"Limit-Live!"-Show in Bremen

Bestseller-Autor Frank Schätzing füllt das Pier 2

Bremen. Bei Frank Schätzing ist alles großdimensioniert. Seine bekanntesten Bücher 'Der Schwarm' und 'Limit' kommen mit 1000 Seiten nicht aus, die Auflagen gehen in sechs- und siebenstellige Höhen. Der Kölner Medienprofi füllte jetzt mit seiner 'Limit -Live!'-Show das Bremer Pier 2.
21.03.2010, 05:15
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Von Peter Groth
Bestseller-Autor Frank Schätzing füllt das Pier 2

Schrifsteller und Medienprofi: Frank Schätzing zeigte im Bremer Pier 2 sein ganzes Repertoire.

Frank Thomas Koch

Bremen. Bei Frank Schätzing ist alles großdimensioniert. Seine bekanntesten Bücher 'Der Schwarm' und 'Limit' kommen mit 1000 Seiten nicht aus, die Auflagen gehen in sechs- und siebenstellige Höhen. Schätzing hat, Pardon, auch eine große Klappe, und Lesungen zelebriert er in Hallen mit mehr als 1000 Plätzen. Der Kölner Medienprofi füllte jetzt mit seiner 'Limit -Live!'-Show das Bremer Pier 2.

Als Lesung oder gar als Buchvorstellung kann man diese Auftritte des Schriftsteller kaum mehr bezeichnen - Schätzing liefert eine Unterhaltungsshow mit Film, Animation, Sound, Licht und lockerer Ansprache. Seit Ende Februar reist er durch die Republik, am Sonntag ist das Finale der Tournee im Dortmunder Konzerthaus. Und überall von Weimar über Frankfurt bis Berlin und Bremen strömen die Massen zu diesen Buchshows, die so gar nichts mehr mit einer Lesung im traditionellen Sinn gemein haben. Im Pier 2 hatte der Veranstalter fünf Minuten vor dem Auftritt Schätzings gerade noch sechs Karten für die mit 1237 Plätzen bestuhlte Halle.

Diese Neugierigen und Schätzing-Fans erlebten eine zweistündige Performance des Erfolgsschriftstellers, der in seinem ersten Leben Creative Director und Inhaber einer Werbeagentur war. Schätzing, der Vermarktungsprofi, wählte für seine Buchpräsentation ein ganz neues Veranstaltungsformat. Eine Form, die weniger auf die Vorstellung des eigentlichen Buches und mehr auf die Darstellung des Themas 'Leben im Jahr 2025' setzt.

Lesen und reden mit Musik

Denn darum geht es in dem Roman. Ein Weltkonzern baut auf dem Mond den Energieträger Helium 3 ab, tritt in Konkurrenz zu den verbliebenen, zerstrittenen Weltmächten USA und China. Ein Detektiv namens Owen Jericho kommt dabei einer politischen Riesenverschwörung auf die Schliche. Diesen eigentlichen Plot des Romans 'Limit' garniert Schätzing mit seinen Phantasien, wie sich die Menschen im Jahr 2025 auf der Erde und im All (per überdimensionalem Fahrstuhl zum Mond) fortbewegen, wie sie wohnen, leben und ticken.

Und das, dieser Rahmen seines Buches, ist das eigentliche Thema der Schätzing-Show, in der es der Autor doch tatsächlich schafft, den Titel seines Buches höchstens zwei oder drei Mal am Rande zu erwähnen. Frank Schätzing eröffnet den Abend mit einer kurzen Lesung - in Jeans und kragenlosem Hemd schlendert er über die weite Bühne, liest aus einem E-Book unter einer großen Leinwand, die einen weiten Blick ins sternenübersäte All zeigt. Dazu singt Frank Sinatra im Hintergrund 'New York, New York'. Musik begleitet den ganzen Auftritt, spacige Klänge, wie man sie als Soundtrack aus unzähligen Blockbuster-Filmen kennt.

Und damit wir nun wissen, wie es sich im Jahr 2025 so lebt, schließt sich der ersten von nur zwei Lesungen des Abends eine Nachrichtensendung 'Der Tag' aus dem März 2025 an. Dieser 'Fake' berichtet mit Live-Schaltungen vom Mond über den drohenden militärischen Konflikt um die Helium 3-Schürfrechte auf dem nahen Planeten, von Konsulationen zwischen Bundeskanzler zu Gutenberg und dem mittlerweile fünffach geklonten Silvio Berlusconi sowie am Rande vom Bundesliga-Spitzenreiter 1. FC Köln. Dazu macht Frank Schätzing anfangs etwas holprig, später sehr professionell seine Witzchen und kommt dann auf sein eigentliches Thema des Abends: Darf man Zukunftsprognosen, pessimistischen Szenarien zum Weiterbestehen der Menschheit trauen? Vor dem wahren Grauen, sagt Schätzing, versagt die Phantasie, Zukunft ist ein leerer Raum und Science Fiction nur ein Versuch der Gestaltung dieses Raums.

Selbstironie eines Medienprofis

Also appelliert der einstige Creative Director an seine Zuhörer, nur der eigenen Kraft und den eigenen Gedanken zu vertrauen, sich nicht auf sogenannte Experten zu verlassen - auch wenn sie damit gleich 1300 Romanseiten füllten. Solche Selbstironie kann sich der überaus erfolgreiche Frank Schätzing wirklich leisten und geizt nicht mit kalkuliert-kritischen Anmerkungen zum eigenen Tun. Ein Medienprofi eben.

Und der bietet seinem Publikum, das zwischen 22 und 30 Euro Eintritt für diese Buch-Werbeveranstaltung gezahlt hat, einiges: die animierten Filme der Geburt von Erde und Mond, die traumhaften Bilder der Erde aus dem All und vom kahlen Mond. Geradezu perfektes Entertainment zeigen die Gespräche Schätzings mit dem auf der Leinwand erscheinenden 'Limit'-Detektiv Owen Jericho und seiner Assistentin, die von Jan-Josef Liefers und Milena Karas gespielt werden. Sie frotzeln von oben mit ihrem Vater und Erfinder Schätzing, folgen mit den Augen jeder Bewegung des Schriftstellers auf der Bühne - das ist ganz großes Kino und Literatur am Limit.

Nachfragen des Publikums, sonst bei Lesungen üblich, fallen bei dieser Choreografie notgedrungen aus. Schätzing bedankt sich artig für den Applaus, kündigt Autogramme an und verweist auf den Büchertisch der Buchhandlung Sieglin, die 'tonnenweise' Schätzings herbeigeschafft hat. Ein bisschen Literatur war also doch an diesem bemerkenswerten, monumentalen Show-Abend.

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