Einzelhandel im Viertel

Kuchen, Hanf und Second Hand

Geschäfte kommen und gehen im Viertel – oder ziehen ein paar Häuser weiter. Wieder gibt es Neues zu entdecken.
20.02.2020, 06:37
Lesedauer: 4 Min
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Von Matthias Holthaus
Kuchen, Hanf und Second Hand

Die Geschäftsführer Engin Akgül-Gand (links) und Bilgin Akgül haben sich für ihre neue Café-Bar-Lounge M-One einen prägnanten Ort ausgesucht: das Sielwalleck.

Roland Scheitz

Das Viertel, ein Ort des stetigen Wandels. Alte Häuser kommen weg und neue, mehr oder weniger hohe Gebäude kommen an deren Stelle, Läden und Gastronomiebetriebe schließen und öffnen: Ein besonders prägnanter Ort, der inzwischen auf eine nahezu 20-jährige gastronomische Vergangenheit blicken kann, ist das ehemalige Modehaus direkt am Sielwalleck. Nach der Kapelle, dem Schweinske, dem Renoir, der Lokalität Im Viertel, dem Rock-’n’-Roll-Restaurant Malene und dem griechischen Restaurant Elia versucht sich nun das M-One, welches nach Betrieben in Celle und Schneverdingen nun auch in Bremen ein Standbein aufbauen möchte.

„Seit Anfang Januar bauen wir um“, erzählt Bilgin Akgül, einer der Geschäftsführer. Boden, Elektrik, alles neu, ebenso wie das Lichtkonzept und die Theke wurde umgebaut. Auch neu ist die Fernsehtechnik, große und kleinere, aber immer noch ziemlich große, Bildschirme sind im ganzen Laden verteilt: „Für Animation und damit wir auch Fußball übertragen können.“ Was hat das M-One sonst noch zu bieten? „Wir sind alles in einem und bieten Frühstück, Mittagessen, Abendessen – wir haben jeden Tag, 365 Tage im Jahr von 9 Uhr bis open end geöffnet. Frühstück gibt es bis 16 Uhr mit Kaffee oder Tee satt.“

Seit 2008 seien sie bereits auf dem Markt, erzählt Akgül, „und wir sprechen alle Altersgruppen an. Wir haben in Celle und in Schneverdingen einen sozialen Punkt geschaffen, wo sich Alt und Jung trifft.“ Mit Baguettes, Salaten, Burgern oder Flammkuchen sei ihre Karte so vielfältig, dass für jeden Gast etwas dabei sei: „Die Leute sollen sich wohlfühlen und können auch ein, zwei Stunden hier mit einem Kaffee verbringen.“ Ebenfalls wichtig sei ihnen die Arbeit mit regionalen Akteuren, wirft Co-Geschäftsführer Engin Akgül-Gand ein: „Weymann etwa oder das Fruchthaus Hulsberg – alles, was machbar ist, wollen wir aus dem Viertel oder aus Bremen besorgen. Wir wollen das Geld in der Stadt lassen. Einen Raucherbereich hat das M-One nicht: „Das ist für uns vorbei“, sagt Bilgin Akgül.

Boutique Second Hand

Bei Efgenia Weber erhält Kleidung ein zweites ­Leben.

Foto: PETRA STUBBE

Vorbei ist es auch oftmals mit der eigenen getragenen Kleidung – verschlissen, abgetragen, zerlöchert. Nicht jedoch in der Boutique Second Hand, die Damenmode verkauft und jetzt Vor dem Steintor 163 zu finden ist. Vorher hatte die Boutique 14 Jahre lang ihren Sitz Vor dem Steintor 129 und hieß Pfeffers Boutique, aber nun: Boutique Second Hand. „Ich verkaufe nur hochwertige und moderne Sachen und keine Synthetik“, erzählt die Inhaberin Efgenia Weber. Viele ihrer Kunden kämen von außerhalb und wenn sie dann im Viertel seien, kämen sie gezielt zu ihr. „Meine Kundschaft ist sehr modebewusst und achtet auf Qualität.“ Die Kleidung, die sie verkauft, ist Kommissionsware: „Die Leute bringen ihre Sachen her und beim Verkauf erhalten sie 50 Prozent.“ Allgemein müsse Secondhand hochaktuell sein, sagt sie, „die Leute suchen hochwertige Sachen, auch die, die wenig Geld haben. Ich verkaufe alles, was die Frauen brauchen: Schals, Mützen, Taschen, Gürtel, Schuhe, Schmuck.“ Und natürlich: hochwertige Kleidung. Warum geben die Leute denn überhaupt die hochwertige Kleidung weg? „Zu- oder Abnahme, Stiländerung oder auch, weil die Leute zu einer Farbberatung gegangen sind. Oder wegen Berufstätigkeit oder weil sie krank oder arbeitslos geworden sind.“ Alles, was sie verkaufe, gefalle ihr auch: „Secondhand ist meine Leidenschaft“, erklärt sie, „und Secondhand ist auch nachhaltig.“

MIT Fehrfeld Neueröffnung Hanfina Ina Haynes

Ina Haynes verkauft im vorderen Teil eines Frisörgeschäfts Produkte aus Hanf.

Foto: Roland Scheitz

Nachhaltig können auch Produkte aus Hanf sein und davon kann der Hanfladen Hanfina im Fehrfeld 27 eine Menge bieten. Seit Mitte Mai vergangenen Jahres gibt es den Laden Hanfina bereits, der im vorderen Teil eines Frisörgeschäfts seine Heimat gefunden hat. „Die Leute kommen nur dann in den Laden, wenn sie das Thema auch interessiert“, erzählt Betreiberin Ina Haynes, „aber auf Märkten fragen sie schon, ob man das auch rauchen kann.“ Rauchutensilien und rauchbare Hanfprodukte sind bei Hanfina jedoch nicht zu finden: „Es gibt Kleidung und Schuhe“, sagt Ina Haynes. „Barfußschuhe zum Beispiel, damit die Leute wieder Muskeln im Fuß bekommen.“ Oder Gummischuhe aus Frankreich, ein Plastik-Hanfgemisch und zu 100 Prozent recycelbar. „Alles kommt aus Europa, auch die Jeans.“ Die gibt es dann auch maßgeschneidert mit einem Hanfanteil von 30 bis 40 Prozent. „Hanf ist einer der stärksten Fäden überhaupt. Eine sehr robuste Faser.“ Ebenfalls im Repertoire: Taschen, Schmuck, Schals oder auch Kosmetik aus der Uckermark. Und: Hanfshampoo, Deocreme, Seife, Balsam, Lippenpflege, Schlafmasken, Handtücher oder Waschlappen. „Und die Blumentöpfe zersetzen sich nach zwei Monaten, wenn man sie mit der Pflanze umsetzt.“ Aber auch Lebensmittel dürfen nicht fehlen: Hanflikör ist da zum Beispiel zu nennen, wobei der berauschende Cannabiswirkstoff zwar fehlt, die Konsumenten sich aber an 15 Prozent Alkohol berauschen können. Hanfmehl gibt es auch, für Leute, die kein Weizen essen, Hanfbrotmischungen, Hanfsamen, Hanfbonbons, Hanföl oder auch Hanfessig. „Hanf wächst schneller als Unkraut“, beschreibt Ina Haynes einen weiteren Vorzug des Gewächses. „Das ist eine Biopflanze, warum also nicht nutzen, wenn sie hier wächst? Bei Hanf kann man alles verwenden.“

MIT Vor dem Steintor Neueröffnung Café Restaurant Soria

Das Soria ist ein syrisches ­Bistro.

Foto: Roland Scheitz

Alles essen und auch trinken kann man bei Soria, dem syrischen Bistro Vor dem Steintor 140. Vorher gab es in dem Geschäft Bier aus aller Herren Länder, doch das Brolters hat den Zapfhahn vor einiger Zeit zugemacht. „Es gibt zum Beispiel Frühstück bei uns“, erklärt die Mitarbeiterin, die sich sehr zurücknimmt und lediglich „Frau S.“ genannt werden möchte. Und außerdem: Snacks, Salate, Torten oder Kuchen. „Die Torten und Kuchen backen wir selbst“, sagt sie, und diese Backwaren können dann gerne mit einem leckeren Kaffee mit Kardamom und anderen Gewürzen genossen werden. „Der Chef hat alles aus Syrien geholt: Lampen, Deko oder diese kleinen Holzkästchen.“ Nicht nur die Holzkästchen, auch die Lampen und andere dekorative Elemente werden im Soria auch verkauft. Regelmäßig gebe es auch ein Büfett, berichtet sie, und überhaupt sei der Laden ein Mix aus Orientalisch und Deutsch. „Das Viertel braucht so einen Laden“, ist sie überzeugt: „Die Mischung aus Bistro und Laden, die hat sonst keiner.“

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