Jugend forscht

Kühlpacks, Thymian, Agar-Agar

Schulen aus dem Bereich Mitte und Nordosten waren beim Regionalwettbewerb im Universum Bremen vertreten.
02.03.2020, 06:05
Lesedauer: 4 Min
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Von Matthias Holthaus
Kühlpacks, Thymian, Agar-Agar

Matteo Rebe (von links), Tim Wenke und Ben Schneider vom Gymnasium Hamburger Straße machen Umweltfreundliche Kühlpacks selber.

PETRA STUBBE

Drei Tage, 121 Forschungsprojekte, 227 Jungforscher und Nachwuchswissenschaftler: Der Regionalwettbewerb Bremen-Mitte von Jugend forscht zog unter dem Motto „Schaffst Du!“ wieder experimentierfreudige Schülerinnen und Schüler an, die ihre mitunter beeindruckenden Forschungsergebnisse im Universum Bremen der Jury und der Öffentlichkeit vorstellten.

Und nicht nur die ergiebigen Forschungsergebnisse können sich sehen lassen: Mittlerweile liegt der Mädchenanteil der Teilnehmenden zwischen 15 bis 21 Jahren bei 57 Prozent, bei den jüngeren Schülerinnen und Schülern liegt er bei 49 Prozent. „Damit liegen wir sogar über dem bundesweiten Trend“, sagt Wettbewerbsleiter Stephan Leupold, denn im Bundesdurchschnitt liegt der Mädchenanteil bei knapp über 40 Prozent.

Thymian gegen Bakterien

„Die Wirkung von Thymian auf unterschiedliche Bakterien“ haben Julia Volkmann aus Schwachhausen und Veronika Weisskerber aus Stuhr untersucht. Die beiden 16 und 17 Jahre alten Schülerinnen vom Hermann-Böse-Gymnasium haben sich gefragt, ob Thymian wirklich so antibakteriell wirkt, wie es allgemein behauptet wird. „Dazu haben wir Thymiantee aufgekocht, reinen Thymian genutzt sowie Thymianöl“, erzählt Julia Volkmann. „Thymianöl hatte dabei die stärkste antibakterielle Wirkung, also haben wir uns fortan auf das Öl beschränkt.“ Zur Präparation haben die beiden Schülerinnen dann Petrischalen mit einer Nährschicht auf Agar-Basis bedeckt. Agar wird aus den Algenzellwänden gewonnen und eignet sich sehr gut zur Anzucht von Bakterien. „Wir haben dann mit unterschiedlichen Bakterien gearbeitet“, berichtet Veronika Weisskerber. Danach haben sie mit der Pipette Thymianöl aufgebracht, „anschließend haben wir uns dann die Hemmhöfe angeschaut und sie ausgemessen.“ Ein sogenannter Hemmhof ist der kreisrunde Bereich um die Bakterienkolonie herum. Das Ergebnis zeigt, dass die Konzentration des Thymianöls von Bedeutung ist: Je höher die Konzentration, desto höher die hemmende Wirkung. „Thymiantee bringt deshalb eigentlich nichts“, meint Julia Volkmann.

Alte Gymnasium

Rawan Safa vom Alten Gymnasium untersucht Unterschiede zwischen einer zuckerreichen und einer normalen Ernährung.

Foto: PETRA STUBBE

Wobei Thymiantee trinken wohl auch nicht schaden kann, wenn man ihn denn ohne Zucker genießt. „Diabetes mellitus – Unterschiede zwischen einer zuckerreichen und einer normalen Ernährung“ hat Rawan Safa aus Oberneuland untersucht. Die 16 Jahre alte Schülerin des Alten Gymnasiums hat sich mit der Frage beschäftigt, inwieweit eine zuckerreiche Ernährung den Körper im Gegensatz zu einer normalen Ernährung beeinflusst. Dafür hat sie am Laboratorium für Molekulare Diabetologie am Zentrum für Biomolekulare Interaktionen der Universität Bremen Versuche an zwölf Labormäusen durchgeführt: Vier von ihnen haben sechs Wochen lang normales Futter bekommen, vier Mäuse haben in dieser Zeit zuckerreiches Futter erhalten und vier Mäuse sogar elf Wochen. Die Beobachtung: „Die zuckerreich ernährten Mäuse waren rund, während die normal ernährten Mäuse schmal waren“, heißt es in ihrer Präsentation. Nach elf Wochen Zucker waren die Mäuse zudem nahezu doppelt so dick wie vorher. Außerdem waren die Blutzuckerwerte recht hoch, was auf eine Vorstufe von Diabetes hindeuten könnte. Die zuckerreich ernährten Mäuse besitzen nach der Beobachtung Rawan Safas auch um die Hälfte weniger Betazellen als die normal ernährten Mäuse. Betazellen produzieren das blutzuckersenkende Insulin. Rawan Safa hat außerdem auch Interviews mit Typ-2-Diabetes-Patienten geführt: „Trotz Diabetes kann man ein normales Leben führen“, sagt sie, und dennoch: „Diabetes wird in den nächsten Jahren ein richtiges Problem werden.“

Hermann Böse Gxmnasium

Die Wirkung von Thymian auf unterschiedliche Bakterien untersuchen Julia Volkmann und Veronika Weisskerber vom Hermann-Böse-Gymnasium.

Foto: PETRA STUBBE

Ätherische Öle und seine Wirkung

Ein Problem stellen auch Nebenwirkungen von Antibiotika dar. „Ätherische Öle und ihre nichtbakterielle Wirkung“ stehen dabei im Forschungsinteresse von Reyhan Özata aus Walle. Auch sie hat Agarplatten auf Petrischalen aufgebracht, Bakterien gezüchtet und anschließend diverse Öle aufgetragen: Pfefferminz, Lavendel, Teebaum und Orange. Ihr Fazit: „Alle Öle außer Orange wirken antibakteriell. „Viele Öle können auch in Medikamenten eingesetzt werden“, sagt die 15-jährige Schülerin des Alten Gymnasiums. „Sie haben auch weniger Nebenwirkungen und wirken außerdem auch gegen viele resistente Bakterien.“

Alte Gymnasium

Ätherische Öle und ihre antibakterielle Wirkung erforscht Reyhan Özata vom Alten Gymnasium.

Foto: PETRA STUBBE

Wer dann doch mal richtig krank geworden ist, benötigt vielleicht eine adäquate Kühlung. Kühlpacks können da eine wertvolle Hilfe darstellen, doch deren üblicher Inhaltsstoff Propylenglykol ist nicht nur ein Erdölderivat, sondern sollte laut Aufdruck vieler Kühlpacks auch sicher vor Kindern aufbewahrt werden. Potentiell also giftig – drei Schüler vom Gymnasium Hamburger Straße haben sich da ihre Gedanken gemacht. „Immer, wenn wir uns verletzt haben, haben wir uns gefragt, was in diesen Kühlpacks eigentlich drin ist“, meinen sie, und „Umweltfreundliche Kühlpacks selbermachen“ lautet demnach das Projekt, das der elf Jahre alte Tim Wenke und die beiden 13 Jahre alten Matteo Rebe und Ben Schneider konzipiert haben. Speisestärke ist demnach hervorragend geeignet, um Propylenglykol zu ersetzen: Einfach mit Wasser und Salz zusammenrühren, in einen Beutel geben und die Luft herausdrücken. Dann ab ins Gefrierfach – fertig. „Flohsamenschalen gehen auch, die können sich auch sehr gut verformen “, sagt Tim Wenke. Am besten schneidet aber Agar-Agar ab: „Das war noch besser als die normalen Kühlpacks.“

OS Rockwinkel

Lotta Schäfer von der Oberschule Rockwinkel macht mit Ananas Milchshake.

Foto: PETRA STUBBE

Ganz ohne Agar-Agar kommt das Projekt der 15 Jahre alten Lotta Schäfer aus Horn aus: „Ananas-Milchshake – jetzt möglich!“ verspricht ihre Forschung, denn: „Ich habe versucht, Ananas-Milchshake zu machen, doch mit Milch war der Shake zu bitter.“ Die Schülerin der Oberschule Rockwinkel hat dann überlegt, wo der bittere Geschmack herkommt und vor allem, wie er weggeht. „Es ist das Bromelain“, sagt sie, und dieses Enzym verträgt sich nicht mit Milchprodukten, es zersetzt die Milcheiweiße in Aminosäuren und Peptide. „Das kann man aber spalten, damit es sich nicht zersetzt – die Ananas muss erhitzt werden. Je länger man das macht, desto weniger bitter wird es.“ Ihr Tipp: „Fünf bis zehn, besser 15 Minuten erhitzen.“

Weitere Informationen

Die Siegerehrung des Bremen-Mitte Regionalwettbewerbs Jugend forscht wird am Montag, 2. März, von 15.30 bis 18 Uhr im großen Hörsaal („Keksdose“) der Universität Bremen, Bibliothekstraße 1, veranstaltet.

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