Bremer vermarktet sich vor allem digital

Alle Kanäle gut durchdacht nutzen

Ohne das Web geht wenig: Der Bremer Künstler Johann Büsen setzt vor allem auf soziale Netzwerke wie Facebook, um eine direkteren Kontakt zu Galeristen herzustellen.
31.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Arne Bode
Alle Kanäle gut durchdacht nutzen

Auch seine Bilder entstehen digital: Johann Büsen in seinem Atelier in Bremen.

Arne Bode

Ohne das Web geht wenig: Der Bremer Künstler Johann Büsen setzt vor allem auf soziale Netzwerke wie Facebook, um eine direkteren Kontakt zu Galeristen herzustellen.

Ein erfolgreicher Künstler ist meist derjenige, der sich selbst gut präsentieren und verkaufen kann. In der digitalen Welt kommt er ohne eigene Website nicht weit: Der Bremer Künstler Johann Büsen macht vor, dass Facebook und Co. eine schnellere und direktere Alternative sind, um mit Galeristen in Kontakt zu treten.

Das erste Kennenlernen zwischen Galeristen und Künstler kommt einem Vorstellungsgespräch sehr nah und geschieht meist über das Internet. Der Künstler schickt dem Galeristen in der Regel eine E-Mail, in der er sein Interesse bekundet und auf die eigene Website verweist. Der Galerist kann sich die Website mit allen Bildern des Künstlers anschauen und innerhalb weniger Minuten abschätzen, ob die Bilder passen oder nicht. „Ein Galerist schaut sich selten mehr als einmal die Homepage an. Wenn die Werke nicht auf Anhieb perfekt ins Galeriekonzept passen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, von der Galerie vergessen zu werden“, sagt Johann Büsen. Seine Bilder, die mittlerweile allesamt am Computer entstehen, hängen mittlerweile in London und New York.

Der Vorteil des Social-Media-Dienstes Facebook ist es, dass die größeren Galerien fast immer ein Facebook-Profil haben, das von einem Künstler gelikt oder als Freund hinzugefügt werden kann. Der Galerist kann so die Arbeit eines Künstlers über mehrere Jahre hinweg bequem verfolgen. „Jedes Mal wenn ich ein neues Bild auf Facebook hochlade, rufe ich mich bei den Galeristen, die ich als Freunde auf Facebook habe, in Erinnerung. So passiert es, dass sich auch Galeristen ganz von alleine bei mir melden.“ Häufig geht die Initiative jedoch von Büsen aus. Daraus entsteht dann nicht selten ein Dialog, aus dem schon die eine oder andere Ausstellung für ihn entstanden ist. Die eigentliche Organisation der Ausstellung geschieht dann ebenfalls entweder über Facebook oder WhatsApp.

Erfolg über Facebook nicht garantiert

Facebook ist jedoch alles andere als ein Selbstläufer. Für Herbert Grüner, Rektor der Hochschule für Künste Bremen und Experte für Kreativwirtschaft, braucht es für Social-Media eine durchdachte Strategie, um erfolgreich zu sein. „Nur darauf vertrauen, dass man eine Homepage hat, reicht nicht, damit Galeristen auf das Facebook-Angebot eines Künstlers aufmerksam werden. Man muss die Regeln kennen, sonst ertrinkt man in diesem Meer der Social-Media-Angebote.“ Ein Künstler kann mit Facebook sehr schnell und einfach auf die nächste Ausstellung hinweisen und somit Freunde wie potenzielle Käufer einladen. Je nachdem, wie häufig Bilder hochgeladen und Ausstellungen gepostet werden, schätzt ein Galerist damit bis zu einem gewissen Grad auch ab, ob der Künstler erfolgreich ist.

Im Gegenzug kann das Ausbleiben von Ausstellungsankündigungen von vielen Galeristen als Anzeichen dafür gewertet werden, dass die Karriere des Künstlers stagniert. Das gilt selbst dann, wenn der Künstler es einfach unterlässt, jedes Event auf Facebook zu posten. Ebenso kann ein amateurhaft gemachtes Foto von dem neuesten Kunstwerk ein schlechtes Licht auf den Künstler werfen. „Postings über Kunst müssen durchdacht und geplant werden, ähnlich wie eine kleine, selbst gemachte PR-Kampagne“, sagt Büsen. Darüber hinaus ist der Erfolg über Facebook keineswegs garantiert. Ein gut gemachter Social-Media-Auftritt ist eher als Langzeitstrategie zu sehen. Als Galerist kann man sich jedoch auch bewusst dagegen entscheiden. Die Bremer Galerie ArtDocks etwa sucht primär über Messen und langjährige Kontakte nach neuen Künstlern. „Wenn wir auf einen Künstler aufmerksam werden, schauen wir uns zuerst die Homepage an, und wenn es uns gefällt, kontaktieren wir ihn.“ Facebook dient dazu, die bei ihnen unter Vertrag stehenden Künstler zu motivieren. Andere soziale Netzwerke wie Xing oder LinkedIn, die in der Businesswelt kaum zu vermeiden sind, spielen bei Künstlern und Galeristen eine verschwindend geringe Rolle. „Das liegt daran, dass der Künstler auf Xing und LinkedIn kaum Möglichkeiten hat, sich und seine Kunst zu präsentieren.“, erklärt Büsen. Der Fotodienst Instagram wiederum wird von einigen Künstlern vermehrt genutzt, da man sehr bequem über die Smartphone-App seine Bilder präsentieren kann.

Durch die fortschreitende Digitalisierung wird es für einen Künstler immer schwieriger, nicht auf Facebook oder einer anderen Plattform und mit eigenem Webauftritt vertreten zu sein, ist sich Herbert Grüner sicher. „Facebook hilft mir, direkter mit dem Galeristen in Kontakt zu treten. Ich setze aber nicht komplett darauf“, sagt Büsen. Neben seinem Webauftritt stellt er sich immer noch gerne persönlich bei einem Galeristen vor. Dann hat er kein Tablet unterm Arm, sondern einen Künstlerkatalog aus Papier.

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