Besucher-Flaute in Bremerhaven

Bremer Museen zählen mehr Besucher

Die Museen im Land Bremen haben im vergangenen Jahr nur etwas mehr Besucher anlocken können als 2013. Doch die Stadt Bremen gewinnt deutlich – ungefähr in dem Umfang, in dem Bremerhaven verliert.
16.02.2015, 18:00
Lesedauer: 2 Min
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Bremer Museen zählen mehr Besucher
Von Iris Hetscher

Auf den ersten Blick hat sich wenig verändert – die Museen im Land Bremen haben im vergangenen Jahr nur etwas mehr Besucher anlocken können als 2013. Doch die Stadt Bremen gewinnt deutlich – ungefähr in dem Umfang, in dem Bremerhaven verliert. Und das Minus in der Seestadt von fast 25.000 Besuchern geht vor allem auf das Historische Museum und das Deutsche Auswandererhaus zurück.

Einmal im Jahr gibt der Senator für Kultur eine Liste mit den Besucherzahlen der Museen im Land Bremen heraus, die stets auch ein Seismograf für die Beliebtheit der einzelnen Einrichtungen ist. Demnach sind im vergangenen Jahr im Land Bremen nur rund 2.000 Menschen mehr als im Vorjahr in die Einrichtungen geströmt: 821.490 gegenüber 819.486 (2013). Schaut man sich die Bilanz für die Stadt Bremen an, ist aber ein sattes Plus von sechs Prozent zu verzeichnen: knapp 451.000 statt 424.346 Besucher zog es zu Kunst, Völkerkunde und Geschichte.

Zu verdanken ist das vor allem der Bremer Kunsthalle, die knapp 11.500 Besucher mehr anlocken konnte – wohl vor allem wegen der Picasso-Schau im Frühjahr. Auch das Schulmuseum und die Museen Böttcherstraße legten zu. Kultursenator und Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) nannte das „ein erfreuliches Resultat“.

Schlechte Nachrichten für Bremerhaven

In der Schwesterstadt Bremerhaven dürfte es dagegen gestern lange Gesichter gegeben haben. Statt 395.138 Menschen, die es 2013 noch in die sechs Museen gezogen hatte, kamen im vergangenen Jahr nur noch 370.544, ein Minus von ebenfalls sechs Prozent. Nicht in die Berechnungen einbezogen ist dabei das Klimahaus, das seine Besucherzahlen nicht veröffentlicht.

Besonders schlimm erwischt hat es in Bremerhaven zwei Einrichtungen: Das Auswandererhaus und das Historische Museum. Beim Auswandererhaus brechen die Zahlen zum zweiten Mal in Folge regelrecht ein. Bereits im Jahr 2013 kamen knapp 16.000 Besucher weniger als im Jahr zuvor. Dieser Trend hat sich fortgesetzt: 183.069 Besuchern im Jahr 2013 stehen nur noch 171.365 im vergangenen Jahr gegenüber – das ist ein Minus von fast 12.000. Wirft man einen Blick zurück auf die Jahre seit der Eröffnung, ist dies der Höhepunkt einer schleichenden Entwicklung: Seit 2006 ist die Besucherzahl nicht mehr gestiegen – damals kamen 240.000 Besucher, jetzt sind es mehr als ein Viertel weniger.

„Irgendwann waren alle Einheimischen da“

Bremerhavens Kulturdezernent Michael Frost (Bündnis 90/Die Grünen) sieht eine Gewöhnung: „Irgendwann waren alle Einheimischen da.“ Das Museum arbeite allerdings daran, sich zu erneuern und „etwas zu bieten, damit die Menschen häufiger kommen“. Das könne von Angeboten der Museumspädagogik bis zu neuen Schwerpunkten gehen. Außerdem stehe man natürlich in Konkurrenz zur 2007 eröffneten Ballinstadt in Hamburg.

Beim Historischen Museum fällt Frost die Erklärung leichter. Das Haus ist von knapp 33.300 Besuchern 2013 auf 18.000 abgesackt – auch in den Jahren zuvor waren immer weniger Menschen gekommen. Das Museum habe seit der Eröffnung der „Havenwelten“ einen schwereren Stand: „Auswärtige Besucher haben jetzt mehr Auswahl, die schauen sie sich nicht mehr unbedingt Lokalgeschichte an“.

Zudem habe man 2014 die Öffnungszeiten eingeschränkt, um Sparvorgaben zu erfüllen. Nun werde überlegt, dieses wieder rückgängig zu machen, gespart werden müsse eventuell beim Personal. Außerdem werde von der Hochschule Bremen derzeit ein neues Marketingkonzept erstellt: Genau in diesem Bereich sieht Frost generell noch viel Luft nach oben: „In Bremen sind die Museen selbstverständlich Teil des Tourismuskonzepts.“ Genau das wünscht er sich auch für Bremerhaven. In den Negativzahlen stecke daher auch eine Chance: „Ich sehe das als Weckruf.“

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