprecherin Ines Heise, „aber wir malen nicht schwarz.“ Gespräche mit Unternehmen verliefen positiv, sagt Heise. Es sei bei den Firmen tatsächlich eine Bereitschaft da, neue Kooperationen einzugehen oder bestehende auszuweiten. Sie sei zudem überzeugt, dass der Wirtschaftsplan die Anforderungen der Vertragspartner erfülle.

Im politischen Betrieb herrscht diese Überzeugung offenbar nicht mehr überall uneingeschränkt vor. Andreas Kottisch formuliert noch vorsichtig, die Uni müsse ihre wirtschaftliche Sanierung entschlossen und nachvollziehbar betreiben. „Sollte es begründete Zweifel daran geben, muss Bremen auch die vertragliche Situation für einen Ausstieg prüfen.“ Matthias Güldner äußert seine Zweifel da schon deutlicher. „Natürlich hoffen wir sehr, dass die Uni erhalten bleibt“, sagt er, „aber wir müssen den Prozess auch kritisch begleiten – und wir sollten uns schon jetzt gedanklich mit der Möglichkeit befassen, dass der Uni die Sanierung nicht gelingt.“ Keinesfalls heiße das, betont Güldner, dass man die Uni leichtfertig aufgeben solle, „man muss sich aber auf alle Eventualitäten vorbereiten“.

Eine Forderung, die Linken-Politiker Klaus-Rainer Rupp schon seit Langem stellt – ebenso wie die nach einem Rückzug Bremens aus der Finanzierung. „Ich gehe davon aus, dass ein ausgeglichener Haushalt für die Jacobs University unrealistisch ist“, sagt er nun, „und deswegen muss man schauen, dass man den letzten Zeitpunkt für einen Ausstieg nicht verpasst.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+