Eigentümer und Förderverein wollen das Arberger Denkmal-Ensemble beleben / Trauungen angestrebt Kultur statt Korn in der Mühle

„Jenseits des Guten und Schönen – unbequeme Denkmale“ lautete das Motto des diesjährigen Tags des offenen Denkmals. Gefeiert wurde vielerorts, ausgiebig auch mit den älteren Menschen des Wohnprojekts der Bremer Heimstiftung und weiteren Besuchern rund um die renovierte Arberger Mühle – die bisher auch nicht bequem war.
12.09.2013, 00:00
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Von Edwin Platt

„Jenseits des Guten und Schönen – unbequeme Denkmale“ lautete das Motto des diesjährigen Tags des offenen Denkmals. Gefeiert wurde vielerorts, ausgiebig auch mit den älteren Menschen des Wohnprojekts der Bremer Heimstiftung und weiteren Besuchern rund um die renovierte Arberger Mühle – die bisher auch nicht bequem war.

Butterkuchen aus dem historischen Steinbackofen war eine der Attraktionen bei der Arberger Mühle, die zum Tag des offenen Denkmals geöffnet war. Der Förderverein würde die außergewöhnliche Kulisse gerne auch für standesamtliche Trauungen öffnen.

Das abgetragene Backhaus, das einst auf dem Geländeteil stand, wo heute mit moderner Hilfstechnik ausgestattete Seniorenwohnungen der Bremer Heimstiftung Unterkunft bieten, wurde an der Straße neu errichtet und zum Denkmaltag erstmals beheizt. Goldgelber Butterkuchen verlässt Blech um Blech die Nische mit den heißen Steinen hinter großen eisernen Ofenklappen. Die Senioren unter den Zeltplanen geraten ins Schwärmen beim Anblick und erst recht beim Probieren des wie in alten Zeiten gebackenen Butterkuchens.

Zwischen Backhaus und Zelt liegt das Natursteinfundament für die Scheune, die bis 1920 näher am Kastanienbaum stand und fertig für den Wiederaufbau in der Scheune eingelagert ist. „Es braucht nur etwa eine Woche, um die Scheune wieder aufzubauen“, sagt Werner Möller, der Mühlenbesitzer aus Sottrum. „Aber erst muss die Nutzung klar sein, sonst wird es doppelte Arbeit beim Innenausbau“, erklärt Möller.

Mit Musik ins Mahlwerk

Das Bahn-Blasorchester hat die Instrumente poliert und stimmt auf der Bühne des Platzes schmissige Märsche an. Daneben brutzeln Wurst und Steak auf einem rauchfreien Gasgrill der Wilhelm-Olbers-Pfadfinder. Der nicht immer ehrenhafte, weil nur gegen bare Münze helfende Arzt und weitsichtige Astronom Wilhelm Olbers ist in Arbergen auch Namensgeber für den Ableger des Lions-Clubs, der sich in Grothenns Gasthaus gegenüber der Mühle trifft.

Am offenen Mühlentor prangt das Plakat zum diesjährigen, 255. Geburtstag des berühmten Bremer Astronomen Wilhelm Olbers. Im Dunkel der Mühle empfängt die Gäste ein großer liegender Mahlstein, auf dem ein Hinweisschild zur Besichtigung der oberen Mühlenstockwerke einlädt. Riesige Bohlen und massiges Balkenwerk, hölzerne Schütten und Zahnräderwerke sind in den Stockwerken zu sehen, die Etage für Etage enger werden. Mal erlauben sie den Zugang zu Außengalerien und den Blick über Arbergens Einzelhaussiedlungen. Ganz oben an der Flügelwelle, wo die Windkraft der ausladenden Flügelblätter auf das Mahlwerk übertragen wird, dort hatte sich trotz sorgfältiger Voruntersuchungen erst nach Abschluss der Dachrenovierungen ein versteckter Lagerschaden gezeigt. 30000 Euro Kosten entstanden durch den Ausbau der Welle, das Öffnen des Daches und die Reparatur. Ein unbequemes Denkmal.

Parallel zu den Feierlichkeiten rund um die Mühle als technisches Denkmal gab es eine Sitzung in den Räumen der Bremer Heimstiftung. Christian Weber erklärte in seiner Funktion als Vorsitzender des Fördervereins Arberger Mühle: „So ein Projekt schluckt viel, viel Geld. Es ist ja nicht nur die Mühle, sondern auch das Backhaus und die Scheune. Im Backhaus sollten besondere Projekte und Angebote für die Jugend realisiert werden.“ Damit eröffnet Christian Weber die Diskussion über die Nutzung der Mühle und die Amortisation des Denkmals. Werner Möller geht auf das Thema ein, während seine Frau Jutta per Fotoschau über den Lagerschaden informiert: „Alles, was im Rahmen geltender Statik-Bestimmungen zu erhalten war, ist erhalten und zum Teil verstärkt worden. Die Mühle haben wir jetzt gut im Griff. Wir möchten den Kreislauf Reparatur, Stillstand, Verfall durchbrechen.“ Möller fragt rhetorisch: „Gibt es bequeme Denkmale?“ Er strebe Entlastung durch Erhaltung an. „Wir möchten Trauungen in der Mühle möglich machen und sind mit Jens Knudtsen von der Lür-Kropp-Stiftung in gutem Kontakt. Leider fehlt uns das Okay der Deputation. Die Mühle soll Begegnungsstätte werden und Veranstaltungen aus Kultur und Kunst Raum bieten. Wir haben die Genehmigung für Verkauf und Verzehr.“ Die Mühle als reines Anschauungsobjekt möchte Werner Möller offensichtlich nicht. Ein Deputationsmitglied ergänzt, dass ein Denkmal, gerade auch eines, das nichts einbringe, sicher und nachhaltig sein müsse. Auch beim Amt der Denkmalpflege würde das Geld knapper. Bundestagsabgeordneter Carsten Sieling freut sich über das stete Wachsen der Begegnungsstätte Arberger Mühle, gerade auch mit der Senioreneinrichtung und der Kita nebeneinander. Und Sabine Bonjer, die Leiterin des Stiftungsdorfs, sagt „Ich erlebe jetzt das Zusammenwachsen. Das ist ein schöner Prozess“.

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