14 wortmächtige Kandidaten beim Wettlesen am Wörthersee

Bremen·Klagenfurt. Morgen treten 14 Kandidaten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz am lauschigen Ufer des Wörthersees an, um der Kraft des geschriebenen Wortes zu huldigen. Bei den 36. Tagen der deutschsprachigen Literatur wetteifern sie im Rahmen von halbstündigen Lesungen vor den gespitzten Ohren einer achtköpfigen Jury um den Ingeborg-Bachmann-Preis. Wer ihn oder eine der weiteren Ehrungen erlangt, hat gute Chancen, in die erste Schriftstellerliga des deutschsprachigen Raums aufzusteigen.
04.07.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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14 wortmächtige Kandidaten beim Wettlesen am Wörthersee
Von Hendrik Werner

Bremen·Klagenfurt. Morgen treten 14 Kandidaten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz am lauschigen Ufer des Wörthersees an, um der Kraft des geschriebenen Wortes zu huldigen. Bei den 36. Tagen der deutschsprachigen Literatur wetteifern sie im Rahmen von halbstündigen Lesungen vor den gespitzten Ohren einer achtköpfigen Jury um den Ingeborg-Bachmann-Preis. Wer ihn oder eine der weiteren Ehrungen erlangt, hat gute Chancen, in die erste Schriftstellerliga des deutschsprachigen Raums aufzusteigen.

Aber auch ohne das Erhaschen einer Auszeichnung ist das Wettlesen in Klagenfurt ein lohnendes Spektakel. Das liegt freilich oft mehr an den spitzfindigen Einlassungen der gestrengen Jury als an der Sogkraft der vorgetragenen Prosa, die bedauerlicherweise zuletzt oft mehr empfindsam denn kraftvoll ausfiel. Mag die literarische Castingshow in den vergangenen Jahren auch ungleich beschaulicher ausgefallen sein als zu jener legendären Zeit, als sich Rainald Goetz die Stirn ritzte (1983) oder Urs Allemann den Skandaltext "Babyficker" las (1991): Ein literaturbeflissenes Stammpublikum ist dem bis Sonntag währenden Lektürereigen sicher – sowohl am Veranstaltungsort (neben der Frankfurter Buchmesse ein bedeutender Treffpunkt der Buchbranche) als auch vor dem Fernseher (3sat überträgt Lesungen und Jurorenrichtsprüche seit Jahren getreulich).

Mitmachen lohnt sich trotz des Risikos, von der Jury, zumal von deren erbarmungslosem Vorsitzenden Burkhard Spinnen, öffentlich gedemütigt zu werden: Neben der Hauptauszeichnung namens Ingeborg-Bachmann-Preis (dotiert mit 25000 Euro) gibt es den Kelag-Preis (10000 Euro), den 3sat-Preis (7500 Euro) sowie den Hypo-Group-Publikumspreis, den Ernst-Willner-Preis und – neu in diesem Jahr – den BKS-Bank-Publikumspreis (alle 7000 Euro).

Von den 14 Teilnehmern stammen acht aus Deutschland oder leben dort: Aus Berlin kommen Sabine Hassinger und Inger-Maria Mahlke, in Frankfurt/Main lebt die in Sibirien geborene Olga Martynova, aus Bamberg reist der in Polen geborene Matthias Nawrat an den für vier Tage zum Wörtersee umgewidmeten Wörthersee. Aus Mainz stammt der im finnischen Espoo wohnhafte Stefan Moster, Matthias Senkel lebt in Leipzig, Andreas Stichmann in Hamburg. Mit ihnen ringen vier Österreicher und zwei Schweizer um die Krone der deutschsprachigen Gegenwartsdichtung.

Bereits jetzt darf als gesichert gelten, von wem heuer einer der nachhaltigsten Texte stammt: Naturgemäß außerhalb des Wettbewerbs ist die "Klagenfurter Rede zur Literatur" angesiedelt, mit der die Literaturweihefestspiele heute eröffnen. Gehalten wird sie von Ruth Klüger. Die 80-jährige Schriftstellerin, die in Wien geboren wurde und mehrere Konzentrationslager der Nationalsozialisten überlebte, spricht unter dem Leitwort "Der haltbare Satz" über "Wirklichkeit, Wahrheit, Literatur und Kitsch".

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