Horst-Janssen-Museum Werke von Johann Füsslis

Alte Dämonen neu interpretiert

Mit persönlichen Dämonen und Albträumen hat Horst Janssen ein Leben lang gekämpft. Immer wieder hat er seine ihn quälenden Fantasien in Bilder umgesetzt, die jetzt in Oldenburg zu sehen sind.
13.12.2015, 00:00
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Von Peter Groth

Mit persönlichen Dämonen und Albträumen hat Horst Janssen ein Leben lang gekämpft. Immer wieder hat er seine ihn quälenden Fantasien in Bilder umgesetzt, ihnen konkrete Gestalt gegeben und wohl so Ängste kompensiert.

Eine wichtige Quelle der Inspiration legt jetzt das Horst-Janssen-Museum mit seiner aktuellen Ausstellung offen, der Schau über Lust- und Angstfantasien von Janssen und Johann Heinrich Füssli (1741-1825). Füssli, ein literarisch hoch gebildeter Maler, Zeichner, Autor und Kunsttheoretiker, war ein vornehmlich in London lebender exilierter Schweizer. Er war der erste Künstler, der die Geister und die Folgen ihres Treibens sichtbar machte, der den Zauberwesen einen festen Platz in der Kunst einräumte. Mit Leihgaben aus bedeutenden Museen wie dem Victoria and Albert Museum London oder dem Kunsthaus Zürich stellt das Oldenburger Museum Füssli und Janssen gegenüber.

Goya, Rembrandt, Caspar David Friedrich, Egon Schiele – Horst Janssen hat sich in seinem künstlerischen Werk immer wieder mit großen Kollegen und Vorbildern auseinandergesetzt, sich mit Einzelaspekten aus deren Zeichnungen und Grafiken beschäftigt, sich an ihnen abgearbeitet. Annähernd zwei Jahre, 1973 und 1974, galt sein Interesse vornehmlich Johann Heinrich Füssli, den die Briten auch Henry Fuseli nannten. Bei diesem Künstler, so hat es Janssen später notiert, habe er viele schlechte Bilder gesehen, die man besser machen könne. Füssli war, so sagt es auch Sabine Siebel, die Kuratorin der Ausstellung, kein ganz großer Maler. Er setzte aber Themen, traute sich Darstellungen, die seine Mitmenschen wohlig erschaudern ließen. „Der Nachtmahr“ heißt ein zentrales Werk Füsslis, das 1782 nur kurz in der Londoner Royal Academy of Arts gezeigt und das danach ebenso wie eine zweite 1790/91 gemalte Version europaweit in Reproduktionen verbreitet wurde.

Auf einer fast nackten, auf einen Diwan hingestreckten jungen Frau sitzt ein gruseliger Gnom und aus dem Hintergrund schaut ein geisterhaftes Pferd auf die Szenerie – Ängste und unterdrücktes Lustempfinden sind hier auf erschauernde Weise gepaart. „Der Nachtmahr“ wurde zur Ikone des Albtraums, ein Skandalbild des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Horst Janssen hat dieses Bild wohl in einem zweibändigen Füssli-Werkverzeichnis entdeckt, dessen Verfasser interessanterweise wie Janssen aus Oldenburg kommt: Gerd Schiff. Der 1990 in New York verstorbene Kunsthistoriker, Hochschullehrer und Publizist gilt als der Füssli-Experte schlechthin – ihm widmet das Horst-Janssen-Museum in der Ausstellung dankenswerterweise eine eigene biografisch geprägte Präsentation.

Im Zentrum der mit großem Aufwand entstandenen Ausstellung steht Janssens Auseinandersetzung mit Füssli, dessen Originale und Reproduktionen eine der drei Museums-Etagen einnehmen. Füssli selbst hat sich für seine künstlerische Tätigkeit von der griechischen Antike und der nordischen Mythologie, von der Nibelungen-Sage genauso wie von Texten Dantes, Miltons, Shakespeares und vor allem von der englischen volkskundlichen Dämonologie inspirieren lassen. Sein Ruhm wurde noch dadurch gesteigert, dass er mit etwa 300 seiner Bilder Vorlagen für Reproduktionen durch professionelle Stecher und Radierer lieferte, die eine weite Verbreitung fanden. Horst Janssen gehört nun nicht zu den späten Reproduzenten der Bildideen von Füssli – er hat mit der Grafikfolge „Der Alp“ seine Interpretation zum Skandalbild „Nachtmahr“ geliefert. Motivisch setzt sich Janssen dabei mit Details aus dem Füssli-Klassiker, mit der liegenden Frau und ihrem herabhängenden Arm, mit Gnom und Pferd auseinander. Das geht so weit, dass er im Blatt sieben dem Gnom sein eigenes Gesicht gibt, dass er neue albtraumhafte Wesen erfindet. Johann Heinrich Füssli muss Janssen aber nicht nur mit der Darstellung lustvollen Schreckens fasziniert haben.

Die ebenfalls eine Museums-Etage einnehmende Gegenüberstellung zeigt Janssens Interpretationen von Füsslis Köpfen und Rückenansichten, seine Zeichnungen und Radierungen zu den modisch ziemlich aufgestylten Frauen bei Füssli und zu dessen Zauberwesen. Paarweise lassen sich „Original“ und Janssens Interpretation wunderbar miteinander vergleichen.

Horst-Janssen-Museum Oldenburg, bis 14. Februar. Geöffnet: Di. bis So. 10 bis18 Uhr.

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