BAP präsentieren alte und neue Songs akustisch Auch ohne Strom elektrisierend

Bremen. Sich selbst neu zu erfinden ist ein gern verschriebenes Mittel gegen zu viel Routine. Wolfgang Niedecken hat seiner Band BAP den Stecker gezogen und präsentiert beim Auftritt in der Glocke seinen Kölschrock in gediegenen, akustischen Americana-Arrangements.
18.03.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Lars Fischer

Sich selbst neu zu erfinden ist ein gern verschriebenes Mittel gegen zu viel Routine. Wolfgang Niedecken hat seiner Band BAP den Stecker gezogen und präsentiert beim Auftritt in der Glocke seinen Kölschrock in gediegenen, akustischen Americana-Arrangements.

Mit „Niedeckens BAP zieht den Stecker“ ist der Abend in der ausverkauften Glocke endgültiger überschrieben als gemeint. Eine Abschiedstour sei es keinesfalls, betont Wolfgang Niedecken. Die final klingende deutsche Übersetzung von „unplugged“ war lediglich aus Gründen des Markenrechts nötig geworden. Dass der Sänger wie in den Anfangstagen nun wieder seinen Namen dem seiner Band voranstellt, ist schon ein belastbareres Indiz. Die Band tourt, um ein Solo-Album Niedeckens, das wiederum Akustik-Versionen von BAP-Songs der neueren Vergangenheit enthält, vorzustellen. Die Grenzen sind fließend, aber es ist kein Kollektiv Gleichberechtigter mehr, das da auf der Bühne sitzt, sondern ein hoch qualifiziertes Team, das die musikalischen Ideen seines Chefs umsetzt.

Schon vor 15 Jahren ging die Band mit einem ähnlichen Konzept auf ihre „Tonfilm“-Tour. 1999 wurde so der Neubeginn nach dem Ausstieg des ewigen Stromgitarristen Klaus „Major“ Heuser eingeläutet. Und auch dieses Mal ist der längst angestammte Nachfolger auf der Schlüsselposition nicht dabei, ohne das dies weiter thematisiert würde. „Familiäre Gründe“, so die lapidare Erklärung für Helmut Krummingas Fehlen. Ersetzt wird er von Ulrich Rode, was der „stromlosen“ Versuchsanordnung allerdings sehr entgegen kommt.

Der Ehemann der Multiinstrumentalistin Anne de Wolff, die neben dem Weltklasse-Percussionisten Rhani Krija regelmäßig als Gastmusikerin mit der Stammbesetzung unterwegs ist, setzt mit Lap Steel, Pedal Steel, Banjo, Dobro und weiteren Instrumenten das Klangbild der Solo-CD „Zosamme alt“ konsequent fort. Die Platte nahm Wolfgang Niedecken in den USA auf und die reduzierten Arrangements der Stücke sind sehr Americana-beeinflusst. Die thematische Klammer des Albums sind Liebeslieder für seine Ehefrau – mit der logischen Folge, dass das frühere Werk der Band außen vor bleibt.

Das ändert sich im Konzert ein wenig; vor allem in der zweiten Hälfte des gewohnt ausgiebigen Auftritts werden einige lang vergessene Lieder reanimiert. „Neppes, Ihrefeld und Kreuzberg“ vom ersten Album (1979) wurde auch textlich überarbeitet, „Lisa“ oder „Sendeschluss“ seit den 80er-Jahren nicht mehr live gespielt. Gerade letzteres, als letzte Zugabe, bekommt die fast schon kammermusikalische Neubearbeitung famos. Andere Stücke im Programm wie „Rita, mir zwei“ oder „Verjess Babylon“ leiden trotz permanenter Instrumentenwechsel und geschmackvoller Arrangements an einer gewissen Gleichförmigkeit. Dennoch geht das Konzept auf, was vor allem den drei Gastmusikern geschuldet ist. Sie setzen die stärksten Akzente und liefern passende Klangkulissen für Niedeckens Geschichten. Das sehr dynamisch zugespitzte „Novembermorje“ klingt dank Krijas Percussion tatsächlich nach Marokko, „Ich wünsch mir, du wöhrs he“ entführt musikalisch nach New Orleans oder „Fränkie un er“ an die niederländische Küste.

Etwas halbherzig ist ein entschleunigter Versuch von „Verdamp lang her“ mit Kontrabass-Intro, einfach nur nostalgisch gerät „Do kanns zaubre“. Ausdrucksstärker sind da schon weniger abgenutzte Stücke wie das Credo „Songs sinn Dräume“ oder das radikal neu erfundene „Rääts un links vum Bahndamm“. Insgesamt gerät die Idee „Stecker zeihen“ hier und da ein wenig zu gediegen, viele musikalische Sternstunden des professionell flexiblen Ensembles trösten aber darüber hinweg.

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