Betreiber des Metropol-Theaters im Interview

„Alles richtig macht man nie“

Im Interview spricht Jörn Meyer, Betreiber des Metropol-Theaters Bremen, über seine ersten zwei Jahre in der neuen Position, ungewöhnliche Formate und neue Trends.
23.01.2020, 19:47
Lesedauer: 5 Min
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„Alles richtig macht man nie“
Von Alexandra Knief
„Alles richtig macht man nie“

Jörn Meyer ist zufrieden mit seinen ersten zwei Jahren als Betreiber des Metropol-Theaters. Beim Programm setzt er vor allem auf Vielfalt.

Frank Thomas Koch
Herr Meyer, im Januar 2018 haben Sie die Leitung des Musical-Theaters übernommen, das damals schon so gut wie vor dem Aus stand. Ziehen wir mal Bilanz. Alles richtig gemacht?

Jörn Meyer: Alles richtig macht man nie. Aber auf jeden Fall ist das Theater auf einem guten Weg. Natürlich hat man immer die eine oder andere Überraschung, aber grundsätzlich haben wir unsere Ziele erreicht.

Was für Überraschungen gab es denn?

Mal gibt es qualitativ gute Veranstaltungen, bei denen die Zuschauerresonanz nicht so groß ist wie erhofft. Und auch das Gebäude ist bereits 20 Jahre alt. Da geht hin und wieder mal etwas früher kaputt, als man denkt. Wir müssen jedes Jahr einen knappen sechsstelligen Betrag ins Haus stecken. Das ist aber bei so einem riesigen Gebäude gar keine wirkliche Überraschung.

Sie haben das Haus damals von Musical-Theater in Metropol-Theater umbenannt. Haben die Leute sich mittlerweile daran gewöhnt?

Natürlich gab es am Anfang viele Fragen nach dem Warum, aber am Ende wurde die Idee positiv angenommen, weil das Haus ja auch für viel mehr steht als nur für Musicals. Der Name sollte zeigen, dass wir ein buntes Haus für die gesamte Region sein wollen. Schon zu Musical-Theater-Zeiten kamen 60 bis 70 Prozent der Zuschauer nicht aus Bremen, sondern aus der Region. Das Kind hat also nur seinen richtigen Namen gekriegt.

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Hat sich die Besucherstruktur seitdem verändert?

Bezogen auf das Postleitzahlengebiet ist alles relativ gleich geblieben. Das Publikum hat sich aber dadurch verändert, dass unser Angebot breiter geworden ist.

Das ist es zweifelsohne: Musicals, Tribute-Shows, Angebote für Kinder, Konzerte, Tanz, Oper, Comedy sogar Men-Strip – all das steht für 2020 auf dem Programm. War Ihnen eine größere Vielfalt wichtig?

Möglichst bunt! Das habe ich von Anfang an gesagt. Ich sehe das Haus als Ort der Begegnung. Wir haben keinen künstlerischen Auftrag, wir sind nur Vermittler. Wir bringen Künstler, Veranstalter und Besucher zusammen. Und bisher geht dieses Konzept sehr gut auf.

150 000 bis 200 000 Besucher im Jahr waren Ihr Ziel, als Sie begonnen haben. Haben Sie diese Zahlen in 2018 und 2019 erreicht?

In 2018 ging das noch nicht, weil wir erst sehr spät gestartet sind. 2019 haben wir unser Ziel knapp erreicht, und das ist für das zweite Jahr schon ein ganz ordentliches Ergebnis. Im aktuellen Kalenderjahr werden wir die Besucherzahlen auf jeden Fall erreichen. 2018 hatten wir 125 Belegungstage, 2019 waren es bereits 165, und dieses Jahr haben wir schon jetzt 154 Veranstaltungen fix. Da werden im Laufe des Jahres sicher noch 20 oder 30 dazukommen. Damit sind wir zufrieden.

Abgesehen von aktuell „Bodyguard“, „Flashdance“ im März und „We will rock you“ im Dezember kommen fast alle Produktionen nur für einen einzigen Abend nach Bremen. Woran liegt das?

Manchmal gibt es Jahre, in denen hat man ein riesiges Füllhorn an Veranstaltungen, die mehrere Tage gastieren, und dann gibt es immer wieder Jahre, in denen das weniger ist. Die großen Tournee-Theater bespielen natürlich vor allem die großen Häuser: Hamburg, München, Berlin, Köln, Wien, Zürich, Basel. Die Veranstalter bauen sich da ihr Puzzle zusammen. Mal passt Bremen in den Terminplan rein, mal nicht. 2021 sieht es bei den größeren Produktionen schon wieder etwas üppiger aus.

Einige der angekündigten Shows sind etwas ungewöhnlich. So steht im Februar zum Beispiel ein Hamlet-Rock-Musical auf dem Programm. Shakespeare und Songs von den Black Eyed Peas oder Coldplay – passt das zusammen?

Das entscheidet das Publikum. Wir würden nicht alles zeigen. Aber wenn der Plot stimmt und die Produktion seriös daherkommt, dann kann der Veranstalter sein Glück bei uns versuchen. Wir finden es auch spannend, ungewöhnliche Themen zu begleiten. Im März haben wir noch ein ungewöhnliches Projekt im Programm: Der Musiker Sascha Barasa Suso aus Delmenhorst hatte mit seinen Bandkollegen immer den Traum, ein Album der amerikanischen Progressive-Metal-Band Dream Theater durchzuspielen. Das machen die Musiker jetzt zusammen mit dem Städtischen Orchester Delmenhorst. Das ist auf jeden Fall etwas Besonderes.

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Guckt man sich das Programm für 2020 an, scheint es einen weiteren Trend zu geben: „König der Löwen“, „Star Wars“, „Harry Potter“, „James Bond“ – gleich mehrere Abende stehen ganz im Zeichen von Filmmusik.

Das ist wirklich ein Trend, den gerade in den vergangenen ein oder zwei Jahren viele entdeckt haben. Vor einigen Jahren war durch Produktionen wie „Shadowland“ der Schattentanz auf einmal sehr populär, dann gab es eine Irish-Dance-Phase. Das geht immer ein paar Jahre, dann kommen andere Sachen. Aber gerade das ist ja so spannend.

Was sind Ihre persönlichen Show- und Konzert-Highlights im Jahr 2020?

Ein Höhepunkt ist „La Traviata“ im Februar, weil es das erste Mal während meiner Zeit hier ist, dass wir eine Oper anbieten. Spannend ist auch das regionale Projekt „Cohen meets Aznavour“ der Musiker Denis Fischer und Pierre De La Roche. Es ist der Auftakt für ein Format, das wir weiterentwickeln wollen. Geplant ist eine Proszenium-Konzertreihe, bei der Künstler auf der Vorbühne vor dem geschlossenen Vorhang spielen. Auch nach den ersten neun oder zehn Reihen wird ein Vorhang gezogen, sodass eine sehr intime Clubatmosphäre entsteht.

Mit einem Johnny-Cash-Liederabend, Auftritten von America und The Hooters sowie der Oper „Aida“ versuchen wir 2020, auch im Sommer ein wenig mehr Programm anzubieten. Mit „Mummenschanz“ Ende Dezember steht dann auch noch etwas an, was man eher im klassischen Stadttheater erwartet. Grundsätzlich liegt unser Schwerpunkt aber auf der einfachen Unterhaltung, dem Boulevard.

Gibt es noch weitere neue Projekte?

Wir haben relativ erfolgreich ein Kinderprogramm installiert. Außerdem haben wir 2019 angefangen, regelmäßig kleine kostenfreie Seniorenkonzerte mit klassischer Musik im Restaurant anzubieten. Das läuft in Zusammenarbeit mit verschiedenen Senioreneinrichtungen. Wir würden gerne das Haus noch mehr in der Region verwurzeln, mit Betriebsversammlungen und Ähnlichem. Vielen ist noch immer nicht bewusst, dass wir auch als Eventlocation verfügbar sind.

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Ihr Vertrag läuft noch bis April 2023. Wie geht es danach weiter?

Wir wollen möglichst rasch eine Verlängerung hinbekommen, damit wir eine bessere Planungssicherheit haben. Da sind wir aktuell in guten Gesprächen. Ich denke, dass es im Frühjahr zu einer Entscheidung kommen wird.

Spinnen wir mal rum. Alles ist möglich. Gibt es jemanden, den Sie unbedingt mal ins Metropol-Theater holen wollen?

Cat Stevens! Ich halte seine Musik für zeitlos und mag sie unheimlich gerne. Sting wäre schön oder Bryan Adams – der hat hier sogar schon einmal gespielt. Wenn große Stars so ganz puristisch, ohne viel Schnickschnack, auftreten, dann finde ich das immer toll. Und das bietet sich in einer Location wie unserer an.

Das Gespräch führte Alexandra Knief.

Info

Zur Person

Jörn Meyer hat mehr als 20 Jahre Erfahrung im Live-Entertainment. Zuletzt war er Mitglied der Geschäftsführung der Mannheimer BB Group, deren Tochter BB Promotion im Musical- und Konzertgeschäft tätig ist. Vor zwei Jahren übernahm er das Metropol-Theater.

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