Für die Schule der Zukunft

Erziehungswissenschaftler Christian Palentien hat benachteiligte Kinder im Blick

Es gibt sicherlich ruhigere Pflaster als Bremen, wenn man im Bildungsbereich tätig ist. Christian Palentin stört das nicht. Der Erziehungswissenschaftler ist überzeugt, dass Schule helfen und verändern kann.
13.04.2021, 05:00
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Erziehungswissenschaftler Christian Palentien hat benachteiligte Kinder im Blick
Von Simon Wilke
Erziehungswissenschaftler Christian Palentien hat benachteiligte Kinder im Blick

Christian Palentien, Professor im Arbeitsgebiet Bildung und Sozialisation.

Claudia Heitzhausen

Man kann sich sicherlich ein ruhigeres Umfeld als Bremen vorstellen, wenn man die Ausbildung künftiger Lehrkräfte verantwortet. Doch Christian Palentien hat das nie abgeschreckt, im Gegenteil. Er schätzt den „engagierten Diskurs über Bildung in der Stadtgesellschaft.“ Einen solchen war er nicht gewohnt, als er sich in Bielefeld zum Thema Kinder- und Jugendarmut habilitierte, denn: „Das Bildungsministerium war fast 200 Kilometer entfernt.“

Palentien ist Erziehungswissenschaftler, war zuletzt Vorsitzender der Sachverständigenkommission des 16. Kinder- und Jugendberichts der Bundesregierung und ist seit 2007 Professor für das Arbeitsgebiet „Bildung und Sozialisation“ der Universität Bremen. Vornehmlich beschäftigt er sich mit der Ausbildung angehender Lehrkräfte, sein Augenmerk liegt aber auch dabei immer auf benachteiligten Kindern. Und weil Bremen in den Bildungsvergleichen regelmäßig auf den unteren Plätzen rangiert, wird der Fokus in der Ausbildung auf die Behebung der Defizite gelegt. Palentien ist überzeugt, dass zu diesem Ziel nicht nur ein Weg führt. „Die Probleme liegen hier auf dem Tisch, aber mit einer Lösung alle Probleme zu beseitigen, das funktioniert nicht“, sagt er. „Der Weg der Zukunft ist, zu individualisieren, Unterschiedlichkeiten im Unterricht zu berücksichtigen.“

Die Zeiten, in denen sich Lehrkräfte am sogenannten Mittelschüler orientierten, sind vorbei. Gut so – „den gab es ohnehin nie“, sagt Palentien. Für Schülerinnen und Schüler sei es daher nicht mehr möglich, sich in der Schullaufbahn irgendwie durchzumogeln. „Heute geht es um Kompetenzerwerb, der ganz regelmäßig abgeprüft wird. Das ist anspruchsvoller, kurzfristiges Lernen ohne Nachhaltigkeit funktioniert nicht mehr.“ Schule, sagt Palentien, habe das Potenzial, Gesellschaft zu gestalten und zu verändern. Und in Bremen, das müsse man klar so sagen, passiere auf diesem Gebiet sehr viel.

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