"Körperwelten - Eine Herzenssache" in Bremen 11.500 Besucher in zehn Tagen

Bremen. Die erste Bilanz kann sich sehen lassen: 11.500 Besucher haben die Ausstellung "Körperwelten - Eine Herzenssache" im Alten Postamt bisher gesehen. Zwar gibt es bisher kaum Warteschlangen an den Kassen, doch am Wochenende kann es schon mal eng werden.
16.02.2010, 09:35
Lesedauer: 2 Min
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Von Simone Gorecki

Bremen. "99 Prozent der Besucher sind von der Ausstellung begeistert", freut sich Pressesprecherin Jeannine Rena Suero. Blieb in den ersten Tagen der große Ansturm noch aus, sah es am vergangenen Wochenende schon anders aus: Vor den Plastinaten mussten die Besucher Geduld mitbringen, bis sie ganz nah heran konnten. In dieser Woche beginnen zudem die Informationsveranstaltungen für Lehrer, die mit ihren Schulklassen erfahrungsgemäß einen Großteil des Publikums ausmachen.

Damit es an den Kassen zu keinen langen Warteschlagen kommt, die in den ersten Jahren der Ausstellungsreihe die Gäste nicht selten sechs Stunden warten ließen, gibt es die Möglichkeit, im Internet Karten für bestimmte Zeiten zu buchen. "Unter der Woche ist das momentan nicht nötig, aber für die Wochenenden kann ich empfehlen, das Ticket rechtzeitig zu bestellen", rät Suero. Auf www.koerperwelten.dekann der Besucher aus dem noch vorhandenen Kartenkontingent vorab Tag und Uhrzeit auswählen und buchen.

Um nicht zu viele Besucher gleichzeitig in den Ausstellungsräumen zu haben, wird jede halbe Stunde nur ein begrenztes Kartenkontingent freigeschaltet. Theoretisch seien zwar bis zu 1000 Personen gleichzeitig in der Ausstellung möglich, doch die Organisatoren haben festgestellt, dass sich höchstens 500 Besucher zwischen den Objekten bewegen sollten, um genug sehen zu können.

Kritiker aus Kirche und Politik möchte Suero übringes gerne zu einem Diskussionsforum in die Ausstellung einladen: "Wir erfahren die Kritik immer nur indirekt aus den Medien. Es wäre schön, direkt ins Gespräch zu kommen." Die Ausstellungen in Deutschland und Zürich seien aus dem Grund sehr anstrengend, vergleicht man sie mit der fast ausschließlich positiven Resonanz, die aus Amerika und Asien kommt. Dort gingen die Menschen viel unbefangener mit "Körperwelten" um.

Hintergrund: Was zeigt "Körperwelten - Eine Herzenssache"?

Nichts für schwache Nerven ist der Anblick der präparierten Leichen, denen oft Haut, Muskeln oder Schädelknochen fehlen. Zu sehen sind die sogenannten Plastinate in alltäglichen Situationen und Bewegungen wie beim Fußball oder Gitarre spielen, in der Pokerrunde oder beim Sex. Dies ist auch größter Kritikpunkt der Gegner des Mediziners Gunther von Hagens. Toten werde mit der Darstellungsweise die Würde geraubt. Auch die Tatsache, dass die ausgestellten Personen vor ihrem Tod ihre Zustimmung zur Präparierung ihrer Körper gegeben haben, lässt die Kritiker nicht verstummen.

Doch der Erfinder der Plastination Gunther von Hagens möchte viel mehr als schockieren und die Sensationsgier befriedigen. Das Publikum soll sensibilisiert werden, mit dem eigenen Körper pfleglicher umzugehen: „Im Plastinat erkennen wir uns selbst, unsere Verletzlichkeit und das Wunder, das wir sind.“ Als oberstes Ziel schreibt sich Körperwelten die gesundheitliche Aufklärung auf die Fahnen und geht zudem über die körperliche Funktion des titelgebenden Organs hinaus: Auch die Bedeutung des Herzens in Religion, Kunst, Literatur und Popkultur wird thematisiert.

Die Plastination, die den Verfall des toten Körpers aufhält, macht es möglich, den genauen Verlauf von Adern, Sehnen, Muskeln und Knochen auch für den Laien anschaulich darzustellen. Ursprünglich entwickelte Gunther von Hagens diese Technik für Wissenschaft und die medizinische Ausbildung. Seit rund 15 Jahren zieht er mit Körperwelten-Ausstellungen durch die ganze Welt. In Bremen ist sie noch bis zum 25. Mai zu sehen.

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