Pop-Art-Ausstellung in der Hansestadt

Bremer Schüler malen wie James Rizzi

Bremen. James Rizzi hat keine Lieblingsfarbe. Und das sieht man den Bildern des New Yorker Pop-Art-Künstlers an. Heute Abend wird der 59-Jährige seine Ausstellung "Rizzis Welt" in Bremen eröffnen. Als Einstimmung haben Bremer Schüler Bilder in Rizzis Stil gemalt.
20.05.2010, 16:05
Lesedauer: 3 Min
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Bremen. James Rizzi hat keine Lieblingsfarbe. Und das sieht man den Bildern des New Yorker Pop-Art-Künstlers an. Schreiend bunt sind sie, fast schon aufdringlich grell. "In letzter Zeit mag ich Pink besonders gerne. Gerade habe ich meinen Jaguar in der Farbe angemalt", sagt der 59-Jährige am Donnerstag in Bremen, wo die Ausstellung "Rizzis Welt" eröffnet wird. Seine Werke sprühen nur so vor Lebensfreunde und Optimismus. Sogar weinende Gesichter wirken bei ihm irgendwie fröhlich.

Am liebsten malt Rizzi witzige Motive. Legendär sind seine Straßenszenen aus New York, die ausgefeilt bis ins winzigste Detail zum stundenlangen Betrachten einladen. Die Menschen in ihnen ziehen wilde Grimassen, Ufos und Herzen schwirren durch die Luft, Hochhäuser grinsen frech im Hintergrund und selbst die Sonne macht gute Mine - wie im Comic halt oder von Kinderhand gemalt. "Schon als Kind malte ich leidenschaftlich gern. Kinder lieben Farben und ihre Bilder erzählen immer eine Geschichte", sagt Rizzi.

Dass das stimmt, zeigen die Bilder, die im Bremer Schüler im Rahmen eines Schulmalwettbewerbs der GEWOBA und des WESER-KURIER im Rizzi-Stil gemalt haben. Sie haben sich auf ihre ganz eigene Weise mit dem Stil Rizzys auseinandergesetzt. 

Die Besucher in Bremen sollten deshalb viel Zeit mitbringen. Nach Angaben der Veranstalter ist sie die bisher weltgrößte Schau des Künstlers. 1400 Sammlerstücke sind bis zum 4. Juli in der Messe zu sehen, darunter rund 400 bisher noch nie gezeigte. Dazu gehören auch einige Aktzeichnungen, die - ganz untypisch - in ruhigem Schwarz-Weiß gehalten sind. Dem Besucher bieten sie vor allem eine willkommene Pause für die Augen.

Rizzis Vorliebe für knallige Farben begann schon in frühen Jahren, wie die Retrospektive anlässlich seines 60. Geburtstags im Oktober zeigt. Bereits in den 70er Jahren, als Rizzi noch Kunst in Florida studierte, waren seine Gemälde kunterbunt. Damals entwickelte er auch die Technik für seine 3D-Grafiken, die noch heute zum Einsatz kommt. Von seinen Zeichnungen lässt Rizzi zwei Siebdrucke anfertigen. Einer dient als Hintergrund. Aus dem anderen schneidet er Figuren aus, die er auf dem ersten Bogen mit speziellem Klebeband befestigt.

In den 80er Jahren wurde sein Stil comicartiger, die Farben noch intensiver. Damit trifft er den Geschmack der Massen. Rizzi ist schick - nicht nur an der Wand. Er durfte CD-Cover, Briefmarken, Porzellan und den Boxermantel von Henry Maske gestalten. Auch ein Haus in Braunschweig und ein Flugzeug bemalte der Künstler. Zwei Modelle der Maschine sind auch in der Ausstellung zu sehen, außerdem zwei VW Beetle, eine Gitarre, Vasen und Schuhe.

Die Gemälde und Kollagen des US-Amerikaners hängen angeblich in den Wohnzimmern von Hillary Clinton, Holly Hunter, Cher und Wladimir Klitschko. Doch für einen echten Rizzi muss man nicht unbedingt ein dickes Bankkonto haben, wie ein Blick auf seine Internetseite zeigt. Dort werden seine Grafiken zwischen 575 und 36.000 Euro gehandelt. Rizzi ist eben Pop-Art im wahrsten Sinne.

"Das ist Kunst für jedermann und für jedes Alter", meint Bastian Langer von der Agentur Popular Art, die seit zehn Jahren mit Rizzi zusammenarbeitet. Eine große Fangemeinde hat er vor allem in Deutschland. Zu seiner letzten Schau 2008 in Mainz kamen knapp 50 000 Besucher. In Bremen rechnen die Organisatoren mit rund 35 000 Kunstfreunden.

Dass seine farbenfrohe Malerei eine Lebenseinstellung ist, zeigt Rizzi am eigenen Leib. In Bremen tritt er gewohnt schrill mit Sonnenbrille, Hut, pinkem Hemd, bunter Krawatte, handbemalten Turnschuhen und rosafarbenen Zigaretten auf. "Wenn man in mein Loft in New York kommt, ist das Erste was man sieht Farbe." Als politischen Künstler will er sich nicht verstanden wissen. Für gute Laune sollen seine Bilder sorgen, sonst nichts. "Das Leben ist ein Geschenk."

Besonders deutlich wird das in dem Bild "In memory of those lost". Es zeigt die New Yorker Skyline in schwarzer Nacht. Zwischen den Hochhäusern ragen die im September 2001 zerstörten Zwillingstürme des World Trade Centers hervor. Bunt blühend. Aus Freude, dass Rizzis Bruder den Terroranschlag überlebte. (dpa)

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