Auftritt im Karton

Amerikanische Comedy-Gruppe kommt nach Bremen

Die Comedy-Gruppe „Asperger‘s Are Us“ geht auf Europatour – und gastiert auch in Bremen. Was die Zuschauer erwartet, erzählen die vier Amerikaner, die alle das Asperger-Syndrom haben, im Interview.
11.06.2017, 19:05
Lesedauer: 3 Min
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Amerikanische Comedy-Gruppe kommt nach Bremen
Von Alexandra Knief
Amerikanische Comedy-Gruppe kommt nach Bremen

Auf Netflix bereits Doku-Stars (von links): Ethan Finlan, New Michael Ingemi, Jack Hanke und Noah Britton gründeten 2010 die Comedy-Theatergruppe Asperger's Are Us.

FR

Ihr habt euch 2010 in einem Sommercamp für Kinder mit Asperger-Syndrom kennengelernt. Warum habt ihr euch entschieden, gemeinsam Comedy-Theater zu machen?

Noah: Das kam uns einfach lukrativer vor als Autoradios zu klauen.

Ihr könnt also von eurer Comedy leben? Oder habt ihr noch Jobs abseits der Bühne?

New Michael: Glaubt nicht alles, was ihr in Filmen seht. Niemand in Amerika hat einen Job. Manche Amerikaner mögen Live-Aktion-Rollenspiele, in denen sie so tun, als hätten sie Jobs, um die Zeit totzuschlagen – und um ausländischen Medien und Touristen vorzugaukeln, Amerikaner würden arbeiten. Noah macht es zum Beispiel Spaß, so zu tun als wäre er ein Psychologielehrer an der örtlichen Hochschule. Und Ethan
gefällt es vorzugeben, er würde Praktika in der Planungsabteilung der lokalen Behörde absolvieren.

So bleibt wenigstens genug Zeit für eine Europa-Tour. Was steht alles auf dem Programm?

New Michael: Wir werden etwa 25 Shows in Europa machen, angefangen in Dänemark am 14. Juni, danach in Deutschland, unter anderem in Berlin und Bremen. Anschließend performen wir in Großbritannien und Irland. Ende Juli fliegen wir zurück in die Staaten und starten eine USA-Kanada-Tour, die bis September geht.

Ihr kommt aus Massachusetts. Ist das euer erster Besuch in Europa und Deutschland?

New Michael: Wir haben hier noch nie performt, Noah und Jack waren aber bereits auf früheren Reisen hier.

Gibt es etwas, was ihr unbedingt machen wollt, wenn ihr durch Europa reist?

New Michael: Ich hoffe wirklich, dass die Leute, bei denen wir während unserer Tour wohnen, alle gute Virtual-Reality-Headsets haben, die ich benutzen kann, um eine Tour zu amerikanischen Sehenswürdigkeiten zu unternehmen. Abgesehen davon hoffen wir, dass es überall ein gutes W-Lan-Signal gibt, damit wir auf Reisen online interessante
Sachen lesen können.

Wie würdet ihr den Humor eurer Gruppe bezeichnen?

Noah: Als schwarzen, absurden und trockenen Humor mit ein bisschen Wortspiel.
New Michael: Unsere Show ist natürlich komplett in Englisch, man sollte also in der Lage sein, die Sprache schnell zu erfassen, um unseren Humor wirklich zu würdigen zu wissen.

Habt ihr Comedy-Idole?

New Michael: Wir glauben fest daran, dass eigentlich jede Art von Comedy irgendwie witzig sein sollte.

Viele Menschen wissen nur wenig über das Asperger-Syndrom. Wie würdet ihr es selbst definieren?

Noah: Eine Überempfindlichkeit auf Sinneseindrücke sorgt auf der einen Seite dafür, dass wir leichter reizbar sind, gleichzeitig sind wir aber auch empfänglicher für Sinneswahrnehmungen. Unsere Abneigung gegenüber Veränderungen sorgt dafür, dass uns die gleichen Dinge immer und immer wieder Spaß machen. Und unser Fokus auf unser Inneres sorgt dafür, dass wir weniger daran interessiert sind, soziale Normen zu erfüllen.

Ist es schwieriger für euch auf die Bühne zu gehen und mit den Leuten zu (inter)agieren als für Komiker ohne Asperger-Syndrom?

Noah: Wir lieben es auf der Bühne zu stehen, weil das Publikum für uns von dort aus einfach nur eine gesichtslose Gewebe­masse ist. Aber nach der Show, wenn einzelne Fans sich uns nähern, kann es schon sehr überwältigend für uns sein, vor allem weil ja auch immer eine Überraschung mitschwingt und wir nicht wissen, was die Fans von uns wollen. Vielleicht sind sie wütend, weil wir ihre Autoradios gestohlen haben.

Ihr betont immer wieder, dass ihr nicht wollt, dass Leute Mitleid mit euch haben und dass die Leute euch mögen sollen, weil ihr lustig seid, nicht weil ihr das Asperger-Syndrom habt. Funktioniert das immer?

Noah: Es kommen die unterschiedlichsten Menschen zu unseren Shows: Comedy-Fans, andere „Aspies“ und Menschen, die sich für Autismus interessieren. Die meisten verlassen die Show und sagen „das war sehr, sehr lustig“. Und normalerweise sind sie da auch wirklich bis ganz zum Ende geblieben.

In der Regel beantwortet ihr nach euren Auftritten noch Fragen. Gibt es Fragen, Verhaltensweisen oder auch Vorurteile, die die Leute mitbringen, die euch nerven?

Noah: Wir hassen es allgemein, wenn Menschen zu unseren Auftritten kommen,
unsere Fanartikel kaufen oder in der Zeitung nette Dinge über uns schreiben.

Dann andersherum: Gibt es etwas, was die Leute euch gerne einmal fragen könnten?

New Michael: Ich wünschte, sie würden
sagen: ,New Michael, du warst so lustig heute Abend. Bist zu noch Single? Hast du Lust bei mir zuhause ein bisschen abzuhängen?’

Was bekommt das Bremer Publikum bei eurem Auftritt zu sehen?

New Michael: Auf jeden Fall den Rücken der Person, die in der Menge weiter vorne steht.

Das Interview führte Alexandra Knief.

Asperger‘s Are Us: Freitag, 16. Juni, 20 Uhr im Karton, Am Deich 86. Tickets online beim AMS-Theater (zehn Euro) oder an der Abendkasse (zwölf Euro).

Zur Person

Asperger‘s Are Us ist eine vierköpfige Comedy-Gruppe aus den USA. New Michael Ingemi, Jack Hanke, Ethan Finlan und Noah Britton haben alle das Asperger-Syndrom. Eine leichte Form des Autismus, die sich unter anderem durch Schwächen in der sozialen Interaktion und der Kommunikation ausdrückt. Jetzt kommen sie für einen Auftritt nach Bremen.
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