Corona-Verschiebungen

Durchaus noch freie Stellen im Kalender 2021

Erst fand gar nichts statt – und bald alles auf einmal? Die Terminkalender vieler Veranstaltungshäuser für 2021 sind voll. In der Hansestadt gibt es aber auch Ausnahmen, bei denen das Gegenteil der Fall ist.
12.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Durchaus noch freie Stellen im Kalender 2021
Von Maurice Arndt
Durchaus noch freie Stellen im Kalender 2021

Im Frühjahr 2021 sollen die Reihen im Kulturzentrum Schlachthof wieder gefüllter sein – so plant es Bettina Geile vom Veranstaltungsbüro zumindest.

Louis Kellner

Bremen. Die Vorfreude hat sich unfreiwillig für viele Theater- und Konzertbesucher verlängert: Zahlreiche Veranstaltungen, die aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnten, wurden an das Ende des Jahres oder aber in das kommende Jahr verschoben – auf Termine, an denen allerdings auch Aufführungen geplant waren. Platzen die Kalender der Bremer Konzerthäuser und Theater also aus allen Nähten?

Ja, sagt beispielsweise das Lagerhaus im Viertel. Die Einrichtung sei für das kommende Jahr bereits sehr stark ausgelastet. „So gut wie jedes Konzert musste Corona-bedingt abgesagt werden. Da wir bemüht waren, nichts komplett abzusagen, haben wir möglichst viele Veranstaltungen verlegt“, sagt Sprecher Wolfgang Gerhardy. Zwar sei für Einzeltermine immer Platz, aufeinanderfolgende Termine seien jedoch bereits schwierig zu buchen. Die Situation unterscheide sich stark im Vergleich mit jener der vergangenen zwei oder drei Jahre. „Normalerweise planen wir nicht so weit im Voraus“, sagt Gerhardy.

Normale Lage im Herbst 2021

Ganz anders sieht die Situation im Metropol-Theater aus. Dort war man für das Jahr 2021 ursprünglich von 200 Belegungstagen ausgegangen. Unter anderem das erste Quartal sei komplett ausgelastet gewesen. Mittlerweile gebe es aber wieder freie Termine. Denn: Es würden immer noch Aufführungen verschoben. Bedingt durch die Einschränkungen sei es für die Veranstalter nicht lukrativ, mit ihren Darstellern auf Tournee zu gehen, erklärt Geschäftsführer Jörn Meyer. Das bedeutet: keine Buchungen. Er sagt: „Aktuell rechnen wir mit einer normalen Lage erst wieder ab Herbst 2021.“

Besser sieht es beim Kulturzentrum Schlachthof aus. Ähnlich wie beim Lagerhaus profitiert die Einrichtung im Frühjahr 2021 bisher von Veranstaltungen, die aus diesem Jahr auf das kommende Jahr verschoben wurden. „Vor allem die Monate März bis Mai sind voller im Vergleich zu den Vorjahren“, berichtet Bettina Geile vom Veranstaltungsbüro des Schlachthofs. Auf das gesamte kommende Jahr gesehen liege die Auslastung aktuell bei 70 Prozent. Vor allem in den Sommermonaten von Juni bis September gebe es noch freie Kapazitäten. „Alles“, betont sie, „vorbehaltlich der Entwicklung der Pandemie“.

Im Pier 2 wurden bereits nahezu alle Veranstaltungen in das kommende Jahr verlegt. Aufgrund der Unsicherheit über den weiteren Pandemieverlauf ist dort zudem schon die erste Jahreshälfte 2021 betroffen. „Hier rechnen wir in Kürze mit etlichen weiteren Verschiebungen und leider auch Absagen“, sagt Geschäftsführer Oliver Brock. Es würden schlicht kaum Tickets gekauft. Er rechnet deshalb mit einer Ballung von Auftritten ab Oktober 2021. Das gelte vor allem für kleine Clubs wie den Tower oder die Lila Eule. Und es schlägt sich in den Büchern der Veranstaltungshäuser nieder. „Ohne weitere finanzielle Unterstützung werden es viele von uns nicht schaffen“, sagt er. Und: Verschwänden kleinere Clubs, verlören beispielsweise kleinere Bands Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen.

Existenzen sind bedroht

Kaum Auswirkungen spürt das Theater Bremen, wo ohnehin gut 95 Prozent aller Aufführungen eigene Produktionen sind. „Wir haben also generell wenig Druck, diese externen Termine zu befüllen“, sagt Sprecherin Diana König. Darüber hinaus habe man auch noch keinen Spielplan für das kommende Jahr veröffentlicht. Die aktuellen Planungen gehen bis Ende Dezember.

In der Glocke machen externe Produktionen das Hauptgeschäft aus. Doch auch dort merkt man zurzeit kaum einen Unterschied. Die eingebuchten Veranstaltungen lägen auf dem Niveau des Vorjahrs, sagt Sprecher Carten Preisler. Das heißt auch: Es gibt noch freie Termine. Ein Großteil der Veranstaltungen im kommenden Jahr waren ursprünglich für das aktuelle Jahr 2020 geplant. Weitere Verschiebungen erwartet Preisler jedoch nun vor dem Hintergrund der 16. Corona-Verordnung in der Hansestadt. Demnach sind bis Ende des Jahres Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern verboten. Einige bereits gut verkaufte Konzerte seien etwa schon im Frühjahr dieses Jahres auf den Herbst verlegt worden. Nun würden sie vermutlich erneut verschoben. Offen bleibe allerdings die entscheidende Frage, „wie die Situation im kommenden Jahr aussieht, und ob und welche der Aufführungen auch wirklich stattfinden können“.

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