Film startet in Kinos Bremerin Gabriela Maria Schmeide spielt Hauptrolle in Dörries Film 'Die Friseuse'

Bremen. Für Gabriela Maria Schmeide läuft es richtig gut: Sie hat ein festes Engagement am Thalia Theater in Hamburg, ist in Michael Hanekes Oscar-nominiertem Film 'Das weiße Band' zu sehen und spielt die Hauptrolle in Doris Dörries Komödie 'Die Friseuse'.
18.02.2010, 05:11
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Bremerin Gabriela Maria Schmeide spielt Hauptrolle in Dörries Film 'Die Friseuse'
Von Alexandra Albrecht

Bremen. Für Gabriela Maria Schmeide läuft es richtig gut: Sie hat ein festes Engagement am Thalia Theater in Hamburg, ist in Michael Hanekes Oscar-nominiertem Film 'Das weiße Band' zu sehen und spielt die Hauptrolle in Doris Dörries Komödie 'Die Friseuse'. Nicht wenige würden jetzt die Bodenhaftung verlieren, aber nicht Gabriela Maria Schmeide.

Dazu ist sie viel zu vorsichtig, bescheiden und wohl auch zu realistisch. Wahrscheinlich sind es genau diese Eigenschaften, die sie so erfolgreich machen. Weil sie sich nicht verhebt, sondern behutsam Schritt für Schritt vorangeht, sich nicht an sich selbst berauscht, sondern schaut, was sie noch verbessern kann. Allein die Feststellung, dass ihr Weg stetig nach oben führt, weist sie schon zurück. 'Nein, es hat auch immer wieder Brüche gegeben', sagt sie dann. Brüche, die sich im Nachhinein als hilfreich erwiesen haben. Wie der Abschied vom berühmten Berliner Ensemble, das sie verließ, weil sie mit Peter Zadeks Art nicht zurecht kam. Am Bremer Theater konnte sie sich dann in aller Ruhe ausprobieren und entwickeln, hier eroberte sie sich ein treues Publikum, das sie schätzt. 'Außerhalb Bremens bin ich aber nicht so bekannt', schränkt sie sofort wieder ein, ohne dass man den Eindruck gewinnt, hier stapelt jemand aus Berechnung tief.

Natürlich ist sie mittlerweile bundesweit bekannt, nicht als Theaterschauspielerin, aber als Kinodarstellerin. Schon ihr erster Film, 'Die Polizistin', brachte ihr viel Anerkennung und auch einen Preis ein. Sensationell natürlich und authentisch agierte sie vor der Kamera, so als hätte sie nie etwas anderes getan. Dabei hatten Kollegen sie noch gewarnt: Theaterschauspieler und Film, das geht selten gut. Weil Mimik und Gestik zu dick aufgetragen wirken. Nicht bei Gabriela Maria Schmeide, sie hat sofort das richtige Gefühl für die Kamera gehabt. Mit Andreas Dresen drehte sie dann noch 'Halbe Treppe', wieder ein Erfolg.

Und dann klingelte Doris Dörrie an. Obwohl die Schmeide für die Rolle der dicken Friseurin Kathi nicht füllig genug war, wollte die Regisseurin sie unbedingt dabei haben. Kein Zufall, denn Doris Dörrie bewegt sich mit 'Die Friseuse' ein wenig in das Terrain von Andreas Dresen hinein, der in seinen halbdokumentarischen Filmen vom Leben der kleinen Leute erzählt. Dörries Friseuse Kathi ist eine echte Berliner Schnauze aus Marzahn, der im Leben vieles schief geht, die sich aber immer wieder aufrichtet und weiter macht. Als sie in einem Salon zu hören bekommt, dass sie zu unästhetisch, soll heißen zu fett sei, um anderen Menschen die Haare zu schneiden, beschließt Kathi, sich selbstständig zu machen. Es läuft zwar nicht alles nach Plan, aber am Ende geht es doch gut aus. Doris Dörrie fehlt die Lakonie Dresens, sie beobachtet ihre Figuren nicht, sondern arrangiert ihre Szenen, versucht den Zuschauer mit Gefühligkeit zu überrumpeln. Der Film ist ganz und gar auf seine Hauptfigur zugeschnitten, und weil Gabriela Maria Schmeide auch diese Rolle wieder meistert, sieht man über Ungenauigkeiten des Drehbuches und der Regie gern hinweg.

Am Wochenende haben Doris Dörrie und ihr Team den Film auf der Berlinale vorgestellt. Kein Traumtermin für Gabriela Maria Schmeide, sondern Arbeit. 'Das ist nicht meine Welt', sagt sie und man glaubt es ihr sofort. In Jeans, einer dicken Winterjacke und Clogs ist sie zu unserem Gesprächstermin erschienen, absolut uneitel. In Berlin hatte sie ein schwarzes Abendkleid an, es stand ihr gut. Auf dem Filmfestival lief noch ein zweiter Film mit ihr, 'Henri 4' von Jo Baier, der von der Kritik ausgebuht wurde. Immerhin meldete die Deutsche Presseagentur, dass die Szenen mit Gabriela Maria Schmeide als Maria Medici für 'gelöstes Gelächter' gesorgt hätten. Da hatte sie mit Hanekes 'Das weiße Band' mehr Glück, er ist ein Anwärter auf einen Oscar. 'Da hab ich doch nur eine kleine Nebenrolle gespielt', schränkt sie schon wieder ein. Stimmt, aber die bleibt haften. Haneke wollte sie unbedingt für diesen Part, nachdem sie abgesagt hatte, hat er sich extra mit ihr zum Essen getroffen.

Aber mit dem Filmen soll jetzt erst einmal Schluss sein. 'Der Set ist der unnatürlichste Ort, den man sich vorstellen kann', sagt sie. Das viele Warten, die wenigen Proben mit den Kollegen, das gefällt ihr nicht so. Dass sie am Thalia in Hamburg eine feste Stelle bekommen hat, freut sie viel mehr. 'Das hatte ich mit über 40 nicht mehr erwartet', sagt sie. 'Da fange ich wieder ganz von vorne an, ohne Vorschusslorbeeren', ergänzt Gabriela Maria Schmeide. Ihr Hauptwohnsitz bleibt aber Bremen. 'Man weiß ja nie.' Da ist sie wieder, die Vorsicht.

Gabriela Maria Schmeide stellt 'Die Friseuse' heute um 19.15 Uhr in der Schauburg vor.

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