Ein Ende ist nicht in Sicht

30 Jahre Simpsons: Parodistisch, politisch, prophetisch

Die US-Zeichentrickserie begeistert nun schon seit 30 Jahren weltweit. Über die Jahre bekamen viele Berühmtheiten Gastrollen in der Sendung, die sie größtenteils auch selbst gesprochen haben.
18.12.2019, 21:59
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Von Anne Pollmann
30 Jahre Simpsons: Parodistisch, politisch, prophetisch

Chaos-Vater Homer Simpson führt die fünfköpfige Familie aus Springfield an.

Fox/ProSieben

Paul McCartney, Britney Spears oder Stephen Hawking – sie alle waren schon da. Bekannte Gaststars, abgründiger Humor und ein gnadenloser Blick auf die amerikanische Gesellschaft tragen seit jeher zum weltweiten Erfolg der US-Zeichentrickserie „Die Simpsons“ bei. Schon 30 Jahre lang treibt die fünfköpfige Familie ihr Unwesen in Springfield. Am 17. Dezember 1989 wurde die erste Folge mit Chaos-Vater Homer, Mutter Marge, dem kleinen Flegel Bart, Streberin Lisa und der ewig nuckelnden Maggie in den USA ausgestrahlt. Seitdem haben Zuschauer die Familie in vielen brenzligen Situationen erlebt.

Ursprünglich nur als Pausenfüller für die amerikanische „Tracey Ullman Show“ angedacht, ist „Die Simpsons“ heute einer der größten TV-Erfolge der Welt und ein Export-Hit. 1991 kündigte eine ZDF-Moderatorin dann auch den Start der Serie in Deutschland mit den Worten „Die Simpsons sind da, verehrte Zuschauer“ an. Schon wenige Jahre später wechselte die Serie zu ProSieben, bis heute ihre Heimat. Die Macher haben zahlreiche Auszeichnungen abgeräumt. Ein Ende ist nicht in Sicht, 2019 wurde die Show um zwei weitere Staffeln verlängert.

Neun Monate arbeiten die Macher an einer einzigen Folge. Steht der Plot, wird sie in Südkorea gezeichnet. Wie viele Cartoons leben auch die Simpsons von überzeichneten Klischees. Mittelschicht, Kleinstadt, traditionelle Geschlechterrollen: Die Simpsons sollen eine typisch weiße US-Familie darstellen. Schnelle Szenen, unzählige Anspielungen auf Popkultur und viel Parodie sind die Grundzutaten jeder Folge: ob die Dschungelszene aus „Apocalypse now“, die mordlüsternen Roboter in „Westworld“ oder der Schluss aus „Einer flog über das Kuckucksnest“.

Die gelben Helden

Warum die weiße Familie gelb statt beige oder fleischfarben gezeichnet wird, hat der Simpsons-­Drehbuchautor Mike Reiss in seinem Buch „Springfield Confidential“ erklärt. Man entschied sich für Gelb, weil die Kinder keinen Haaransatz haben. Gelb sei ein bisschen wie ein Hautton und ein bisschen wie eine Haarfarbe, schrieb Reiss.

Gelbgesichtig erschienen über die Jahre auch die Cartoon-Alter-Egos einiger Promis in der Show – neben Paul McCartney, Britney Spears und Stephen Hawking auch der britische Ex-Premier Tony Blair oder die Schauspielerinnen Kim Basinger und Jennifer Garner. Oft sprachen sie die Rollen selbst. Auch Michael Jackson lieh einer animierten Figur seine Stimme. Als Anfang 2019 jedoch schwere Missbrauchsvorwürfe gegen Jackson laut wurden, entschieden die Macher, die Folge nicht mehr auszustrahlen.

Über die Jahre wurden den Simpsons-Schöpfern immer mal wieder hellseherische Fähigkeiten attestiert. Das prominenteste Beispiel ist wohl der Wahlsieg Donald Trumps. In der Folge „Barts Blick in die Zukunft“ aus dem Jahr 2000 wird Lisa Präsidentin der Vereinigten Staaten und steht vor großen Herausforderungen, weil ihr Vorgänger den Haushalt gegen die Wand gefahren und ihr einen Schuldenberg hinterlassen hat. Fast nebenbei fällt dessen Name: Trump.

Figur Apu in der Kritik

Ihre Namen haben die meisten Charaktere aus dem Familienumfeld von Zeichner Matt Groening. Vater und Mutter des Simpsons-Erfinders hießen Homer und Margaret. Auch seinen ältesten Sohn hat Groening wie den glatzköpfigen Serienvater genannt, der in einem Atomkraftwerk arbeitet und nicht nur dort regelmäßig Katastrophen provoziert.

Rettung kommt oft von der hochintelligenten achtjährigen Lisa. Lisa ist ein Nerd, dabei aber genauso Feuer und Flamme für Umweltschutz, Emanzipation und Vegetarismus wie für Puppen und Ponys. Die Achtjährige bricht mit so manchem Klischee. Für andere Charaktere gilt das Kritikern zufolge nicht. Große Wellen schlug 2018 die Doku „The Problem with Apu“ (Das Problem mit Apu) von Hari Kondabolu. Die Figur Apu Nahasapeemapetilon ist US-Amerikaner indischer Herkunft, spricht mit starkem Akzent, betreibt den Kwik-E-Mart in Springfield und ist Vater von acht Kindern. Zu simpel und rassistisch sei diese Darstellung, lautet der Vorwurf Kondabolus. Nicht nur US-Amerikanern mit südasiatischen Wurzeln sprach der Dokumentarfilmer aus der Seele.

Die Serienmacher reagierten. In einer Szene reden Lisa und Marge über „politisch unkorrektes“ Verhalten. Diese Szene löste allerdings ihrerseits Kritik aus: Mehrere US-Medien und Komiker erklärten, die Serie habe in der Debatte das Ziel verfehlt. Wie die Serienmacher in künftigen Folgen mit dem Charakter Apu umgehen, bleibt abzuwarten. Am Ende einer Simpsons-Folge jedenfalls steht traditionell ein Happy End.

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