Rap-Rüpel in Bremens Halle 7 Bonez MC & RAF Camora

Vor ansehnlich gefülltem Haus tritt das auf Hip-Hop und Dancehall spezialisierte Duo an der Bürgerweide auf. Die Fans sind feierfreudig und textsicher.
01.03.2019, 15:05
Lesedauer: 2 Min
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Bonez MC & RAF Camora
Von Hendrik Werner

Wenn auf der Bremer Bürgerweide bei Sonnenuntergang gleich mehrere getunte Mittelklassewagen mit Diepholzer Kennzeichen und wummernden Bässen cruisen, deren Fahrer angestrengt cool einen Ellbogen aus dem Seitenfenster recken, ist davon auszugehen, dass an diesem Abend in einer bewährten Party-Location namens Halle 7 eine besondere Veranstaltung, nun ja, abgeht. Das Rap-Duo Bonez MC & RAF Camora hat für ein Konzert sein Kommen angekündigt, und das riecht schon insofern nach einem Ereignis, als die Polizei erst vor einer Woche beim Münchner Konzert mit einem Großaufgebot zum Drogen-Razzia-Halali auf Künstler und Publikum blies – und an jenem Abend sage und schreibe 60 Anzeigen wegen Betäubungsmittelgesetzverstößen sowie 30 Anzeigen wegen Verkehrsdelikten unter Alkohol- und Drogeneinfluss erstattete.

Tatsächlich spielen weiche und harte Drogen in den Texten wie auch in der Lebenswelt von RAF Camora, dessen bürgerlicher Name Raphael Ragucci lautet, und Bonez MC, der John-Lorenz Moser heißt und 187-Strassenbande-Mitglied ist, eine gewisse Rolle. Das gehört sich für die dem Milieu angemessene Attitüde auch so. Bevor das auf Hip-Hop und Dancehall abonnierte Duett in Bremen loslegt, perlt aus den Boxen französischer Trap-Rap, der musikalisch und stimmlich mehrheitlich sanfter ist als das Portfolio der Rap-Rüpel. Vorne rechts stimmt eine triste Plastikpalme auf das Konzert ein, und das ist keine Reminiszenz an Claude Lévi-Strauss' ethnologischen Reisebericht "Traurige Tropen" (1955), sondern eine Hommage an zwei Kollaboalben der Musiker, nämlich "Palmen aus Plastik" (2016) und Palmen aus Plastik 2" (2018).

Bevor weitere Palmen – diesmal in Gestalt einer stimmungsvollen Projektion samt dramatisch illuminiertem Abendhimmel – in den Blick des Publikums in der ansehnlich gefüllten Halle geraten, darf zunächst RAF-Camora-Protegé Gallo Nerø („471“) für eine überschaubare Weile ran. Richtig geladen sind die Stimmungskanonen freilich erst, als Bonez MC und RAF Camora, sozusagen die Atzen des Hip-Hop, in straßenkreditwürdigen Trainingsanzügen die Bühne betreten und ihre derben Werke abzufeuern beginnen, darunter den launigen Selbstdarstellungssong „Prominent“, das vorwiegend sinnfreie Resonanz-Lied „Nummer unterdrückt“ – und die live mit ordentlich Speed versehene Cruiser-Hymne „500 PS“, bei der die Menge erstmals ihre große Textsicherheit demonstrieren kann. Ein amüsanter Abend zwischen Posen und Possen.

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