Gemeinschaftsausstellung geplant

Bremer Museen setzen Kooperation fort

Bremen. Nach einer mehrjährigen Kunstpause planen mehrere Museen der Stadt jetzt wieder eine neue gemeinsame Ausstellung. Sie haben sich zu einer lockeren Arbeitsgruppe zusammengeschlossen und wollen zusammen an die Öffentlichkeit gehen.
01.12.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Liane Janz
Bremer Museen setzen Kooperation fort

"Wir verlassen bewusst unsere eigenen Museen": Achim Tischer vom Krankenhaus-Museum im Klinikum Bremen-Ost.

Frank Thomas Koch

Bremen. "Wer nicht wirbt, stirbt" lautet ein Sprichwort in der Unternehmens- und Werbewelt. Was aber tun, wenn das Publikum trotz Werbung nur spärlich den Weg zum Werbenden findet? Diese Frage stellen sich seit geraumer Zeit verschiedene Museen in Bremen. Deshalb haben sie eine Arbeitsgemeinschaft gegründet und gemeinschaftliche Ausstellungen auf den Weg gebracht. Eine Zeit lang ruhte die gemeinsame Arbeit, aber jetzt wollen die Museen sie wieder aufnehmen und verstärkt in Bremen Präsenz zeigen.

In kleiner, gemütlicher Runde sitzen Ingrid Weibezahn (Dom-Museum) und Frauke Hellwig (Bremer Schulmuseum) bei Achim Tischer im Krankenhaus-Museum (Klinikum Bremen-Ost) zusammen und denken über den nächsten gemeinsamen Auftritt nach. Die Runde ist noch längst nicht komplett, denn auch das Hafenmuseum, das Bremer Rundfunkmuseum oder die Straßenbahnausstellung "Das Depot" haben sich der Arbeitsgruppe angeschlossen. Und das Tischlereimuseum und das Werkzeug-Museum nahmen ebenfalls schon an einer gemeinsamen Ausstellung teil: 2005 in der Sparkasse Am Brill. Viele der Museen sind relativ häufig in den lokalen Medien vertreten, und dennoch sind die Besucherzahlen ausbaufähig.

Viele forschen selbst

Die Eigenwerbung ist jedoch nur ein Aspekt der Kooperation. "Wir wollen zeigen, dass die Museumslandschaft in Bremen viel breiter ist als oft bekannt", sagt Achim Tischer. Dabei handele es sich weitgehend um professionell geführte und gar nicht mal so kleine Häuser, die auch einen wissenschaftlichen Anspruch hätten. "Viele forschen selbst oder lassen forschen", so Tischer.

Entstanden ist die Arbeitsgruppe als eine Art Parallelbewegung zu den "Bremer Fünf plus" aus Focke-Museum, Gerhard Marcks Haus, Kunsthalle, den Kunstsammlungen Böttcherstraße, Übersee-Museum, Weserburg und Wilhelm Wagenfeld Haus. "Das war eine in sich geschlossene Gruppe", erinnert sich Ingrid Weibezahn. Auf Initiative des Dom-Museums hatte die Arbeitsgruppe vor sieben Jahren typische Gegenstände der jeweiligen Museen im Huchtinger Roland-Center ausgestellt. "Die Ausstellung kam sehr gut an", sagt Weibezahn.

Auch 2005 konnten zehn Museen die Besucher mit der Ausstellung "Kostbarkeiten im Rampenlicht" in der Sparkasse Am Brill begeistern. "Die Objekte waren sehr professionell in Vitrinen ausgestellt, dazu gab es Schautafeln, und in begleitenden Sonderveranstaltungen konnten sich die Museen vorstellen", erzählt Ingrid Weibezahn. "Die Besucher waren zum Teil erstaunt, welche Museen es in Bremen gibt", ergänzt Frauke Hellwig.

Plan für 2007 scheitert

Für 2007 war eigentlich eine weitere Ausstellung geplant, dieses Mal im Weserpark. Doch sie kam nicht zustande, und die Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft schliefen ein. "Es muss perspektivisch jemanden geben, der federführend organisiert", sagt Ingrid Weibezahn. Dazu komme die unterschiedliche finanzielle Ausstattung der Museen. Personelle Veränderungen sowie die "Arbeitsberge in eigenen Angelegenheiten" täten ihr Übriges, erläutert Hellwig.

Die Kunstpause will das Trio nun beenden. Es möchte Schnittstellen zwischen mehreren Museen finden, um eine Gemeinschaftsausstellung zu einem bestimmten Thema auf die Beine zu stellen - und zwar möglichst an einem neutralen Ort.

"Wir gehen gern auf die Menschen zu und verlassen bewusst unsere eigenen Museen", unterstreicht Achim Tischer. Einkaufszentren wie der Weserpark oder das Roland-Center böten viel Publikum, auch aus dem Umland. Ein Ausstellungsort in der Innenstadt wie der in der Sparkasse Bremen bekomme aber auch viel Aufmerksamkeit.

Die Häuser legen Wert darauf, als Bremer Museen gesehen zu werden, wie Frauke Hellwig erklärt, und nicht als Sehenswürdigkeit für den Stadtteil. Dennoch sind gerade für Touristen das Hafenmuseum in der Überseestadt, das Schulmuseum in Hastedt oder das Krankenhaus-Museum in Osterholz-Tenever nicht die naheliegendsten Attraktionen. Und trotz seiner guten Lage kämpft auch das Dom-Museum noch darum, von den Menschen wahrgenommen zu werden. Denn selbst vielen Bremern ist noch nicht aufgefallen, dass im Bleikeller ein neues Museum entstanden ist.

Nun also ein neuer Aufbruch. Der sei auch wichtig - für die Museen und für die Besucher. "Museen bilden ein kollektives Gedächtnis mit einem starken Bezug zum Heute", sagt Achim Tischer. Sie dokumentierten ähnliche Prozesse zu unterschiedlichen Zeiten. Davon könnten die Menschen lernen.

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