Museum August Kestner widmet sich der Bedeutung der alten Kultur für die Freimaurer Ägyptische Geheimnisse

Hannover. Vor 300 Jahren gründeten sich in London die ersten Freimaurerlogen. Von Anfang an hatte die ägyptische Kultur große Bedeutung für die Freimaurer, die ihre Tempel häufig im ägyptischen Stil errichteten.
17.09.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Joachim Göres

Hannover. Vor 300 Jahren gründeten sich in London die ersten Freimaurerlogen. Von Anfang an hatte die ägyptische Kultur große Bedeutung für die Freimaurer, die ihre Tempel häufig im ägyptischen Stil errichteten. Was fanden sie am alten Ägypten so faszinierend? Diese Frage steht seit Kurzem im Mittelpunkt der Ausstellung „O Isis und Osiris – Ägyptens Mysterien und die Freimaurer“ des Museums August Kestner in Hannover. Dort finden sich zahlreiche Objekte, die für die Ägypter als auch für die Freimaurer von Bedeutung sind: ein Amulette mit Senklot, ein 4000 Jahre alter Meißel, eine Sphinx-Statue, ein kleiner Obelisk, Teile eines Tempelfensters, ein kleiner roher Stein, alles aus Ägypten.

„Im 18. Jahrhundert gab es in Europa eine große Begeisterung für die ägyptische Kultur. Sie galt als die Weisheitskultur schlechthin“, sagt der Heidelberger Ägyptologe Florian Ebeling, einer der Ausstellungskuratoren. Vor allem die rätselhaften Hieroglyphen, die erst 1822 entziffert werden konnten, trugen zum verbreiteten Mysterium bei. Bei Freimaurern stieß der 1731 erschienene Roman von Jean Terrasson über das Leben des Pharaos Sethos (deutscher Titel: Geschichte des egyptischen Königs Sethos) auf Begeisterung. Darin wird der Titelheld durch harte und abenteuerliche Prüfungen zu einem guten und weisen Menschen – dies entspricht dem freimaurerischen Ideal, wonach man hart an sich arbeiten müsse, um vom „rohen zum polierten Stein“ zu werden.

Zahlreiche Motive aus Terrassons Roman sind in den Text von Mozarts „Zauberflöte“ eingegangen, die als Freimaurer-Oper gilt. In der Ausstellung kann der Besucher mit der Zauberflöte im Ohr durch die Räume streifen und dabei die Bezüge zur Freimaurerei entdecken oder eine der ältesten Panflöten bestaunen. Dabei durchschreitet man diverse Vorhänge, die wohl zu einer geheimnisvollen Atmosphäre beitragen sollen.

„Es gibt heute immer mehr Mystiker, die sich fürs alte Ägypten begeistern. Je mehr man glaubt, alles wissenschaftlich erklären zu können, umso stärker wird die Gegenbewegung, die sich zum Beispiel für Science-Fiction interessiert, wo es viele Bezüge zu Ägypten gibt“, so Co-Kurator Christian Loeden vom Kestner-Museum.

Mystik, Okkultismus – damit kann Siegfried Schildmacher nichts anfangen. „Wir Freimaurer haben die Mysterien im 19. Jahrhundert über Bord geschmissen. Wer heute zu uns kommt, der teilt unsere aufklärerische Weltsicht und fühlt sich unseren Werten wie Toleranz, Humanität, Brüderlichkeit und Wohltätigkeit verpflichtet“, sagt der Freimaurer-Historiker und Altmeister vom Stuhl der Loge „Friedrich vom weißen Pferde“ aus Hannover.

Bis heute beziehen sich zahlreiche Logen bewusst auf ägyptische Götter. In Hamburg wurde 1991 die Freimaurerloge „Isis und Osiris“ gegründet, die seit 2009 eine reine Frauenloge ist. Der Sohn von Isis und Osiris ist der Namensgeber der 1992 in Schwerin gegründeten Loge „Harpokrates zur Morgenröthe“ sowie der 1993 in Magdeburg gegründeten Loge „Harpokrates“.

Eine Ausstellung, die anschaulich Einblicke in zwei Themenfelder bietet, um die sich viele Geheimnisse ranken.

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