Bremens neue Bühnenmeisterin

Hauptrolle hinter der Bühne

Mareike Kettler ist Teil der Show, ohne auf der Bühne zu stehen. Als Bühnenmeisterin am Theater, ist es ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Kulissen fertig sind, wenn die Darsteller die Bühne betreten.
23.09.2020, 05:00
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Hauptrolle hinter der Bühne
Von Maurice Arndt

Mareike Kettler erinnert sich noch genau an den Tag im Januar: Sie hat als Bühnenmeisterin im Kleinen Haus des Theaters Dienst. Immer wieder trudeln Künstler ein, die in den kommenden Tagen bei einem internationalen Gastspiel auftreten. Sie alle wollen erzählen, wie sie ihre Stücke geplant haben – und was sie dafür benötigen. Als Bühnenmeisterin muss Kettler diese Anfragen koordinieren. Bloß: Es ist ihr erster Tag im Job und ihre Ausbildung hat sie auch noch nicht abgeschlossen.

Schlussendlich klappte alles und die Künstler gingen zufrieden zurück in ihre Hotels. Kettlers Vorbereitung auf den Job waren ein zweiwöchiges Praktikum sowie eine fünftägige Hospitanz. Alles Weitere lernt sie auf der Meisterschule, die sie zweimal die Woche besucht. Im Herbst 2021 will sie fertig sein. Deshalb ist sie offiziell auch noch kommissarische Bühnenmeisterin. Ihr Vorteil: Sie arbeitet am Bremer Theater bereits seit 20 Jahren. Sämtliche Abläufe und Möglichkeiten des Hauses kennt sie auf dem Effeff.

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Kettler machte eine Ausbildung zur Veranstaltungstechnikerin. In den vergangenen Jahren bereitete sie mit ihren Kollegen täglich die Bühne für Proben am Mittag oder Aufführungen am Abend vor – jeweils so, wie es mit den Künstlern abgesprochen war. Das bedeutete vor allem, die Kulissen aufzubauen aber auch das Aufziehen der richtigen Vorhänge oder etwa das Bestücken der Bühne mit Säcken voller Kunstschnee. Seit Januar ist Kettler nun die Frau, die eben diese Arbeit koordiniert.

Ihr Tag beginnt morgens mit dem schnellen Blick auf die Mails und einer Konferenz um 8.15 Uhr. Viele Aufgaben stehen bereits seit Tagen fest. „Wenn etwa im Terminplan steht, dass heute ein bestimmtes Stück aufgeführt wird, wissen die Veranstaltungstechniker, was sie aufzubauen haben“, erklärt Kettler. Und doch ist am Ende kein Tag wie der andere. Besonders bei Stücken, die noch in der Vorbereitung sind, ändert sich ständig etwas. „Wenn bei einer neuen Aufführung etwas umgeplant wird, dann müssen wir darauf reagieren. Das bedeutet manchmal auch Improvisation“.

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Ihre ersten Erfahrungen im Schauspielhaus sammelte Kettler 1999, als sie mit ihrer Ausbildung begann. „Ich fand den Beruf interessant: Man ist Teil der Show, ohne auf der Bühne stehen zu müssen“, sagt die gebürtige Göttingerin. Für Kettler geht es auf der Karriereleiter nun einen Schritt weiter nach oben. „Viele Kollegen sind Quereinsteiger oder haben vorher andere Funktionen an einem Theater gehabt“, erklärt sie. Für sie war es der logische Schritt, nun diese Hauptrolle einzunehmen.

Dafür wechselte sie vom Großen Haus an das Kleine Haus. Dort teilt sie sich die Stelle mit zwei weiteren Bühnenmeistern sowie einem dritten, der aber auch die drei Bühnenchefs des Großen Hauses unterstützt. Die Umstellung ist ihr nicht allzu schwergefallen. Die Kollegen des Kleinen Hauses kannte sie bereits, mindestens flüchtig. „Nun lerne ich sie etwas besser und auf eine andere Weise – als Vorgesetzte – kennen. Es ist ein tolles, kleines Team, in dem wir gut und eng zusammenarbeiten.“

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Mit Blick auf die neue Stelle sagt sie: „Ich bin jetzt angekommen.“ Dabei war Bühnenmeisterin nicht immer ihr Ziel. „Das war eine Entwicklung über mehrere Jahre. Unter anderem kann ich mittlerweile wieder in Vollzeit arbeiten, weil mein Sohn alt genug ist.“ Tatsächlich hätte sich das Leben der 40-Jährigen vor 20 Jahren auch komplett anders entwickeln können. Immerhin stürzte sie sich in ihre Ausbildung, ohne vorher Berührungspunkte mit dem Theater gehabt zu haben. Jedoch: „Ich hatte von Anfang an Spaß bei der Arbeit.“

Vor allem die körperliche Arbeit im Team gefiel ihr. Aber auch der sichere Arbeitsplatz wurde für die alleinerziehende Mutter irgendwann ein Grund zu bleiben. In ihrer neuen Position gefällt Mareike Kettler insbesondere das Diskutieren darüber, ob Wünsche der Künstler für verschiedene Aufführungen möglich sind – und falls ja, sie auch möglich zu machen. Dadurch kommt sie in Kontakt mit vielen verschiedenen Menschen: den Künstlern, Veranstaltungstechnikern oder Kulissenbauern. Schlossern, Malern oder Dekorateuren. Das gefällt ihr.

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