In der Emmauskirche des Diakonissenhauses startet am kommenden Sonntag die neue Konzertreihe „Gröpelinger Barock“ Künstler laden zum Versinken in klassische Musik ein

Fast verwunschen scheint die Emmauskirche des Diakonissenhauses vor sich hinzuschlummern. Aber Achtung: Dort sind ab kommenden Sonntag regelmäßig international gefragte Musiker zu Besuch. "Gröpelinger Barock" heißt die neue Konzertreihe, bei der historische Musikinstrumente wie Zink, Cembalo, Laute, Gambe oder Blockflöte zum Einsatz kommen.
21.04.2013, 05:00
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Von Anne Gerling

Fast verwunschen scheint die Emmauskirche des Diakonissenhauses vor sich hinzuschlummern. Aber Achtung: Dort sind ab kommenden Sonntag regelmäßig international gefragte Musiker zu Besuch. "Gröpelinger Barock" heißt die neue Konzertreihe, bei der historische Musikinstrumente wie Zink, Cembalo, Laute, Gambe oder Blockflöte zum Einsatz kommen.

Ohlenhof. Auf dem Hügel vor der 1960 erbauten Emmauskirche steht zwischen alten Bäumen Elisabeth Champollion in der Sonne und lacht. "Ich kenne Gröpelingen noch nicht, das sind meine ersten Schritte hier. Und es gefällt mir auf Anhieb sehr gut", sagt die 28-Jährige. Sie ist eigens aus dem Fedelhören in den Bremer Westen gekommen, um die Gröpelinger auf einen Schatz neugierig zu machen, den sie ab Sonntag gemeinsam mit ihnen genau hier, in Emmaus, heben möchte.

Es geht dabei um Barockmusik. "Das ist eine Musik, die einen, wenn man dicht dran ist, sofort mitschwingen lässt", schwärmt Champollion. "Sie ist rhythmisch packend und es gibt wunderschöne Melodien, die ins Herz gehen!"

Regelmäßig sind diese Klänge ab sofort in der Emmauskirche zu erleben, und zwar im Rahmen der Konzertreihe "Gröpelinger Barock", hinter der die Stiftung "Laudate, cantate" steht. In ihrem Namen ist Champollion heute im Stadtteil unterwegs und besucht unterschiedliche Einrichtungen, Vereine und Moscheen, um die Menschen vor Ort persönlich in die Emmauskirche als einen "Ort für musikalische und menschliche Begegnungen" einzuladen. "Beim ‚Gröpelinger Barock‘ gibt es jeweils am letzten Sonntag des Monats eine Stunde Musik und dann noch etwas zu trinken. Wir haben ein spannendes Programm vorklassischer Musik von Dowland über Bach bis Mozart", erzählt Champollion, die selber Musikerin ist. "Die Emmauskirche hat eine tolle Akustik. Und es ist so ein schöner kleiner Raum, in dem Nähe zwischen den Musikern und dem Publikum entsteht – das ist für beide Seiten eine gute Situation", erklärt sie, wieso die Stiftung "Laudate, cantate", die schon seit mehr als zehn Jahren dafür sorgt, dass einmal pro Monat eine Bach-Kantate in der Liebfrauenkirche erklingt, ihre Zwecke nun auf die kleine Gröpelinger Kirche ausgeweitet hat.

Die vorteilhafte Akustik in Emmaus hat sich in Musikerkreisen herumgesprochen – gerade sind im Kircheninneren acht Mitglieder des Hamburger Barockorchesters "Elbipolis" dabei, ihre neue CD einzuspielen. Und Champollion weiß auch von anderen Ensembles zu berichten, die hier schon wegen Aufnahmen angefragt haben.

Der gute Ruf der Kirche habe dabei geholfen, die Konzerttermine hochkarätig besetzen zu können, erzählt Champollion: "Wir haben zum Beispiel die Sopranistin Dorothee Mields im Programm. Sie ist in der Barockmusik ein Star und findet die Kirche super, weil die Atmosphäre und die Akustik gut sind und die Leute nett. So etwas ist wichtig für Musiker, die weltweit konzertieren, im Jahr 150 bis 200 Konzerte geben und ohne weiteres auch in der Glocke auftreten können, aber jetzt eben hierher nach Gröpelingen kommen!"

Hochkarätige Künstler kommen direkt zu den Menschen in Gröpelingen: Das gefällt auch Oberin Sigrid Pfäfflin vom Diakonissenmutterhaus, zu dem die Emmauskirche gehört. Und zwar einerseits, weil es Menschen gebe, die nicht abends zum Konzert in die Stadt fahren könnten, erzählt sie. Andererseits aber auch aus diesem Grund: "In unserer Zielsetzung steht, dass wir ein Ort der Sammlung und Sendung sind. Wir wollen Angebote machen, bei denen Menschen aus der Hektik der Zeit zur Ruhe und zu ihrer Mitte finden. Und da gibt es ja unterschiedliche Möglichkeiten, um Abstand vom Alltag zu gewinnen. Zum Beispiel, sich in die Musik zu versenken."

Musik von John Dowland

Im August tritt übrigens auch Elisabeth Champollion mit ihrem Boreas-Quartett beim "Gröpelinger Barock" auf. Jetzt ist sie aber erst einmal gespannt auf nächsten Sonntag: "Der Lautenist Lee Santana hat ein total schönes Programm rund um die Musik von John Dowland. Der war in England ein Star der Musikszene im 16. Jahrhundert. Wenn die Leute damals I-Phones gehabt hätten, hätten sie das rauf und runter gehört!"

Auftakt des "Gröpelinger Barock" ist am kommenden Sonntag, 28. April. Zu Gast ist dann Lautenist Lee Santana, der unter anderem Musik von und um John Dowland sowie eigene Kompositionen spielt. Alle Konzerte finden um 16 Uhr in der Emmauskirche, Adelenstraße 68, statt. Der Eintritt ist frei, nach dem Konzert sind alle Gäste zu einem Glas Sekt oder Wein eingeladen.

Informationen und Programm unter www.groepelbarock.de.

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