Kulturförderbericht Bremens Zukunft als Kulturstadt

Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) hatte im vergangenen Jahr eine Bestandsaufnahme der Bremer Kulturszene angeregt. Seitdem ist viel passiert. Auskunft über die Ergebnisse gibt ein Kulturförderbericht.
17.09.2018, 20:17
Lesedauer: 3 Min
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Von Katharina Frohne und Alexandra Knief

Vor dem Hintergrund der Neuordnung der Bund-Länder-Finanzen ab 2020 rechnet die Kulturbehörde damit, dass ab diesem Zeitpunkt auch für den Bereich Kultur mehr Mittel zur Verfügung stehen werden. Um die Mittel künftig besser verteilen zu können, hatte Bürgermeister und Kultursenator Carsten Sieling (SPD) im vergangenen Jahr eine Bestandsaufnahme der Bremer Kulturszene angeregt.

Erklärtes Ziel: Bestehendes erhalten, neue Ideen fördern – und Bremens Ansehen als Kulturstadt insgesamt stärken. Dafür setzte die Kulturbehörde auf die Mitarbeit derer, die am besten wissen, was bereits gut funktioniert und wo es Förderbedarf gibt: der Kulturschaffenden selbst.

In mehreren stadtweiten Workshops hatte Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz im Laufe des vergangenen Jahres die bisherigen Entwürfe zu Leitlinien und Perspektiven vorgestellt und um Input gebeten. Ihre Fragen: Was bietet Bremen bereits, und was lohnt die Erhaltung? Wo besteht Förderbedarf, was behindert die alltägliche Arbeit? Welche neuen Ideen gibt es, und wie lassen diese sich umsetzen?

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Mehr als 250 Seiten umfasst der Bericht nach aktuellem Stand bereits; weitere werden dazukommen. Neben einer Bestandsaufnahme aller kulturellen Angebote und Akteure in der Stadt gibt der Bericht eine Übersicht über Förderleitlinien und Perspektiven, bisherige Förderungen der einzelnen Themenfelder und Institutionen sowie einen Ausblick auf die strategischen Kernziele, auf die der Senat in den kommenden Jahren setzen will.

So kann unter anderem die freie Szene künftig wohl mit mehr Unterstützung rechnen. Geplant ist laut Kulturförderbericht die Gründung einer unabhängigen Kulturagentur, die unter anderem als Anlaufstelle für eine Beratung zur individuellen Wahl des Berufsweges fungieren, bei der Entwicklung von Projekten unterstützen und bei der Vernetzung der Kulturakteure helfen soll.

Fokus auf kulturelle Bildung

Zudem soll in Bremen in den kommenden Jahren unter dem Stichwort „Zukunftskonzept Lesen“ ein Schwerpunkt auf den Bereich der kulturellen Bildung gelegt werden. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Stadtbibliothek mit ihren Zweigstellen, die allen Menschen in Bremen ohne große Hürden Printmedien und digitales Wissen zur Verfügung stellt.

Auch Bremens Literaturfestivals wie Literarische Woche, Poetry on the Road, Globale und das Krimifestival (Prime Time – Crime Time) stellten wichtige Plattformen dar, um sich mit Literatur und Sprache zu beschäftigen, heißt es im Förderbericht. In diesem Kontext hat die Kulturbehörde bereits eine Bewerbung Bremens als „City of Literature“ vorgeschlagen.

In diesen Schwerpunktbereich fällt teilweise auch das Ziel der Digitalisierung.
Bibliotheken, Archive und Museen sollen zukünftig in dem Bemühen unterstützt werden, allen Bürgern eine Teilhabe an ihren Angeboten zu ermöglichen. Hier soll insbesondere auf den Ausbau digitaler Angebote gesetzt werden.

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Mehr digitalisierte Objekte im Museum, der Ausbau von Online-Datenbanken sowie die Möglichkeit, moderne Techniken wie Augmented Reality und Virtual Reality in Bibliotheken auszuprobieren, sind nur einige Ideen für einen signifikanten Ausbau des digitalen Angebots in diesen Bereichen. Neben dem Aspekt des Lesens soll auch der Bereich Musik stärker in den Blick rücken.

So legt die Behörde im Ausblick des Kulturförderberichts das Ziel fest, Bremen als Musikstadt weiterzuentwickeln. Mit den Bremer Philharmonikern und der Deutschen Kammerphilharmonie, der Jazzahead, dem für dieses Jahr just beendeten Musikfest sowie der Verpflichtung von herausragenden Künstlerpersönlichkeiten wie Yoel Gamzou und Marko Letonja besitze Bremen zweifelsohne „das Potenzial, seinen Ruf als Musikstadt bundesweit auszubauen“, heißt es in dem Bericht.

Freier Eintritt oder gezielte Ansprache

Für den Museumsbereich ist ein Modellprojekt geplant, in dessen Rahmen sondiert werden soll, wie neues Publikum an museale Inhalte herangeführt werden kann. Dabei geht es auch um die Frage, ob freier Eintritt oder eine gezielte Ansprache von Nicht-Museumsgängern zielführender sind, um eine größere Teilhabe zu erreichen und ein tunlichst breit gefächertes Publikum anzusprechen.

An diesem Dienstag gibt es in der Kunsthalle einen Bürgerdialog zum Thema. Dann sollen Erkenntnisse aus dem Kulturförderbericht sowie konkrete Ziele noch genauer vorgestellt werden. Im Oktober wird der fertige Bericht dann in der Kulturdeputation vorgestellt.

Info

Zur Sache

Bürgerdialog in der Kunsthalle

An diesem Dienstag findet um 18 Uhr ein Bürgerdialog zum Förderbericht in der Kunsthalle statt. Bürgermeister Carsten Sieling, Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz und Kunsthallendirektor Christoph Grunenberg werden in das Thema einführen. Im Anschluss gibt es Gesprächsrunden mit Kulturschaffenden. Moderiert wird die Veranstaltung von WESER-­KURIER-Chefredakteur Moritz Döbler.

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