Ben-Becker-Lesung Als Judas im Bremer Dom

Schauspieler Ben Becker gibt mit seinem Programm „Ich, Judas“ auch ein Gastspiel im Bremer Dom. Becker hat für seine Lesung drei Texte miteinader verknüpft.
20.02.2017, 15:55
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Alexander Schnackenburg

Schauspieler Ben Becker gibt mit seinem Programm „Ich, Judas“ auch ein Gastspiel im Bremer Dom. Becker hat für seine Lesung drei Texte miteinader verknüpft.

Herr Becker, was fasziniert Sie so sehr an der Figur des Judas, dass Sie ein Soloprogramm mit dem Titel „Ich, Judas“ entwickelt haben, mit dem Sie durch die Lande ziehen und am Sonntag, 12. März, im Bremer St. Petri-Dom auftreten werden?

Ben Becker: Die Figur des Judas interessiert mich nicht so sehr wie „Die Verteidigungsrede des Judas Ischariot“ von Walter Jens. Das ist ein Text, der mich richtig gepackt hat. Denn bei Jens geht es nur vordergründig betrachtet um Judas. Wichtiger ist ihm die Schuldfrage: Wer ist schuld woran? Steht es mir zu, mit dem Finder auf andere zu zeigen? Ich glaube, dass gerade wir Deutschen gern weg gucken, aber anderen Schuld zuweisen. Daran hat sich für meinen Geschmack nichts geändert. Und deswegen ist der Text weiterhin so aktuell.

Sie rezitieren aber nicht allein Walter Jens, sondern auch aus dem 47. Kapitel von Amos Oz‘ „Judas“. Der Autor schildert dort die Kreuzigung Jesu aus der Sicht des Judas.

Ja. Ich möchte mich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven nähern und dabei verschiedene Phasen aufzeigen. Daher habe ich den Abend als Triptychon aufgebaut: Zunächst trage ich die Abendmahl-Szene aus dem Matthäus-Evangelium vor, dann kommt Oz, schließlich Jens.

Sie treten mit „Ich, Judas“ vorwiegend in Kirchen auf, in protestantischen ebenso wie in katholischen. Spiegelt sich die Konfession des Publikums in den Reaktionen auf Ihre Vorstellung?

Nein, überhaupt nicht. Ich stelle sowohl bei Katholiken als auch bei Protestanten eine große Bereitschaft zu ernsthaften Gesprächen über den Text fest. Nicht umsonst habe ich so viel Erfolg mit dem Abend. Und das, obwohl Martin Luther überhaupt nicht gut dabei weg kommt.

Als Johann Kresnik vor 13 Jahren „Die zehn Gebote“ im Bremer St. Petri-Dom inszenieren wollte, kam es zum Eklat. Die Gemeinde sperrte sich schließlich, Kresnik und das Theater mussten in die Friedenskirche umziehen. Erwarten Sie auch Ärger mit der Dom-Gemeinde?

Nein. Wieso auch? Ich bin nicht Hans Kresnik. So sehr ich ihn auch schätze, ich habe ja schon mit ihm gearbeitet, ist doch wohl klar: So etwas macht ihm Spaß. Er hatte nur darauf gewartet, dass ihn die Gemeinde aus dem Dom schmeißt. Ich nicht. Ich käme auch nie auf die Idee, vor dem Altar die Hose herunter zu lassen oder derlei. Ich möchte drei sehr gute Texte transportieren und das Publikum zur Diskussion darüber anregen.

Fällt es Ihnen schwer, sich in Judas hinein zu versetzen?

Nein, weil ich mich vor allem mit dem Text auseinandersetze. Natürlich bleibt es nicht aus, dass ich im Zuge dessen auch ver­suche, mich mit der Figur zu identifizieren. Ich glaube sogar, dass man eine Figur nur dann überzeugend darstellen kann, wenn es einem glückt, sich diese Figur ein wenig einzuverleiben. Ein bisschen anders liegen die Dinge natürlich, wenn ich etwa bei einer szenischen Lesung Adolf Eichmann rezitiere.

In „Ich, Judas“ spielen Sie nicht nur die Hauptrolle, sondern sind auch Ihr eigener Regisseur. Brauchen Sie kein Korrektiv?

Ich habe schon öfter selbst die Regie geführt. Nur dass ich es dieses Mal auch so kommuniziere. Das bedeutet aber noch lang nicht, dass ich alles allein gemacht hätte oder machen würde. Ich habe ein großartiges Team um mich herum.

Das Gespräch führte Alexander Schnackenburg.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+