Jubiläumsfeier am Sonnabend 25 Jahre Weserburg: Im Wandel liegt die Zukunft

Trotz vieler Querelen aus den Vorjahren präsentiert sich die Weserburg in diesem Jahr quicklebendig: Am Sonnabend feiert das Museum für moderne Kunst sein 25-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür.
09.09.2016, 00:00
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25 Jahre Weserburg: Im Wandel liegt die Zukunft
Von Uwe Dammann

Trotz vieler Querelen aus den Vorjahren präsentiert sich die Weserburg in diesem Jahr quicklebendig: Am Sonnabend feiert das Museum für moderne Kunst sein 25-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür.

Das Programm für den Tag der offenen Tür der Weserburg liest sich wie ein Who is who der Bremer Kulturszene. Da bietet Kunsthallendirektor Christoph Grunenberg gemeinsam mit Weserburg-Chef Peter Friese eine Führung durch die aktuelle Reydan Weiss-Ausstellung an. Da führt Arie Hartog, Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses, mit Peter Friese einen öffentlichen Diskurs über „Skulptur heute“. Da kommt der Rektor der HfK-Bremen, Herbert Grüner, vorbei und selbst Thomas Deecke, Gründungsdirektor der Weserburg, ist Gast im Hause und will nicht nur aus alten Zeiten berichten, sondern auch eine Führung durch die aktuelle Ausstellung anbieten.

Der Grund für diesen ungewöhnlichen Auflauf an „Kulturprominenz“ in dem Museum für moderne Kunst ist das 25-jährige Bestehen der Weserburg. Das Jubiläum wird an diesem Sonnabend, 10. September, von 11 bis 20 Uhr mit einem umfangreichen Programm gefeiert. Live-Musik und Mitmachaktionen für Kinder runden das Programm ab.

Das lebendige Event mit so viel Unterstützung aus der Stadt könnte zumindest diejenigen überraschen, die das Museum schon totgesagt hatten. Erst im August erschien in der überregional erscheinenden „Kunstzeitung“ aus Berlin ein Essay des Kulturjournalisten Karlheinz Schmid, der darin für die Schließung der Weserburg plädierte.

"Weserburg ist ein Auslaufmodell"

Nicht weil das Ausstellungsprogramm unzureichend oder gar schlecht sei, sondern weil sich aus seiner Sicht das Modell eines Sammlermuseums in dieser Form überlebt habe und für eine Museum dieser Art nicht mehr genügend Besucher anspreche. Die Weserburg sei ein Auslaufmodell, konstatierte Schmid. Die 3000 Besucher monatlich könnten mühelos in andere Bremer Häuser wie die Kunsthalle „umgeleitet werden“.

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Das sehen naturgemäß die Verantwortlichen in der Weserburg völlig anders. „Wandel als konstantes Profil“ ist hier die Losung. „Die Bremer Weserburg praktiziert auch im 25. Jahr ihres Bestehens den Anschluss an jüngste Strömungen der Kunst und zentrale Fragen der Gegenwart“, heißt es in einem Text von Reiner Bessling zum Jubiläum.

Allein durch die Präsentation der aktuellen Ausstellung mit der Sammlung Reydan Weiss erweise sich der Impuls, der bei der Gründung des Museums im Fluss vor 25 Jahren als immer noch tragfähig: mit Werken aus Konvoluten privater Sammler in einer öffentlichen Institution Ausstellungen zu inszenieren, die eine persönliche Handschrift und Risikofreude widerspiegeln – und nicht zuletzt damit im aktuellen Kunstgeschehen angesiedelt sei.

Museum präsentiert sich quicklebendig

Fakt ist: Trotz der zahlreichen Querelen aus den Vorjahren präsentiert sich das Museum 2016 quicklebendig. Auch als die Weserburg am 6. September 1991 als erstes Sammlermuseum Europas an den Start ging, wurde sie von vielen skeptischen Stimmen begleitet. Wie können private Sammler mit Kuratoren in einer öffentlichen Einrichtung und vor allem untereinander kooperieren? Gibt der finanziell gebeutelte Stadtstaat mit der Public-Private-Partnership nicht das Zepter bei der Ausstellungspolitik aus der Hand? Das waren zentrale Fragen jener Jahre.

Gründungsdirektor Thomas Deecke startete mit Sammlern wie Georg Böckmann, Reinhard Onnasch, Klaus Lafrenz und einigen anderen und verwirklichte mit großer nationaler Beachtung und Erfolg eine „verrückte Idee“, wie die Gründung vor 25 Jahren von der Süddeutschen Zeitung beschrieben wurde. Das Bremer Vorbild fand anschließend bundesweit viele Nachahmer, weil etlichen öffentlichen Häusern das Geld für Ankäufe ausgegangen war. Aber auch aus anderen Gründen schien das Konzept in die Zeit zu passen. Die Vielfalt und Offenheit der Ausstellungen kam an. Rund 30 Sammlungen präsentierte das Museum in den vergangenen 25 Jahren. Auch das Zentrum für Künstlerpublikationen – fast ein Museum im Museum – zeigt bis zu zehn Ausstellungen pro Jahr im Haus.

In jüngster Zeit hat Direktor Peter Friese einen Schwerpunkt auf neue Sammler, insbesondere der jüngeren Generation, gelegt, die aktuelle Positionen, Blickwinkel und Fragen ins Spiel bringen. Große Beachtung fanden die Ausstellungen „Kaboom – Comic in der Kunst“, „Farbe im Fluss“ oder „Land in Sicht“. Vor Friese hatte Carsten Ahrens das Amt des Direktors inne und organsierte mit großem Erfolg die Einzelausstellungen zum Werk von Jörg Immendorf im Jahre 2007 und Helmut Newton (2008).

Kontrovers geführte Debatten

In die Zeit von Ahrens fällt allerdings auch der Verkauf von Werken aus der Sammlung der Weserburg, darunter bedeutende Werke von Gerhard Richter und Franz Gertsch, die an die zehn Millionen Euro in die Kasse brachten, die in einen Baufonds angelegt wurden. Ahrens verließ 2013 das Haus nach internen Querelen. Kurz zuvor war noch sein Vertrag vom Stiftungsvorstand um Klaus Sondergeld um fünf Jahre verlängert worden, was bei vielen für heftige Kritik sorgte.

Seither wird die Weserburg von zahlreichen kritischen, bisweilen kontrovers geführten Debatten begleitet, die bis heute andauern. Aus Sicht der Verantwortlichen ist das Museum mit dem jährlichen städtischen Zuschuss von rund 1,3 Millionen Euro chronisch unterfinanziert. Durch den Verkauf der Bilder, dessen Erlös in einen Fonds geflossen ist, sind aber nach wie vor ein anstehender Umbau des Hauses oder sogar ein lange Zeit kontrovers diskutierter Neubau möglich.

In diesem Jahr ist es – im Vergleich zu den Vorjahren – in der öffentlichen Debatte um die Weserburg ruhig geworden. Der Fokus lag eindeutig auf den Ausstellungen mit neuen Partnern und Privatsammlungen, die Direktor Peter Friese für die Weserburg gewinnen konnte. So soll es aus Sicht der Verantwortlichen weiter gehen. Weitere Themenausstellungen, anspruchsvolle Sammlungspräsentationen und Retrospektiven, die einen spannenden Einblick in eine sich immer komplexer darstellende Gegenwart der Kunst bieten, sind fest eingeplant.

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