Hilfen bis zu 17 Millionen Euro Bund will Kinos unterstützen

Kinos in Deutschland sollen mit bis zu 17 Millionen Euro unterstützt werden. Auch einige Bremer Filmtheater könnten von dem „Zukunftsprogramm“ profitieren.
11.03.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Julia Kilian und Alexandra Knief

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will Kinos in Deutschland mit bis zu 17 Millionen Euro unterstützen. Ab sofort können Filmtheater Hilfsmittel beantragen, um zum Beispiel ihre Technik zu erneuern oder Häuser umweltfreundlicher zu machen. Kinos müssten auch jenseits der großen Metropolen in der Fläche erhalten bleiben, teilte Grütters am Montag in Berlin mit.

Wo Menschen nicht nur die Folgen von Abwanderung, demografischem Wandel und Versorgungslücken zu tragen hätten, sondern auch die Folgen eines schwindenden kulturellen Angebots, fänden Populisten leichter ­Zulauf, erklärte Grütters: „Dringender denn je brauchen wir hier Orte der kulturellen Begegnung und des Austauschs.“

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Das „Zukunftsprogramm Kino“ richtet sich an Betreiber, deren Kinos in kleineren Gemeinden mit bis zu 50.000 Einwohnern liegen und maximal sieben Säle haben. Gefördert werden auch Häuser in größeren Städten, wenn sie eine Auszeichnung bekommen haben oder besonders viele deutsche oder europäische Filme zeigen.

Voraussetzung ist, dass die jeweiligen Bundesländer den Kinos ebenfalls Geld zuschießen. Entsprechende Förderprogramme gibt es nach Angaben von Grütters’ Haus derzeit in zwölf der sechszehn Bundesländern. Die Kinos können Zuschüsse beantragen, um etwa neue Kassensysteme, Projektoren und Sitze, eine modernere Heizungsanlage oder eine App zu bezahlen. Auch Fassade und Foyer können mit dem Geld aufgefrischt werden. Kinos mit einem Saal können bis zu 60.000 Euro bekommen, größere Kinos bis zu 45.000 Euro pro Saal.

Neue Stühle für Bremer Kinos

Auch einige Bremer Kinos erfüllen die notwendigen Kriterien und wollen sich um eine Förderung bewerben. Manfred Brocki, Inhaber der Bremer Filmkunsttheater, hofft auf eine Unterstützung, mit der Renovierungsarbeiten in der Schauburg umgesetzt werden könnten. „Neue Stühle, neue Teppichböden – dafür könnten wir das Geld gut gebrauchen“, so Brocki. Auch Holger Tepe aus der Geschäftsführung des Kommunalkinos City 46 zeigt sich erfreut darüber, dass sein Kino teilnahmeberechtigt ist. „Wir könnten Unterstützung für Infrastrukturmaßnahmen im Kino und im Büro gebrauchen“, sagt Tepe. Falls auch dieser Bereich unter die Förderung fällt, würde er gerne auch die Webpräsenz des City 46 etwas moderner gestalten.

„Gerade für die kleinen Kinos ist das neue Förderungsprogramm sehr wichtig“, sagt Thomas Settje vom Cinema Ostertor. Das Kino habe bereits in den vergangenen Jahren einiges in die Modernisierung investiert, in neue Sessel und "diverse Stromsparmaßnahmen" beispielsweise. "Auch bei der Projektionstechnik sind wir auf dem neuesten Stand“, sagt Settje. Doch auch er sieht noch Bereiche, für die er eine zusätzliche finanzielle Unterstützung gut gebrauchen könnte: „Unsere Belüftungsanlage ist bereits über 30 Jahre alt“, sagt er. „Gerne würde ich auch unseren Social-Media-Auftritt verbessern“.

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Bereits im Sommer hatte die Bundesregierung ein Soforthilfeprogramm mit fünf Millionen Euro aufgelegt, um Kinos auf dem Land zu unterstützen. Kinobetreiber fordern bereits seit Längerem finanzielle Unterstützung. Nach einem schlechten Kinojahr 2018 hatten die Häuser 2019 zwar wieder mehr ­Tickets losschlagen können. Trotzdem sind das nach wie vor weniger verkaufte Karten als in anderen Jahren. Die Zahl der Kinos ist laut Filmförderungsanstalt (FFA) zuletzt aber gestiegen.

Ein gutes Zeichen

Der Hauptverband der deutschen Filmtheater (HDF Kino) wertet das neue Programm als gutes Zeichen, sieht aber „auch Nachbesserungsbedarf“. Dem Verband gehören kleinere Kinos, aber auch die großen Häuser an. Aus Sicht der Vorstandsvorsitzenden Christine Berg könnten Bund und Länder allerdings noch mehr Geld bereitstellen. Die neue Förderung müsse „noch stärker den Mittelstand in den ­Fokus stellen und inhabergeführten Traditionshäusern Anreize zur Modernisierung geben – jenseits von deren Standort und Programm“. Die bisher vorgesehene Begrenzung auf kulturell besonders wertvolle Spielstätten sei nicht zielführend, kritisiert der Verband.

Auch die Interessenvertretung der Arthouse-Kinos begrüßt den Start des Förderprogramms. „Es wird der mittelständisch geprägten Kinolandschaft in Deutschland großen Schub verleihen“, so Christian Bräuer von der AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater in Berlin. „Wichtig ist, dass alle Bundesländer nun in gleicher Weise mitziehen, damit die Kinos endlich in die Lage versetzt werden, ihren Investitionsstau abzubauen.“

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