3. Literaturnacht „Bremen liest!“

„Nicht alle Ideen auf einmal verpulvern“

Am 4. September findet zum dritten Mal die Literaturnacht „Bremen liest!“ statt. In diesem Jahr fällt die Veranstaltung coronabedingt etwas kleiner aus, für das kommende Jahr gibt es aber bereits große Pläne.
12.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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„Nicht alle Ideen auf einmal verpulvern“
Von Alexandra Knief
„Nicht alle Ideen auf einmal verpulvern“

Bücher und Autoren kennenlernen, neue Buchhandlungen entdecken, sich etwas vorlesen lassen – darum geht es bei der dritten Bremer Lesenacht „Bremen liest!“.

Uwe Anspach /dpa
Frau Becker, die Literaturnacht „Bremen liest“ geht in diesem Jahr in ihre dritte Runde. Trotz Corona. Hatten Sie zwischendurch Angst, dass die Veranstaltung in diesem Jahr ausfallen muss?

Gabriele Becker: Ja, die Sorge hatte ich, denn der Kern der Veranstaltung ist ja, dass mehrere Autoren an einem Abend in Buchhandlungen lesen und dass Menschen vielleicht sogar von Ort zu Ort fahren, um diese Lesungen zu hören. Mit Corona ist das alles nicht so einfach. Aber als wir bei den Buchhandlungen angefragt haben, hat etwa die Hälfte gesagt, dass sie sich eine Teilnahme an „Bremen liest“ auch in diesem Jahr vorstellen kann, weil sie den Platz haben oder die Möglichkeit, Lesungen mit mehr Besuchern unter freiem Himmel stattfinden zu lassen. Sie alle wollten etwas machen. Und die Autoren sowieso.

Gibt es etwas, worauf in diesem Jahr dennoch verzichtet werden muss?

Viele Buchhandlungen machen keine Veranstaltungen im Herbst und Winter. In eine Buchhandlung, die ich selbst oft besuche, dürfen aktuell zum Beispiel nur drei Personen gleichzeitig rein. Darum werden in diesem Jahr auch nur in sieben der 14 teilnehmenden Buchhandlungen Lesungen stattfinden. Besucher müssen sich vorab anmelden und natürlich einen Mund-Nasen-Schutz mitbringen. Sowohl der Sujet-Verlag als auch der Schünemann-Verlag machen ihre Live-Lesungen dieses Mal online, beziehungsweise als Podcast.

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Eigentlich haben Sie vergangenes Jahr angekündigt, „Bremen liest“ mit Sonderbussen und Lesungen an ungewöhnlichen Orten weiter auszubauen und zu einer „Langen Nacht der Literatur“, ähnlich der „Langen Nacht der Museen“ auszuweiten. Was wurde aus diesen Plänen?

Wir haben die Unterstützung des Senats. „Bremen liest“ ist auch Teil der „City of Literature“-Bewerbung. Alle unsere Pläne sind nur aufgeschoben, aber nicht vom Tisch. Die Veranstaltung soll im nächsten Jahr weiter wachsen, im Herbst werden wir das Konzept machen. Wir sind zum Beispiel auch schon mit der Stadtbibliothek, dem Museum Weserburg und weiteren Institutionen in Kontakt und hoffen, dass es nach Corona richtig losgehen kann. Es wäre ja auch schade, alle neuen Ideen schon in diesem Jahr zu verpulvern! Jetzt sind wir wie alle anderen Festivals und Veranstaltungen erst einmal froh über alles, was überhaupt stattfinden kann.

Gabriele Becker vom Wellenschlag Text- und Verlagskontor.

Gabriele Becker vom Wellenschlag Text- und Verlagskontor.

Neu sind in diesem Jahr auch Open-Air-Lesungen auf dem Domshof. Wir kam es zu dieser Idee?

Die Idee hatten wir letztes Jahr schon und sie entspricht dem Konzept, das wir ja eigentlich verfolgen: alles ein bisschen größer zu machen, die Buchhandlungen, aber gleichzeitig auch die ganze Stadt einzubinden. Wir haben Glück, dass wir schon jetzt verstärkt in die ­öffentlichen Räume gehen dürfen, zum Beispiel auf den Open Space am Domshof oder auch zu den Pusdorf Studios in Woltmershausen. Dort gibt es auch wieder Musik von der DJane Gülbahar Kültür. So konnten wir trotz Corona insgesamt 30 Autoren und Autorinnen unterbringen. Und für die kommenden Jahre sind wir mit unseren Ideen noch lange nicht am Ende! Zum Beispiel hoffen wir noch auf eine Kooperation mit der BSAG, denn es gibt sehr viele Buchhandlungen entlang der Straßenbahnlinie 4.

In diesem Jahr wird es auch erstmals einen Podcast geben. Worum geht es?

An der Podcast-Reihe beteiligen sich alle Buchhandlungen, auch die, die in diesem Jahr keine Lesung machen können. Jede Buchhandlung hat sich einen Autor oder eine Autorin ausgesucht, der oder die ihr jeweiliges Geschäft vorstellt. Der Kinderbuchautor Jörg Isermeyer geht zum Beispiel in eine Buchhandlung in Lilienthal, erzählt welche Schwerpunkte es gibt, unterhält sich mit einer Buchhändlerin. Insgesamt wird es 14 Folgen geben. Ende August sollen sie online sein. Auf den gängigen Portalen, aber auch auf unserer Webseite. Dort stehen auch alle Infos, sollte sich wegen Corona spontan doch noch irgendetwas ändern.

Das Gespräch führte Alexandra Knief.

Info

Zur Person

Gabriele Becker arbeitet beim „Wellenschlag“ Text- und Verlagskontor. Seit drei Jahren gehört die Texterin und Lektorin zu den Initiatoren des Literaturfestivals „Bremen liest“.

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Zur Sache

Das Programm

Mit einem energischen „trotzdem!“ ist die dritte Ausgabe der Bremer Literaturnacht „Bremen liest“ überschrieben. Das vom Bremer Literaturkontor und dem „Wellenschlag“-Text- und Verlagskontor veranstaltete Vorlese-Festival findet dieses Jahr am Freitag, 4. September, statt. Zwischen 17 und 22 Uhr präsentieren Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Bremen und der Region Kurzgeschichten, Gedichte, Krimis, Autobiographisches und vieles mehr. Bremer Verlage gewähren zudem Einblicke in ihre Arbeitsweisen.

Vor-Ort-Lesungen gibt es unter anderem um 17 Uhr in der Buchhandlung Franz Leuwer. Die Kinder- und Jugendbuch-Autorin Anna Lott liest hier Auszüge aus ihren Werken. Um 18 Uhr gibt es beim Kellner-Verlag einen Vortrag zum Thema „Vom Manuskript zum Buch“, um 19 Uhr finden gleich drei Lesungen parallel statt: In der Kulturscheune Kränholm präsentiert Bernd Meier Witziges aus der lange im WESER-KURIER erschienenen Rubrik „Tach auch“; in der Otto-und-Sohn-Bücherwelt in Bremen-Nord stellt Journalistin Patricia Brandt ihren Krimi „Krabben-Connection“ vor und auf dem Friedhof Bremen-Blumenthal informiert Peter Ramsauer über Historische Grabmale. Um 19.30 Uhr geht es im Findorffer Bücherfenster weiter. Claudia Koppert liest hier aus ihrem Erzähl-Band „Im Vogelgarten“; zeitgleich liest Klaus Johannes Thies in der Buchhandlung Storm aus „Tango ohne Argentinien“.

Neu in diesem Jahr ist eine Open-Air-Lesung auf dem Domshof von 18 bis 22 Uhr, die in drei Blöcke aufgespalten ist und von Sebastian Butte („Slammer Filet“) moderiert wird. Es lesen: Jörg Isermeyer, Gabriele Wiesenhavern, Michael Augustin, Winfried Hammelmann, Elke Marion Weiß und Liliane Skalecki. Außerdem sind die Pusdorf-Studios mit Lesungen und Musik von 18.30 bis 22 Uhr ebenso mit von der Partie wie das Kukoon. Hier lesen Hans Gehrt von Aderkas und Chantal Bausch, Leyla Bektas, Amri Chouba und Jan Fischer. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Das vollständige Programm sowie aktuelle Infos finden Sie unter www.bremenliest.de.

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