Theater Bremen geht mit einer „Dracula“-Parodie in die Ferien Bis(s) zum Spielzeitende

Bremen. Zwei Jubiläen mögen es gewesen sein, die das Theater Bremen zu "Dracula", der letzten Schauspiel-Produktion der Saison, angeregt haben: Im April jährte sich zum 100. Mal der Todestag von Bram Stoker, diesem Schriftsteller mit Biss, dessen wirkungsmächtigste papierne Hervorbringung der blutrünstige Vampir war. Im Mai wurde Christopher Lee 90 Jahre alt. Der Schauspieler verkörperte Dracula gleich mehrfach. Längst Legende ist die Filmadaption des Jahres 1958, als er seine spitzen Zähne erstmals in weißes Mädchenfleisch schlug. Christopher Lees hohes Alter verleitete Spötter schon zu der zynischen Bemerkung, der Mime müsse seinerseits längst ein Untoter sein.
13.07.2012, 05:00
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Bis(s) zum Spielzeitende
Von Hendrik Werner

Bremen. Zwei Jubiläen mögen es gewesen sein, die das Theater Bremen zu "Dracula", der letzten Schauspiel-Produktion der Saison, angeregt haben: Im April jährte sich zum 100. Mal der Todestag von Bram Stoker, diesem Schriftsteller mit Biss, dessen wirkungsmächtigste papierne Hervorbringung der blutrünstige Vampir war. Im Mai wurde Christopher Lee 90 Jahre alt. Der Schauspieler verkörperte Dracula gleich mehrfach. Längst Legende ist die Filmadaption des Jahres 1958, als er seine spitzen Zähne erstmals in weißes Mädchenfleisch schlug. Christopher Lees hohes Alter verleitete Spötter schon zu der zynischen Bemerkung, der Mime müsse seinerseits längst ein Untoter sein.

Am Theater Bremen, das für seine so lebendige wie launige Aneignung des Stoffes einen (überdachten) Teil des Innenhofs am Schauspielhaus mit Bühne und Zuschauertribüne bestückt hat, lässt Regisseur Sebastian Martin fünf Schauspieler (und einen Musiker – Oliver Jahn) auftreten, von denen gleich vier anteilig den Part des transsilvanischen Blutsaugers übernehmen. Publikum und Darsteller trennt ein Altar, auf dem kirchlicher Nippes steht. Gottlob ist gegen Vampire ein Kraut namens Knoblauch und auch ein spitzer Pfahl gewachsen. Dieses Rüstzeug kommt freilich erst gegen Ende der 70-minütigen Aufführung zum segensreichen Einsatz. Zwei abgründige Glaszellen rahmen das Szenario. In ihnen darf der multiplizierte adlige Vampir wüten und über Verschlingungsfantasien schwadronieren, als sei er ein gewisser Hannibal Lecter. Gegen Ende des Spektakels, das mehr Farce denn Moritat ist, rinnt reichlich Theaterblut die Scheiben herunter.

Der Regisseur lässt sein bewegungsfreudiges Ensemble eine Verdichtung des sexuell aufgeladenen Stoffes vorführen. Das führt zwar oft dazu, dass die Darbietung mehr einer Nummernrevue gleicht als einem Stationendrama. Und doch bleibt das Handlungsgerüst der literarischen Vorlage in groben Zügen erhalten in dieser ansehnlichen Horror-Show-Parodie, die den ulkigen Untertitel "A Tribute to Blutdurst und Unsterblichkeit" trägt. Was wiederum die Aufführung trägt, sind enorme Spielfreude und Wandlungsfähigkeit der geschlossen sowie rasant agierenden Mitwirkenden (Thomas Hatzmann, Philipp Michael Börner, Varia Linnéa Sjöström, Gerhard Palder, Helge Tramsen).

Letzte Aufführung: Heute, 20.30 Uhr.

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