Musikfachmesse startet auf der Bürgerweide

Bremen wird zur Jazz-Hochburg

„Go ahead, Jazz“, mit diesen Worten eröffnete Bürgermeister Carsten Sieling am frühen Donnerstagabend die Fach­messe der Jazzahead.
28.04.2017, 07:17
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Von Alexandra Knief
Bremen wird zur Jazz-Hochburg

Der richtige Ton: Thomas Schwarz, Meister für Metallblasinstrumente, präsentiert an seinem Stand eine Trompete für Profi-Musiker.

Frank Thomas Koch

„Go ahead, Jazz“, mit diesen Worten eröffnete Bürgermeister Carsten Sieling am frühen Donnerstagabend die Fach­messe der Jazzahead.

„Go ahead, Jazz“, mit diesen Worten eröffnete Bürgermeister Carsten Sieling am frühen Donnerstagabend die Fach­messe der Jazzahead. Er freue sich, dass es nun schon zum zwölften Mal gelungen sei, diesen „Leuchtturm in der Bremer Kulturlandschaft“ auf die Beine zu stellen. Mehr als 1000 ausstellende Firmen aus 60 Ländern präsentieren noch bis zum 30. April ihre
Angebote rund um das Thema Jazz in den Messehallen. Hierbei, und auch bei einigen der 40 Showcase-Konzerte im Rahmen der Messe, steht die finnische Jazz-Szene im Mittelpunkt, denn Finnland ist diesmal das Partnerland der Jazzahead.

Die finnische Band Elifantree gab bei der Eröffnung schon einmal einen Vorgeschmack darauf, was von den Gästen aus Skandinavien musikalisch so alles erwartet werden kann. Die Musik des Trios aus Helsinki ist eher experimenteller Natur. Allgemein sei finnischer Jazz laut Bandmitglied Pauli Lyytinen aber vor allem eines: vielseitig. Darum freue er sich, dass er und an­dere Künstler aus seiner Heimat die Chance
bekommen, sich im Rahmen der Jazzahead zu präsentieren. Und das Partnerland stellt sich nicht nur musikalisch vor: Mit einem Food Garden inklusive Sauna auf der Bürgerweide präsentiert Finnland noch andere kulturelle Facetten.

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Doch auch Agenturen, Labels, Künstler, Produzenten und Veranstalter aus anderen Ländern zeigen bei der Messe, was sie zu bieten haben. Ein Stand aus Dänemark lädt mit gemütlichen aus Paletten gebauten Sesseln zum Verweilen ein, Brasilien macht mit einem Stand in leuchtendem Grün auf
seine Jazz-Szene aufmerksam. Thomas Schwarz vom Instrumenten-Hersteller
Yamaha gehört zu den Anbietern aus Deutschland. Er hat eine Auswahl verschiedenster Instrumente aus seinem Angebot mitgebracht. „Natürlich haben wir vor
allem typische Jazz-Modelle dabei“, betont er und präsentiert dabei gleich eine seiner Profi-Trompeten.

„House of Jazz“ sucht Standort

Am Rande der Jazzahead beschäftigte noch eine andere Frage die Verantwortlichen: Gibt es in Bremen bald ein „House of Jazz“? Denn das von Startrompeter Till Brönner eigentlich für Berlin geplante Veranstaltungshaus, in dem Stars aus der Jazz-Szene für Konzerte zusammenkommen und talentierte Musiker in einer Akademie gefördert werden sollen, hat vom Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) nun eine Ab­sage erhalten. Er wolle sich beim Bund dafür stark machen, die bereits bewilligten Mittel von 12,5 Millionen Euro stattdessen für ein „Haus für die Basiskultur“ einzusetzen. Der SPD-Haushaltsexperte im Bundestag, Johannes Kahrs, hatte daraufhin vorgeschlagen, dass Projekt „House of Jazz“ bundesweit auszuschreiben. „Dann könnte sich jede Kommune in Deutschland um das Projekt bewerben. Das wäre eine char­mante Lösung“, sagt Kahrs.

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Bisher habe unter anderem die Musikstadt Weimar Interesse an dem Projekt geäußert, und auch Hamburg sei einigen Medienberichten zufolge nicht abgeneigt. Aber käme auch Bremen als Standort infrage? „Das wäre natürlich schon eine charmante Idee“, sagt Peter Schulze, künstlerischer Leiter der Jazzahead. „Aber nur dann, wenn Bremen die 12,5 Millionen Euro vom Bund bekäme“, sagt er. Allgemein sieht er Bremen allerdings eher nicht als potenziellen Standort. Dafür müsste es insgesamt einfach noch mehr Jazz-Veranstaltungen an den Wochenenden geben, so wie jetzt im Rahmen der Jazzahead.

Auch Carmen Emigholz, Staatsrätin für Kultur, will sich erst einmal voll und ganz auf die laufende Messe konzentrieren,
anstatt sich schon jetzt Gedanken um eine potenzielle Bewerbung Bremens als „House of Jazz“-Standort zu machen: „Wir sind froh darüber, dass sich Bremen als Stadt für den Jazz profiliert hat, das sehen wir ja an der gerade stattfindenden Jazzahead“, sagt sie. „Mit dem Sachverhalt des ,House of Jazz‘ haben wir uns noch nicht seriös befasst und müssen erst einmal prüfen, worum es genau geht und wie die Modalitäten einer Ausschreibung aussehen.“

Clubnight an 40 Spielstätten

An diesem Freitag geht die Jazzahead weiter. Das Showcase-Programm steht am Nachmittag und am Abend im Zeichen Europas. 16 Bands aus zwölf Ländern präsentieren ihre Musik auf den Messebühnen und im Kulturzentrum Schlachthof. Um 20 Uhr findet in der Glocke das Galakonzert statt. Der finnische Jazz-Pianist Iiro Rantala steht hierbei gemeinsam mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Konzertmeister Florian Donderer auf der Bühne. Karten sind noch erhältlich. Am Sonnabend startet dann die Clubnight. 40 verschiedenen Spielstätten – Kneipen
genauso wie Hotels, Kirchen oder Museen – stehen mit Auftritten von 85 unterschiedlichsten Künstlern bis spät in die Nacht ganz im Zeichen des Jazz.

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