Bremer Shakespeare Company gastiert in London Bremer bespielen das Globe-Theater

Bremen/London . "Globe to Globe" heißt ein Londoner Theaterfestival, bei dem Ensembles aus aller Welt bis zum 9. Juni alle Dramen von William Shakespeare aufführen – in ihrer jeweiligen Landessprache. Auch die Bremer Shakespeare Company ist dabei.
30.05.2012, 05:00
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Bremer bespielen das Globe-Theater
Von Hendrik Werner

Bremen/London . "Globe to Globe" heißt ein Londoner Theaterfestival, in dessen Rahmen Ensembles aus aller Welt bis zum 9. Juni alle Dramen von William Shakespeare aufführen – in ihrer jeweiligen Landessprache. Am Freitag und Sonnabend reiht sich die Bremer Shakespeare Company mit ihrer Inszenierung des Stückes "Timon aus Athen" in den Spektakelreigen ein.

Die Welt sei eine Bühne, schrieb William Shakespeare im Lustspiel "Wie es euch gefällt". In diesem Frühjahr wird Shakespeares Weltliteratur in geballter Form auf einer speziellen Bühne präsentiert: auf der nach einer Spielpause von immerhin 355 Jahren im Juni 1997 wiedereröffneten Globe-Theaters in London. Der elisabethanische Dramatiker war Besitzer des ersten "Globe"-Theaters, das 1599 gebaut worden war – und 14 Jahre später niederbrannte.

Auch der Nachfolgebau hielt sich nur kurz: Puritaner zerstörten 1642 das zweite Globe, weil sie in ihm einen Ort unkeuscher Zerstreuung witterten. 1997 ließ der Hollywood-Regisseur Sam Wanamaker an der Themse nach Originalplänen den runden Holzbau des ursprünglichen Globe rekonstruieren, um Shakespeares Dichtkunst in authentisch anmutender Atmosphäre eine neue und tunlichst dauerhafte Heimstatt zu geben.

Es kann keine größere Verbeugung vor dem Theaterautor geben als die Aufführung all seiner Stücke in einem Schwung. Das leistet das "Globe to Globe"-Festival seit dem 21. April (und noch bis 9. Juni). 37 Stücke in 37 Sprachen sind zu stemmen. Jene Ensembles, die das Festival mit Inszenierungen bestücken, bestreiten ihre Beiträge in ihrer jeweiligen Landessprache.

Straffer Zeitplan

Der Zeitplan ist straff: Jedes Ensemble hält sich fünf Tage in der britischen Hauptstadt auf. Nach der Anreise geht es am zweiten Tag in die Proberäume des Globe-Theaters – und zur ersten Besichtigung der faszinierenden Hauptbühne. Am dritten Tag absolviert das Ensemble vormittags eine technische Probe, damit es um 14.30 Uhr das Globe-Publikum mit seiner ersten Aufführung unterhalten kann. Die zweite Aufführung findet jeweils am vierten Tag statt – abends um 19.30 Uhr. Mit der Abreise am fünften Tag endet der Aufenthalt. Mancher Mime mag das bedauern. Zum einen, weil es womöglich sein erster London-Besuch ist. Zum anderen, weil die Stadt im Zuge der sogenannten Kultur-Olympiade, welche die sportlichen Wettkämpfe rahmt, etliche kunstvolle Spektakel zu bieten hat.

Regelmäßige Besucher des "Globe to Globe"-Festivals stellt der Veranstaltungsreigen vor gewisse Herausforderungen: Zum einen sind sie der Witterung in dem fast dachlosen Bau nahezu schutzlos ausgeliefert. Zum anderen zeitigt jedes Stück für das Publikum die Notwendigkeit, sich auf eine Shakespeare-Aneignung aus einem anderen Kulturkreis einzustellen. Vertreten sind Ensembles aus aller Welt – darunter Kenia, Indien und Neuseeland.

Kenianischer Beitrag

Was bislang alle zum Festival eingeladenen Inszenierungen imposant vor Augen geführt haben, sind Zeitlosigkeit und Allgemeingültigkeit von Shakespeares Werken. Als ein Ensemble aus Palästina "Richard II." vorführte und die Schauspieler in Militäruniformen auf der Bühne standen, konnte man ihre Darbietung als Kommentar zur aktuellen Situation im Nahost-Konflikt auslegen. Gut kamen auch die koreanische Version von "Sommernachtstraum" und jene "Othello"-Adaption an, die ein Ensemble aus Chikago im Hip-Hop-Stil absolvierte. Ein weiterer Höhepunkt war der Auftritt des Deafinitely Theatre (London) in Zeichensprache.

Nicht zuletzt jene Lokalpatrioten, die im Rahmen einer WESER-KURIER-Leserreise bei der Freitagsvorstellung im Globe zugegen sind, dürften dafür sorgen, dass auch das "Timon aus Athen"-Gastspiel der Bremer Shakespeare Company gefeiert wird. Übrigens ist das Ensemble bereits 1993, als das Globe noch nicht fertig war, mit dem Shakespeare-Lustspiel "Die lustigen Weiber von Windsor" in dem Rohbau aufgetreten. Es handelte sich dabei um die erste vollständige Stückaufführung auf der beachtlichen Bühne. Insofern darf man mit einigem Recht behaupten, dass es Bremer waren, die das Globe eingeweiht haben.

Die Applausernte der hiesigen Shakespeare Company wird sich auch daran bemessen, inwieweit das Ensemble die Universalität des in deutscher Sprache dargebotenen Stückes transportieren kann. Denn die Stücke werden für die Zuschauer nicht übersetzt; es gibt nur eine kurze Zusammenfassung jeder Szene auf Englisch – als Leinwandprojektion. Doch das ist insofern ausreichend, als bei noch mehr Information das Konzentrationsvermögen der Zuschauer beeinträchtigt werden könnte. Die aber sollen ihre Aufmerksamkeit ganz der Inszenierung zuwenden. Im Idealfall werden sie vergessen, dass sie der Sprache, mit der die Aufführung unterlegt ist, gar nicht mächtig sind.

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