Bremer Kinos können ab dem 12. Juni öffnen

Brocki: „Eigentlich lohnt es sich so nicht“

Ab dem 12. Juni können Kinos unter Auflagen wieder loslegen. Im Interview erklärt Manfred Brocki von den Bremer Filmkunsttheatern, wann seine Kinos öffnen und warum er nicht zufrieden mit der Regelung ist.
11.06.2020, 06:44
Lesedauer: 3 Min
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Brocki: „Eigentlich lohnt es sich so nicht“
Von Iris Hetscher
Brocki: „Eigentlich lohnt es sich so nicht“
Christian Schulz

Herr Brocki, wann öffnen Sie Ihre Kinos wieder?

Manfred Brocki: Am 1. Juli.

Warum so spät? Sie könnten am Freitag starten, der Senat erlaubt Theater, Konzerte und Kinoveranstaltungen mit bis zu 200 Besuchern ab dem 12. Juni.

Es gibt derzeit noch gar keine neuen Filme, die wir zeigen könnten. Wir könnten natürlich altes Material spielen. Aber ich habe mich bei Kollegen aus anderen Bundesländern umgehört, in denen die Kinos schon wieder geöffnet haben – das macht keinen Sinn.

Warum nicht?

Die Leute gehen da nicht rein. Die Kinos haben das Programm gespielt, mit dem sie am 19. März in die zwangsverordnete Corona-Pause gehen mussten, beispielsweise die „Känguru-Chroniken“. Aber der Film ist mittlerweile bei Streamingdiensten abrufbar. Außerdem hat die Branche sich abgestimmt, und ab dem 2. Juli starten viele Filme bundesweit.

Die Liste von Filmen, die in Frage kommen, ist sehr lang, weil die Frühjahrs-Starttermine verschoben worden sind. Welchen Film spielen Sie als ersten?

„Undine“ von Christian Petzold. Aber das stimmt, die Filme ballen sich jetzt, und es ist nicht so einfach, jedem Verleiher gerecht ­
zu werden. Der zweite wichtige deutsche Film des Frühjahrs, „Berlin Alexanderplatz“ von Burhan Qurbani, startet drei Wochen später.

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Wie kommen Sie mit den Vorgaben des Senats klar, also beispielsweise dem Abstandsgebot?

Nicht so gut. Ich hätte nicht gedacht, dass die 1,50-Meter-Regel so starr angewandt wird, das ist ja wie in Stein gemeißelt. Wir haben in der Schauburg einen Reihenabstand von 1,30 Meter, und ich hatte gehofft, dass die Vorgabe sich auf einen Meter beschränkt. Das ist jetzt leider nicht so. Mit der Maßgabe 1,50 Meter lohnt es sich für uns eigentlich nicht.

Aber Sie öffnen trotzdem.

Wir hoffen sehr stark, dass sich noch etwas tut. Für das große Haus der Schauburg heißt das ansonsten: 60 Plätze von 270. Im Kleinen Haus reden wir über 20 Plätze.

Wenn Sie sagen, es lohnt sich so nicht, müssen Sie dann die Ticketpreise erhöhen?

Nein, das bringt uns nicht weiter. Von einer Karte, die zehn Euro kostet, bleiben für uns vier Euro übrig. Alles andere kassieren die Verleiher, das Finanzamt, die Gema und weitere Verwertungsgesellschaften. Erhöhen wir auf 20 Euro, bleiben uns acht Euro, abgesehen davon, dass dieser Preis nicht durchsetzbar wäre beim Publikum.

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Haben Sie sich mit anderen Bremer Kinos abgestimmt?

Mit Thomas Settje vom Cinema Ostertor hatte ich Kontakt - er öffnet auch am 2. Juli. Und auch er wird das Problem haben, dass zu wenige Plätze übrig bleiben, wenn es bei den 1,50 Metern bleibt.

Im Klassikmusikbetrieb gibt es das Modell, kürzere Konzerte zu veranstalten, dafür mehrere pro Tag. Nun können die Kinos nicht nur Kurzfilme zeigen – aber haben Sie über mehr Vorstellungen als bisher nachgedacht, um das Malus der wenigen Plätze abzufedern?

Wir überlegen, auf drei Vorstellungen pro Tag zu gehen. Aber wir müssen zunächst schauen, wie lange das dauert, alle Leute rein und wieder raus zu bekommen, und ob das dann überhaupt geht. Am 1. Juli zeigen wir tatsächlich zum Neustart in der Schauburg ein Kurzfilmprogramm, das um 15, 16, 17, 18, 19 Uhr zu sehen sein wird. Um die Abläufe zu testen. In der Gondel machen wir es ähnlich, da gibt es eine französische Sneak-Preview und ab dem 2. Juli „Die schönste Zeit unseres Lebens“. Ob wir das Atlantis öffnen, weiß ich noch nicht, weil es so eng ist; auch hier reden wir über 20 Plätze, die wahrscheinlich übrig blieben. Und wir haben das Problem, dass der Zugang über das Treppenhaus schmal ist.

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Der Sommer ist klassischerweise keine Kinozeit. Dieses Jahr könnte es anders sein, schon weil mehr Filme als sonst zur Verügung stehen, oder?

Das hoffen wir, und ich wäre auch sehr enttäuscht, wenn „Undine“, auf den viele Filmfans so lange gewartet haben, nicht gut laufen würde. Da viele Leute nicht wegfahren oder kürzer verreisen als sonst, könnte das zudem unsere Chance sein. Wenn man schon hierbleibt, kann man auch ins Kino gehen.

Wie haben Sie die vergangenen Wochen überstanden?

Wir haben unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, aber die Rechnungen für Strom und alles andere sind weiter gelaufen. Wir hatten eigentlich ein gutes finanzielles Polster vor der Krise, das wollten wir nutzen, um zu renovieren. Jetzt geht ans Eingemachte. Es muss für uns im Juli richtig losgehen, dazu gibt es keine Alternative.

Info

Zur Person

Manfred Brocki leitet die Bremer Filmkunsttheater, zu denen die Kinos Schauburg, Gondel und Atlantis gehören. Er hat Groß- und Außenhandelskaufmann gelernt und Betriebswirtschaft studiert.

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