30.000 Euro für verschwundene Skulptur

Bremen bezahlt unauffindbare Kunst

Die Stadt Bremen zahlt dem Künstler Rolf Nolden 30.000 Euro für ein verschwundenes Kunstwerk. Womöglich wurde die fünf Tonnen schwere Stahlskulptur für Altmetall gehalten und eingeschmolzen.
12.06.2019, 18:44
Lesedauer: 2 Min
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Bremen bezahlt unauffindbare Kunst
Von Jonas Mielke

Die Stadt Bremen zahlt 30.000 Euro Schadensersatz für ein verschwundenes Werk des Künstlers Rolf Nolden. Auf diese Summe einigten sich beide Parteien in einem Zivilprozess vor dem Landgericht Bremen. Zusätzlich übernimmt die Stadt zwei Drittel der Prozesskosten. Der Bildhauer hatte gegen die Stadt geklagt, da eines seiner Kunstwerke, das am Weserwehr öffentlich ausgestellt war, bis heute nicht mehr auffindbar ist.

Die etwa fünf Tonnen schwere Stahlskulptur „Semizirkel“ hatte Nolden 1994 für ein Bildhauer-Symposium angefertigt. Er hatte eine flache quadratische Stahlplatte in Segmente geschnitten und als eine Art Strudel in der Nähe des Weserwehrs am Hastedter Osterdeich angeordnet. Nach Bauarbeiten am Weserwehr ab dem Jahr 2008 verliert sich die Spur der Skulptur spätestens im Jahr 2010. Nolden betrat die Baustelle, konnte sein Kunstwerk aber nicht finden und hakte nach. Die Stadt sei davon ausgegangen, dass das Kunstwerk eingelagert worden sei, so Heiner Stahn, Sprecher des Senators für Kultur. Als der Künstler die Skulptur zurückhaben wollte, fiel auf, dass das tonnenschwere Kunstwerk verschollen war. „Die Parteien gehen davon aus, dass die Segmente des Kunstwerkes versehentlich mit dem übrigen Altmetall abgefahren und eingeschmolzen wurden“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landgerichts. Auch ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft zum Verschwinden der Skulptur lief ins Leere. Das Verfahren gegen Unbekannt wurde bereits eingestellt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Über die Frage, wer für den Schaden aufkommt, gerieten der Künstler Nolden und die Stadt Bremen in Streit. Bereits bei einem ersten Gerichtstermin im August 2017 sei das Gericht zu der Auffassung gelangt, dass die Stadt für den Schaden aufkommen müsse – daran habe sich auch anderthalb Jahre später nichts geändert, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Helberg. Man hätte dafür sorgen müssen, dass das Kunstwerk die Bauarbeiten unversehrt überstehe – oder Nolden informieren und ihm Zeit geben müssen, das Kunstwerk selbst abzuholen.

Die juristisch komplexe nächste Frage: Was ist ein Kunstwerk wert, dass in dieser Form wohl kaum auf dem freien Markt zu verkaufen gewesen wäre? „Juristisches Neuland“, sagte Richter Helberg. Die Aussagekraft des Gutachtens eines Kunstsachverständigen, der wegen eines verspäteten Zuges nicht vor Gericht erschien, zweifelten aber sowohl Nolden als auch die Stadt an. Da sich Nolden und die Stadt in einem Vergleich auf 30.000 Euro einigen konnten, bleibt die Frage offen, wie sich der Wert von tonnenschweren Skulpturen objektiv beziffern lässt.

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