Austausch in der Kunsthalle Bremen Bürger diskutieren über den Kulturförderbericht

Bei einem Bürgerdialog in der Kunsthalle Bremen wurde am Dienstagabend vor allem über den Kulturförderbericht angeregt diskutiert.
18.09.2018, 21:59
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Bürger diskutieren über den Kulturförderbericht
Von Alexandra Knief

Angeregt diskutiert wurde am Dienstagabend in der Kunsthalle, denn die Kulturbehörde hatte zu einem Bürgerdialog geladen, der viele Menschen in der Stadt, insbesondere aber alle Kulturschaffenden umtreibt. Im Mittelpunkt der Diskussion stand der Kulturförderbericht, der sowohl eine Bestandsaufnahme der bremischen Kulturlandschaft als auch gemeinsam mit Kulturschaffenden erarbeitete Leitlinien und Perspektiven für die zukünftige Gestaltung und Schwerpunktsetzung in der Förderung bietet.

Bürgermeister und Kultursenator Carsten Sieling (SPD), Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz und Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen, führten in das Thema ein. Im Anschluss an die Einführung gab es eine umfassende Diskussionsrunde mit insgesamt elf Kulturakteuren, in die auch das Publikum eingreifen konnte. Moderiert wurde die Veranstaltung von WESER-KURIER-Chefredakteur Moritz Döbler.

Konkret auf die Inhalte des Berichts wurde gerade im ersten Teil des Diskussionsabends wenig eingegangen. Carsten Sieling betonte einleitend allerdings einige Schwerpunkte, auf die die Kulturförderung in Zukunft setzen wolle. Dazu gehöre neben dem Bereich der Musik vor allem der Bereich des Lesens und der Kulturvermittlung. Barbara Lison, Direktorin der Stadtbibliothek Bremen, betonte in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit der Bibliotheken.

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„Wir sind nicht nur ein wichtiger außerschulischer Lernort, zu dem jeder freien Zugang hat, wir sind außerdem die meistbesuchte Kultureinrichtung der Stadt“, sagt sie. „Bibliotheken in Deutschland haben mehr Besucher als die deutsche Bundesliga.“ Diese Rolle als „Wohnzimmer der Stadt“ gelte es auch in Zukunft weiter zu stärken.

Auch die Sogwirkung anderer großen Bremer Institutionen wie dem Theater oder der Kunsthalle solle laut Sieling gestärkt werden, genauso wie die Vernetzung dieser mit der Arbeit in den Stadtteilen. Carmen Emigholz sieht den Kulturförderbericht grundsätzlich erst einmal als Chance, das gesamte Kulturangebot von den großen Einrichtungen bis zu den kleinen Initiativen aufzuzeigen und gebührend wahrzunehmen.

Stefan Offenhäuser, Syndicus der Handelskammer Bremen, betonte die zentrale Rolle, die Kultur auch für Bremen als Wirtschaftsstandort spielt. „Kunst und Kultur bringen einen Standort in Bewegung“, sagt er. „Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Außenwirkung der Stadt.“ Der Bericht sei für ihn ein wichtiger Schritt für den zukünftigen Dialog zwischen Kultur und Wirtschaft. „Und er ist eine gute Grundlage für eine Diskussion darüber, in welchen Kulturbereichen privates Sponsoring zukünftig eine Rolle spielen könnte“, sagt Offenhäuser.

Keine „Kulturpolitik der Exklusion“

Rose Pfister, Leiterin der Städtischen Galerie, der freischaffende Künstler Gero John und Tobias Pflug, Leiter des Theaters Schlachthof, hoben vor allem die Förderung der Freien Szene als wichtigen Aspekt für die Zukunft hervor. Dieser ist auch als Schwerpunkt im Bericht festgelegt. „Freie Künstler müssen besser auf die Arbeitswelt vorbereitet werden“, forderte zum Beispiel John.

Eine erste Verbesserung, so heißt es im Bericht, soll die Einrichtung einer Kulturagentur sein. In einer Sache sind sich alle Gesprächsteilnehmer einig: Die Rolle der Kultur müsse bei der Stadtentwicklung im Allgemeinen zukünftig stärker berücksichtigt werden. Die Aufgabe der Kultur werde in der Zukunft vor allem sein, neues Publikum zu erreichen und keine „Kulturpolitik der Exklusion“ (Sieling) voranzutreiben.

Wichtig sei, Bremer Bürgern Partizipationsmöglichkeiten zu bieten und Schwellen abzubauen für all diejenigen, die bisher noch keinen Zugang zum vielseitigen Angebot gefunden haben. Das Theater Bremen will dies unter anderem mit dem Angebot einer Bürgerbühne voranbringen.

Vieles ist noch Zukunftsmusik

Grundsätzlich stehen die Kulturschaffenden dem Förderbericht positiv gegenüber, loben den Austausch, den Dialog, den er bei den Kulturschaffenden untereinander und mit der Politik gefördert hat. Dennoch, und auch das wurde bei der Veranstaltung klar, ist vieles, was aktuell besprochen wird, noch Zukunftsmusik. Denn wie viel von den ab 2020 zusätzlich erwarteten Mitteln am Ende in die Förderung der Kultur fließen wird, das wisse laut Sieling zum jetzigen Zeitpunkt niemand – auch wenn eine grundsätzliche Erhöhung des Etats möglich sein werde. „Aktuell befinden wir uns noch in einer Phase des Potenzialsichtens und des Sich-Zeigens“, sagt er. Und dies sei eine gute Grundlage für alle weiteren Schritte. Im Oktober soll der Kulturförderbericht in der Deputation vorgestellt werden.

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