Kriminalgeschichten Bremerin schreibt Krimis mit Witz

Britta Engel schreibt Kriminalgeschichten mit einem Humor, der „kurz vor schwarz“ ist. Jetzt stellt sie ihren neuen Roman „Kein Erbe ohne Tod“ vor.
04.02.2019, 20:06
Lesedauer: 2 Min
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Bremerin schreibt Krimis mit Witz
Von Katharina Frohne

Britta Engel rührt in ihrem Kaffee. Rechts von ihr, vor dem Fenster der Bäckerei, liegt der Hintereingang des Bremer Hauptbahnhofs. Es ist Ende Januar und ein Grad unter null, Menschen in Daunenjacken eilen über den Platz, rein ins Gebäude oder ins Auto auf dem Parkplatz vor den Messehallen, Hauptsache raus aus der Kälte.

Hier, erzählt die 58-jährige Bremerin, habe sie ihn getroffen: Stefan. Mit ihm ging alles los. An einem wärmeren Tag im Mai 2018 lungerte er am Rande des Parkplatzes rum, auf dem Arm einen Stapel Obdachlosenzeitungen. Er fragte sie, ob sie eine kaufen wolle. Sie fragte ihn, wie er auf der Straße gelandet sei. „Ich bin ein neugieriger Mensch“, sagt Engel.

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Danach ging sie zur Arbeit. Als sie am Abend nach Hause kam, musste sie immer noch an Stefan und seine Geschichte denken. Wie schnell es bergab gehen kann. Und wie langsam wieder bergauf. Sie setzte sich an den Computer und fing an zu schreiben. Ein halbes Jahr später war „Kein Erbe ohne Tod“ fertig: eine Kriminalgeschichte um Kommissar Michael Oder, den ein rätselhafter Fall in die Frankfurter Obdachlosenszene führt.

In Frankfurt steckt sehr viel Bremen

Frankfurt deshalb, weil die Stadt am Main Engels Heimat ist. Eigentlich stecke aber sehr viel Bremen im Buch, sagt Engel. Und auch ein bisschen Stefan. Der Roman ist Engels zweites Buch. Im November 2017 erschien ihr Debüt „Morgenmuffel“ im Bremer Just-Tales-Verlag. Auch in ihm ermittelt Michael Oder, den Engel als einen Typen beschreibt, „der seinem Bauchgefühl folgt und keine Angst hat, sich mit seinem Chef anzulegen“. Der Drang zu schreiben, sagt Engel, sei einfach dagewesen, gut zwei Jahre sei das jetzt her. Plötzlich hatte sie diese verrückte Idee: Was, wenn ein morgenmuffeliger Mensch alle Leute umbringen würde, die ihm im Laufe eines Vormittags auf die Nerven gehen? Mordmotiv Morgenmuffeligkeit? Zwei Tage später waren die ersten 80 Seiten fertig. Ein befreundeter Lektor las Probe. Sein Urteil: „Unbedingt weitermachen!“

Also tat sie das. Gar nicht so leicht, denn Schriftstellerin ist Engel nur privat. Hauptberuflich ist sie bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt, übernimmt verschiedene Büroarbeiten. Wechselnde Jobs, immer wieder neue Bewerbungen, immer wieder neue Chefs, die ihren Namen googeln könnten. Auch deshalb entschied sie sich für ihr Pseudonym Agatha van Wysn. Agatha, die Autorin, Britta, die Bürokauffrau. So sah sie das damals.

Menschen unterhalten und zum Lachen bringen

Heute, sagt sie, gehören beide zu ihr. Engel stellt die Kaffeetasse ab und zeigt auf den Anhänger ihrer Halskette, in dessen silberne Oberfläche feine Ziffern graviert sind: die ISBN-Nummer ihres ersten Romans. „Ich freue mich, wenn ich die Menschen mit meinen Geschichten unterhalten und sie auch mal zum Lachen bringen kann“, sagt sie. Denn ja, ihre Krimis seien lustig. Anthrazitfarbener Humor nennt sie das, „kurz vor schwarz“.

Und als würde sie eine Kostprobe liefern wollen, sagt sie zum Abschied sehr trocken etwas sehr Böses: Das Schreiben habe ja etwas herrlich Befreiendes. In der Londoner U-Bahn habe ihr mal ein Kerl auf die Knie geniest. Alles nass, keine Entschuldigung. „Damals habe ich noch nicht geschrieben. Heute würde ich mir denken: Macht nichts. In meinem nächsten Buch bringe ich dich einfach um.“

Weitere Informationen

Britta Engel alias Agatha van Wysn liest am Dienstag, 5. Februar, um 19 Uhr in der Buchhandlung Leuwer, Am Wall 171, aus ihrem Roman „Kein Erbe ohne Tod“. Der Eintritt ist frei.

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