Film der Woche: „The Dark Knight Rises“ Batman - das letzte Duell

Bremen. Regisseur Christopher Nolan hat seine Fledermausmann-Trilogie fulminant abgeschlossen. Nach der Vorgeschichte "Batman Begins" und dem finsteren Geniestreich "The Dark Knight" führt "The Dark Knight Rises" alle Handlungsstränge zusammen.
25.07.2012, 05:00
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Batman - das letzte Duell
Von Hendrik Werner

Bremen. Regisseur Christopher Nolan hat seine Fledermausmann-Trilogie fulminant abgeschlossen. Überschattet wurde der Filmstart des neuen "Batman" von dem Attentat in einem amerikanischen Kino, wo zwölf Menschen erschossen wurden. Nach der Vorgeschichte "Batman Begins" und dem finsteren Geniestreich "The Dark Knight" führt "The Dark Knight Rises" alle Handlungsstränge zusammen.

Bremen. In Gotham City herrschen Anarchie, Ausnahmezustand und apokalyptische Stimmung. Einmal mehr beschwört Regisseur Christopher Nolan, bewährter Schöpfer von Endzeitszenarien und schwindelerregend mehrdeutigen Figuren ("Memento", "Inception"), den Untergang der Welt. Und einmal mehr stellt er einer bloß vermeintlichen Lichtgestalt namens Batman einen immer nur mutmaßlichen Urheber drohender Verdammnis gegenüber.

In "Batman Begins", dem Auftakt der düsteren Trilogie, gibt Liam Neeson als Ra‘s al Ghul einen gestählten Diktator, der sich im sündigen Gotham gottgleich als strafender Saubermann verdingen will. Im Mittelteil "The Dark Knight" verkörpert Heath Ledger als Joker ein teuflisches Spielkind, das dem verkommenen Amüsier-Babel Gotham mit reichlich Theaterdonner und noch mehr Budenzauber den Spiegel vorhalten will. Im Abschlussfilm "The Dark Knight Rises" fällt die Rolle des ungehaltenen Unholds Tom Hardy zu, der als bizarr maskierter Muskelmann Bane das verderbte Gotham mit seiner Finanzfixierung und allen sozialen Verwerfungen in einen Gleichheitszustand zurückbomben will.

Zaudern und Zaubern

Zu diesem Zweck ist jedes Mittel recht: Bane, der Böse, überfällt die Börse, interniert oder eliminiert die Stadtoberen, lässt ein Football-Feld und die Brücken zur Außenwelt hochgehen und aktiviert einen atomaren Sprengsatz. Und was tut die vormals als Erlösung von allem Bösen gehandelte Lichtgestalt? Statt zu zaubern zaudert Batman (Christian Bale) das erste Drittel des Films (Gesamtlänge: 165 Minuten). Nachdem er im Vorgängerfilm so ziemlich alles Übel dieser Welt nebst einem nicht von ihm begangenen Mord auf sich genommen hatte, will der gestrauchelte Held nur noch der Mensch Bruce Wayne sein, keine Kampfmaschine mehr, die dem Kreislauf der Gewalt zuarbeitet statt ihn zu beenden. Dass der als Waise aufgewachsene Milliardär schließlich doch wieder ins Fledermauskostüm und in rasante Fahrzeuge schlüpft, geschieht folglich nicht aus Weisheit, sondern aus Pflichtgefühl.

Man ahnt: Diese Art der Motivation kann nicht segensreich sein. Am Ende hat das Heldentum abgewirtschaftet – und den moralischen Kern der dreiteiligen Saga freigelegt. Er lautet: Beweggründe der vorgeblich Bösen sind durchaus nachvollziehbar, jene der angeblichen Menschheitsretter dagegen zweischneidiger, als die Polizei es erlauben dürfte. Regisseur Nolan, dieser Meister der Unbestimmtheitsstellen und der Ambivalenz, demontiert den zumal im Kino wirkungsmächtigen Mythos vom ach so lauteren Helden gründlich.

Gotham sei Dank lässt es der Regisseur nicht beim theoretischen Überbau bewenden, sondern zudem an der mehr mit Fäusten als mit Waffen bestückten Action-Basis kräftig krachen – und an der Star-Schauspielerfront mächtig menscheln: Zu den erprobten Verbündeten des Fledermausmannes – Butler (Michael Caine), Tüftler (Morgan Freeman), Polizeichef (Gary Oldman) – gesellen sich gleich zwei Frauen, die es mal gut, mal weniger gut mit Bruce Wayne beziehungsweise Batman meinen: Selina Kyle alias Catwoman (von Anne "Plötzlich Prinzessin" Hathaway mit bemerkenswerter Tiefe ausgestattet) und Miranda Tate (von Marion "Piaf" Cotillard bemerkenswert oberflächlich angelegt).

Zu den bemerkenswertesten Momenten des Films wiederum zählen jene Situationen, die Traumata aus der Vorgeschichte der Comic-Saga zugleich doppeln und dekonstruieren: Als der aus Not zerstörerisch gewordene Bane den gefallenen Engel Batman in einem unterirdischen Gefängnis mit kraterförmigem Zugang festsetzt, aus dem sich zu erheben (to rise) undenkbar erscheint, blitzt eine Urszene auf: Jener verhängnisvolle Augenblick, in dem Bruce Wayne als kleiner Junge in einen Brunnenschacht fällt, um erstmals jene Fledermäuse zu sehen, zu deren popkulturell wirkungsmächtigster und moralisch fragwürdigster er dermaleinst selbst wird.

"The Dark Knight Rises" mag trotz unterkühlter Bildästhetik und spektakulärer Action nicht ganz an den Vorgängerfilm "The Dark Knight" heranreichen. Und doch bringt er die Trilogie mit mehr als bloß Anstand, nämlich schlüssig zu Ende. Dass er wie beiläufig noch eine Parabel schafft, der die moralischen Verheerungen der Finanzkrise eingeschrieben sind, ist löblich.

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