Kulinarik

Biblisch kochen, himmlisch genießen

Buchtipp: Martina Baur-Schäfer und Ulrike Verwold schmausen sich kundig durch das Neue und das Alte Testament.
13.12.2018, 13:38
Lesedauer: 1 Min
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Biblisch kochen, himmlisch genießen
Von Hendrik Werner
Biblisch kochen, himmlisch genießen

„Himmlisch genießen. Gutes für Leib und Seele“; von Martina Baur-Schäfer und Ulrike Verwold, Fotos Sandra Then, Hardcover, Edition Chrismon, 144 Seiten,
20 Euro.

Edition cHrismon

Handelt es sich bei dieser appetitlichen Neuerscheinung um ein biblisches Kochbuch oder um ein kulinarisch-theologisches Lesebuch? Diese Frage wirft Martina Baur-Schäfer, die den Band „Himmlisch genießen. Gutes für Leib und Seele“ (edition chrismon) gemeinsam mit Ulrike Verwold herausgegeben hat, im Vorwort auf. Dabei bieten sich durchaus beide Begriffe an: Leserinnen und Leser können sich dank mehr als 30 detailgenau erläuterter Rezepte gewissermaßen einmal durch die Bibel kochen – vom Alten bis zum Neuen Testament. Überdies sind die Beiträger so umsichtig, theologische Hintergründe und weitere kulturelle Besonderheiten der beschriebenen Gerichte zu erläutern, die zwar nicht immer explizit in der Heiligen Schrift genannt werden – und doch zuverlässig von dieser inspiriert wurden.

Mit einem Klassiker beginnt die konfessionelle Genussreise: „Himmel und Ääd“, eine zumal im Rheinland begehrte Speise, ist von dem Satz „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (1. Mose 1,1) geprägt worden – und vereint, jedenfalls in der verführerischen Interpretation dieses Buches, die durchweg deftigen Zutaten Blutwurst, Kartoffelrösti sowie Apfel- und Zwiebelringe zu einem rustikalen Mahl.

Die ebenso bibelfeste wie geschmackssichere Fotografin Sandra Then hat die vorgestellten Gerichte sehr ansprechend in Szene gesetzt – von der Apfeltarte, die den wirkungsmächtigen Mythos der Vertreibung aus dem Paradies aufgreift, bis hin zu einem leckeren, zum Nachkochen ladenden Linsengericht, das einem kulinarischen Kontrakt der Brüder Jakob und Esau nachempfunden ist (vergleiche 1. Mose, 25, 29-34).

Wer dem religiös unterfütterten Krustenbraten, den die findigen Herausgeberinnen mit gefüllten Kartoffelklößen an Apfelrotkohl aufzutischen vorschlagen, nicht traut, lenke seine Schritte in den 1998 angelegten Bibelgarten an der Südseite des Bremer St.-Petri-Doms. Die dort versammelten
60 Pflanzen, die mehrheitlich in der Bibel erwähnt werden, geben einen formidablen Vorgeschmack auf das, was aus Literatur erwachsen kann: Traditionsgerichte mit Frohbotschaftsgeschichte.

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