Die Lange Nacht der Bremer Museen

19 Häuser locken mit besonderen "Begegnungen"

Heute findet in Bremen die Lange Nacht der Museen statt. 19 Häuser machen mit, aber wie viel Museum ist möglich in einer Nacht? Durchschnittlich sechs sind es wohl, die Teilnehmer auf ihren Touren bewältigen.
30.05.2015, 10:41
Lesedauer: 4 Min
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19 Häuser locken mit besonderen "Begegnungen"

19 Museen machen mit, aber wie viel Museum ist möglich in einer Nacht? Durchschnittlich sechs sind es wohl, die Teilnehmer der Langen Nacht der Museen auf ihren Touren bewältigen. Diese Erkenntnis ziehen Anne-Katrin Axt vom Focke-Museum und Bettina Berg vom Gerhard-Marcks-Haus aus den Verkaufszahlen der Eintrittsbänder. Rund 3600 davon würden jedes Jahr abgenommen und dann zwischen 18 000 und 20 000 Besuche in den teilnehmenden Häusern gezählt. An diesem Sonnabend können ehrgeizige Kunstfreunde neue Rekorde aufstellen. Konzerte, Theater, Lesungen und Führungen gehören zum großen Angebot, in das als Kooperationspartner die Bremer Shakespeare Company und das Internationale Literaturfestival „poetry on the road“ eingebunden sind.

Von 18 Uhr am Abend bis 1 Uhr nachts öffnen 19 Häuser ihre Türen. Vom Alten Pumpwerk in Findorff über das Dom-Museum, die Kunsthalle, die Militärgeschichtliche Sammlung und das Übersee-Museum bis zum Wuseum , dem Werder Bremen Museum am Osterdeich, reicht die Palette. Das Motto lässt allerlei Raum für Programm und Spielereien: „Begegnungen“ lautet es.

Begegnen können Bummler beispielsweise einem Engel im Dom. Ganz zeitgemäß lädt das Dom-Museum im St. Petri Dom zum Selfie-Machen ins Kirchengebäude ein. Besucher können sich mit einem Engel ablichten lassen und das Ergebnis an Freunde verschicken. Vielleicht mobilisiert das neue Zielgruppen und lockt spontan noch weitere Gäste in die Lange Nacht. Auch Englischsprachige sollen auf ihre Kosten kommen: Eine Führung auf Englisch durch „St. Peter’s Cathedral“ gehört zum Angebot.

Von dort ist es nicht weit in die Böttcherstraße , wo unter anderem die zeitgenössische Fotografie barocker Malerei begegnet. Besucher der Museen in der Böttcherstraße begegnen natürlich auch Paula Modersohn-Becker in vielfältiger Weise und – weniger erwartbar – der Bremer Shakespeare Company, die Szenen aus „Der Sturm“ und aus der „Komödie der Irrungen“ zeigen will. Wer aus dem Paula-Modersohn-Becker-Museum oder dem Ludwig-Roselius-Museum heraustritt, könnte einen kurzen Spaziergang über die Teerhofbrücke ins Museum für moderne Kunst in der Weserburg und die Gesellschaft für Aktuelle Kunst machen. „Begegnungen der überraschenden Art“ versprechen die Improvisationskünstler Richter und Scharlowski, die in der Langen Nacht zu den alten Bekannten im Museum gehören. Zudem können sich Besucher um 18 Uhr mit der Videoinstallation „Playing to the Birds“ von Annika Kahrs auseinandersetzen.

Wer der Weserburg einen Besuch abgestattet hat, kann überlegen, den Gang über die Weser mit einem Abstecher in die Städtische Galerie Bremen im Buntentorsteinweg und in die Militärgeschichtliche Sammlung der Scharnhorst-Kaserne in Huckelriede zu verbinden. Beide Häuser haben geöffnet und erlauben Begegnungen mit Historie. In der Kaserne steht ein Silberleuchter mit seiner Geschichte im Mittelpunkt, in der Städtischen Galerie deren 30-jähriges Bestehen. Die Ausstellung „Im Rausch – Vergärungsprozesse in Kunst und Bier“ wird dort um 19 Uhr eröffnet.

Oder doch zurück ans rechte Weserufer? Dann liegt es nahe, am Martinianleger an Bord zu gehen, um Richtung Westen zu fahren. Das Hafenmuseum Speicher XI hat „Begegnungen im Hotel“ vorbereitet. Unter dem Ausstellungstitel „Willkommen@HotelGlobal!“ präsentieren sich beispielsweise ein nigerianischer Filmemacher, eine französische Fotografin und ein österreichischer Chocolatier. Es gibt Mitmachstationen rund ums Essen, aber auch Tee aus dem Samowar zur Lesung und Drinks in der Hotel-Lounge.

Ein Abend, der sich ganz dem Kunstgenuss widmen soll, kann jedoch auch anders beginnen: im Focke-Museum beispielsweise, das mit seinen Oldtimern „zum Anfassen, Reinsetzen und Fotografieren“ einlädt. Besucher können Kaffee selbst zubereiten und auch hier Akteuren der Shakespeare Company begegnen, die auch dort Szenen aufführen. Außerdem lockt die Begegnung mit dem Unsichtbaren. UV-Licht macht Restaurierungsspuren auf Gemälden erkennbar. Vom Focke-Museum ist der Weg ins Universum gut zu bewältigen. Bei gutem Wetter am besten mit dem Rad, aber auch mit Bus und Straßenbahn. Immerhin erlauben die Eintrittsbänder deren kostenlose Nutzung zwischen 17 Uhr am 30. Mai und 3 Uhr am darauffolgenden Morgen (31. Mai). Enthalten ist in dem Angebot auch der Schiffs-Shuttle auf der Weser zwischen Weserstadion, Martini-Anleger und Alter Feuerwache sowie die Fahrt in der historischen Straßenbahn der Linie 7. Sie steuert vom abends geöffneten Depot, dem Bremer Straßenbahnmuseum in Sebaldsbrück, die Stationen Sielwall, Hauptbahnhof, Am Brill, Domsheide und Theater am Goetheplatz an.

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Ein möglicher Startpunkt für die Tour ist auch die Kultur-Ambulanz. Für die bessere Anbindung an die übrigen Museen kann das Krankenhaus-Museum am Klinikum Ost mit einem besonderen Service locken: Ein Minibus pendelt ab 18 Uhr halbstündig zwischen der Züricher Straße und der Kunsthalle. Bereits um 17 Uhr beginnt dort das „Internationale Fest der Begegnung“ zum Gedenktag der Opfer der NS-Psychiatrie in Bremen. Es gibt Führungen, die eine Begegnung mit Zwischen-Welten, mit Sehnsuchtsorten und Albträumen in der aktuellen Ausstellung „Äther“ ermöglichen.

Der Minibus-Shuttle bringt Besucher dann bequem zur Kunsthalle, die verschiedene Begegnungen für große und kleine Gäste mit Emile Bernard bereit hält. Von dort ist es ein Katzensprung ins benachbarte Gerhard-Marcks-Haus und auf die andere Straßenseite in das Wilhelm-Wagenfeld-Haus. Letzteres lockt mit einer Ausstellung von Jenaer Glas des Industriedesigners sowie der schon traditionellen Sammlerbörse und Gastronomie im Innenhof. Im Gerhard-Marcks-Haus können Hobbykünstler unter dem Motto „Marcks in a box“ Objekte aus Plastilin für einen Acrylglas-Schaukasten modellieren, dem Künstler Antonio Velasco Munoz bei seinen Minutenporträts zusehen und Denis Fischers Interpretationen von Cohen-Songs lauschen. Um 21 Uhr liest zudem die Lyrikerin Nora Gomringer aus ihren Bänden „Monster“ und „Morbus“ im Rahmen von „poetry on the road“.

Wer auf seiner individuellen Tour noch nicht im Antikenmuseum im Schnoor, Marterburg 55, war, hat es von der Kulturmeile aus nicht weit. Eine Alternative wäre der Einstieg in die Straßenbahn, um bis zum Schulmuseum Auf der Hohwisch durchzufahren. Dort gibt es stündlich Führungen durch den Erdbunker und Begegnungen mit Fundstücken aus der Kaiserzeit. Der Schauspieler Benedict Vermeer erzählt Geschichten zum weiten Westen von Stephan Zweig.

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