Jochen Biganzoli bekommt Rolf-Mares-Preis

Auszeichnung für Bremer Regisseur

Das Musiktheaterstück „Der Meister und Margarita“ nach dem Roman von Michail Bulgakow und vertont von York Höller ist ein ganz schöner Brocken. Jochen Biganzoli hat sich für die Hamburgische Staatsoper an das Werk herangewagt – und gewonnen.
30.10.2014, 00:01
Lesedauer: 2 Min
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Auszeichnung für Bremer Regisseur
Von Iris Hetscher
Auszeichnung für Bremer Regisseur

Der Opernregisseur Jochen Biganzoli lebt seit 25 Jahren in Bremen.

Frank Thomas Koch

Die Vorlage ist schon keine leichte Kost, und als zeitgenössisches Musiktheaterstück ist „Der Meister und Margarita“ nach dem Roman von Michail Bulgakow und vertont von York Höller für jeden Regisseur erst recht ein ganz schöner Brocken. Jochen Biganzoli hat sich für die Hamburgische Staatsoper an das aufwendige Werk herangewagt – und gewonnen. Zunächst einmal viele positive Kritiken, auch im WESER-KURIER, jetzt auch noch eine Auszeichnung.

Seit 2005 wird einmal pro Jahr der Rolf-Mares-Preis der Hamburger Theater vergeben, dieses Jahr schaffte es mit Biganzoli zum ersten Mal ein Regisseur, für eine Operninszenierung ausgezeichnet zu werden. Darüber kann sich gleich auch noch eine weitere Bremer Künstlerin freuen: Heike Neugebauer von der Bremer Shakespeare-Company war für das Bühnenbild verantwortlich. Biganzoli, der seit 25 Jahren in Bremen lebt, wusste zunächst gar nichts von dem Preis und seinem Glück. „Ich bin aus dem Urlaub zurückgekommen und habe mich über die Einladung gewundert“, erzählt er. Das blieb nicht lange so: Am Montagabend stand er dann gemeinsam mit den anderen Geehrten auf der Bühne der Hamburger Kammerspiele und konnte das Preisgeld von 1000 Euro entgegen nehmen.

Das ist, nachdem Biganzolis Inszenierungen landauf landab regelmäßig im Fachblatt „Opernwelt“ als „beste Inszenierungen“ erwähnt werden, eine weitere Bestätigung für den 1963 in Kaiserslautern geborenen Regisseur. Im Mai wird dann seine Inszenierung des „Tannhäuser“ in Bielefeld Premiere haben, im Jahr danach gibt er sein Debüt an der Semperoper in Dresden. Mit dem „Tannhäuser“ kehrt Biganzoli zu seinen beruflichen Anfängen zurück: An der Oper in Karlsruhe hospitierte er mit 20 Jahren bei einer Produktion ebendieses Wagner-Werks, dann erkrankte der Regie-Assistent, Biganzoli sprang ein und blieb eine Weile. Nach dieser geballten Ladung Praxis war für ihn klar: „Jetzt möchte ich mich erst einmal mit den theoretischen Grundlagen befassen“.

Biganzoli, Absolvent eines Gymnasiums mit musischem Schwerpunkt, studierte Theater- und Musikwissenschaften in Erlangen-Nürnberg, 1989 verschlug es ihn als Spielleiter und Assistent nach Bremen. Er arbeitete unter anderem mit dem Regisseuren Jürgen Gosch und Peter Konwitschny zusammen und verabschiedete sich 1994 mit einer eigenen Inszenierung von Wolfgang Rihms „Jakob Lenz“ vom Goetheplatz. Während dieser fünf Jahre habe er ungeheuer viel gelernt, sagt er und beschreibt seine Arbeitsweise so: „Für mich ist Inszenieren eine Form von Jazz, man hat ein Thema und überlegt sich dazu Variationen.“ Er gehe immer von der Partitur als Grundlage aus, von der Musik als Sprache, die etwas mitteilen will. Vor diesem Hintergrund erarbeitet er die Geschichte und feilt an der Psychologie der einzelnen Figuren: „Ich bin durchaus auch ein Schauspielerregisseur.“ Nach seiner Bremer Zeit hat Biganzoli in Frankfurt an der Oder fest angestellt gearbeitet und musste als Spielleiter schließlich die Abwicklung der Musiktheatersparte organisieren. Für ihn eine prägende und „durchaus schreckliche“ Erfahrung, weshalb er seit 1999 Freiberufler und ganz froh darüber ist.

Um nicht komplett vom zuweilen auch launischen Theaterbetrieb abhängig zu sein, hat Jochen Biganzoli sich zudem ein zweites Standbein aufgebaut: Er gibt Kurse zum Thema Selbstpräsentation, weil „ich es mag, jemanden zum Blühen zu bringen“. Zudem ist das nicht wirklich weit entfernt von seiner Arbeit als Regisseur. Über den Rolf-Mares-Preis hat sich der 51-Jährige übrigens noch mehr gefreut, als er die kleine edle Zugabe ausgepackt hatte: Einen Mont-Blanc-Füller, in den sein Name, der Titel der Auszeichnung und das Jahr eingraviert sind. „Damit unterschreibe ich dann die nächsten Verträge“, sagt Jochen Biganzoli und lacht.

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