Ausstellung in der Gleishalle Bremer Kunstfrühling eröffnet

Bremen. Eine Ausstellung? Der Bremer Kunstfrühling ist viel mehr. Nie war er so groß wie in diesem Jahr. Knapp gerechnet besteht die nun alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung in der riesigen Gleishalle am Künstlerhaus Güterabfertigung aus etwa 100 Präsentationen.
05.05.2011, 05:00
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Von Peter Groth

Bremen. Eine Ausstellung? Der Bremer Kunstfrühling ist viel mehr. Nie war er so groß wie in diesem Jahr. Knapp gerechnet besteht die nun alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung in der riesigen Gleishalle am Künstlerhaus Güterabfertigung aus etwa 100 Präsentationen. Am Donnerstagabend wird der Kunstfrühling eröffnet. Bis zum 5. Juni bietet er zudem täglich ein umfangreiches Rahmenprogramm.

Man muss als Besucher der im Grunde zweigeteilten Präsentation viel Zeit mitbringen, wenn man auch nur einen groben Einblick in die Arbeiten von über 200 Künstlerinnen und Künstlern aus Bremen, aus dem Nordwesten und aus Hannover bekommen will. Auf 14000 Quadratmetern sind 21 Kunstvereine und Museen, 22 Galerien, sechs Künstlervereinigungen und vier Künstlerhäuser präsent - im Grunde sind das fast alle namhaften Institutionen von Cuxhaven bis Hannover. Dazu kommen auf der Künstlerplattform im hinteren Teil der Gleishalle noch einmal die Arbeiten von 57 Frauen, Männern und Gruppen, die eine siebenköpfige Jury auswählte. Die Kuratorinnen Rebeccah Blum (Berlin) und Jennifer Bork (Wolfsburg) hatten diesen Künstlern das Thema "Trauma - die Phobie als Muse" angeboten, und tatsächlich haben zahlreiche Auserwählte dieses Motto mehr oder minder drastisch auch aufgegriffen, sich mit dem Raum der Gleishalle und mit Unsicherheiten auseinandergesetzt.

Der Bremer Verband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) hat auch diesen 7. Kunstfrühling wieder organisiert und rechnet nach Einschätzung seines Vorsitzenden Wolfgang Zach mit fünfstelligen Besucherzahlen. Auf die inhaltliche Präsentation nimmt der BBK keinen Einfluss, legt vielmehr Wert darauf, dass der Besucher einen möglichst vielfältigen Eindruck der zeitgenössischen Kunstszene im deutschen Nordwesten und in der Partnerstadt Hannover erhält.

Und diese Möglichkeit bekommt der Betrachter quer durch alle künstlerischen Genres und Qualitäten allein schon auf der Künstlerplattform. Deren Einfallstor im wahrsten Sinne des Wortes und unübersehbar haben Lotte Lindner und Till Steinbrenner aus Hannover mit ihrer extrem bunt blinkenden Wand geschaffen, die von dem Spruch "Es wird alles wieder gut" geziert wird. Dahinter öffnet sich ein weites künstlerisches Spektrum, dessen Spannweite von drei bis an die Zähne bewaffneten, in eine Gondel drappierten "Amazonen" (Anja Fußbach) bis zu den stillen, altarähnlichen Leuchtkästen Thomas Behlings reichen. Zahllose Videos, beispielsweise von Robert van der Laar in einem hermetisch abgedunkelten Raum (nichts für Phobiker!), sind hier zu sehen. Aber auch "richtige" Acrylmalerei, beispielsweise von Marina Schulze, die die Situation der Gleishalle in einem riesigen, geklappten Doppelbildnis zeigt, hat hier ihren Platz. Zudem sieht der Besucher Arbeiten von Jub Mönster und Johann Büsen an den

Große Resonanz erwartet

Wänden der Gleishalle, die nach dem Ende des Kunstfrühlings an ihrem Platz bleiben müssen. Getrennt werden ihre Wandbilder von einer faszinierenden Wandskulptur der taiwanesischen Bildhauerin Mei-Shiu Winde-Liu, die für den "Kampf der Parasiten" unzählige Tonobjekte platzierte.

Es gibt noch rund 50 weitere jurierte Positionen auf der Künstlerplattform - sie wären alle eine Erwähnung wert. Aber es gibt eben auch die Kojen der Galerien, Museen und Kunstvereine, die sich anders als vor zwei Jahren inzwischen auf zwei große Hallen verteilen. Nicht wenige von ihnen nutzen den Kunstfrühling, um auf parallel laufende Ausstellungen in ihren Häusern Appetit zu machen. Dazu zählt etwa die Weserburg, die eine faszinierende "Videozeichnung" der Schweizerin Zilla Leutenegger vorstellt. Beinahe verstörend wirkt der Pavillon des Kunstvereins Hannover, der auf den ersten Blick nur mit Plakaten und Broschüren zu aktuellen Ausstellungen bestückt ist und dann hinter einer Ecke einen "Damien-Hirst-Hai" im riesigen Aquarium zeigt. Natürlich ist es kein präparierter Fisch des britischen Superstars, sondern eine Installation von Sebastian Neubauer mit Stofftier in einem roh gezimmerten Behältnis.

Anders präsentieren sich beispielsweise die Kunstsammlungen Böttcherstraße und die Kunsthalle Bremen. Die Böttcherstraße widmet ihren mit Plüschsesseln und Leselampen eingerichteten Raum einzig dem Künstler Timm Ulrichs. Die Kunsthalle entschied sich zur Jahreswende für eine Japan-Präsentation mit dem Bill-Viola-Video "Hatsu Yume -First Dream" inmitten von Farbholzschnitten des 18. und 19. Jahrhunderts - und wurde von den aktuellen Katastrophen eingeholt. Reaktion: In Kooperation mit dem Cinemaxx gibt es am 15. Mai eine Benefizveranstaltung, bei der Akira Kurosawas visionärer Episodenfilm "Träume" von 1990 gezeigt wird.

Tatsächlich gibt es für den Kunstfrühling in der Gleishalle, aber auch anderen Orten ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Filmen, Vorträgen, Konzerten und Performances. Letztere organisiert der Künstlerinnenverband, der ab heute einige international renommierte Performerinnen zu einem Festival geladen hat. Wer etwa am 7. Mai eine etwas andere Radtour mit Jessica Findley aus New York unternehmen will, erfährt Näheres unter buero@künstlerinnenverband.de per Mail. Wer mehr über die Gleishalle erfahren möchte, leihe sich am Eingang einen Audioguide der Künstlergruppe Mark, die diesen Beitrag für die Künstlerhäuser Bremen schuf.

Der Kunstfrühling wird heute um 19 Uhr eröffnet und ist bis zum 5. Juni täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet. (www.kunstfruehling.de)

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