Musikalische Liebeskomödie „Burn Baby Burn“ feiert Premiere im Fritz-Theater

Das Stück „Burn Baby Burn“ begleitet ein schwules, ein lesbisches und ein heterosexuelles Paar durch das letzte Jahr der 70er und verbindet alle Akteure mit vielen Irrungen und Wirrungen.
29.09.2018, 19:40
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„Burn Baby Burn“ feiert Premiere im Fritz-Theater
Von Alexandra Knief

Wie hieß noch mal der Typ aus „Saturday Night Fever“? John Travolta oder war es doch Toni Maccaroni? Ist ja auch egal, der Tanzfilm voller Bee Gees-Ohrwürmer liegt ja immerhin auch schon 40 Jahre zurück. Nicht aber so für die Charaktere auf der Bühne des Fritz-Theaters, denn das neue Stück, das Geschäftsführer und Drehbuchautor Christopher Kotoucek (Regie: Tim Reichwein) hier zu Papier gebracht hat, spielt im Jahr 1979, als der Hüftschwung von Tony Manero – ja, so hieß der Typ – noch die Massen begeisterte.

Und auch Sabine wünscht sich, ihr Freund Thomas würde am Wochenende mal mit ihr ausgehen und das Tanzbein schwingen. Der liegt aber lieber auf der Couch und sieht fern. Der einzige Körperteil, den Thomas regelmäßig bewegt, scherzt Sabine, ist sein Daumen, wenn er den Kanal wechselt.

Das Stück „Burn Baby Burn“ begleitet ein schwules, ein lesbisches und ein heterosexuelles Paar durch das letzte Jahr der 70er und verbindet alle Akteure mit vielen Irrungen und Wirrungen. Quasi in einer Art Sechseck-Beziehung, an deren Ende eines der Paare heiratet, der Zuschauer aber bis zum Schluss nicht so richtig weiß, wer.

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Denn alle Paare im Stück haben so ihre Probleme. Da wären, wie bereits erwähnt, Sabine (Sarah Fleige) und Thomas (Torsten Ankert), die sich beide völlig unterschiedliche Dinge von ihrer Beziehung erhoffen. Oder aber Dieter (Justus Schmeck) und Karl (Tim Reichwein), die unterschiedlicher wohl kaum sein könnten: Dieter, ein schillernder Paradiesvogel, der keinerlei Geheimnis aus seiner Homosexualität macht, und sein Freund Karl, ein eher unauffälliger Anwalt, der sich aufgrund seines Jobs noch nicht so richtig traut, offen zu seinem Freund zu stehen, aus Angst vor Diskriminierung.

Und schließlich sind da noch Luise (Cindy Walther) und Emily (Lena Wischhusen). Luise ist eine vegane Feministin mit Berliner Schnauze, die gerne meditiert, von ihrem eigenen Laden träumt, schon in den 70er-Jahren die Idee zur veganen Wurst hatte und auf der Straße für Gleichberechtigung demonstriert. Ihre Freundin Emily hingegen ist eher die Kategorie „Fack ju Göhte“-Schülerin, die in jedem Satz mindestens einmal „voll“ sagt, gerade ihren eigenen Club eröffnet hat und einige für sie wichtige Worte auch gerne buchstabiert. D-I-S-C-O quasi, das fanden damals auch schon Ottawan cool.

Klischees und Vorurteile

Das Skript von „Burn Baby Burn“ lässt keine Gelegenheit aus, mit gängigen Klischees und Vorurteilen über hetero- und homosexuelle Paare genauso wie über Männer und Frauen im Allgemeinen zu spielen. Das ist im Revuetheater und Kabarett auch mal erlaubt, und auch im Fritz-Theater nimmt das Ensemble die auf die Bühne gebrachten Stereotypen im zweiten Teil des Stückes noch selbst auf die Schippe, frei nach dem Motto: Sind wir nicht alle ein bisschen Klischee und haben uns trotzdem lieb?

Dennoch treiben Kotoucek und Reichwein es dieses Mal bis an die Spitze und bauen flache Geschlechter-Witze wie Fließbandware ein (Beispiel: „Was haben Männer und Wolken gemeinsam? Wenn sie sich verziehen, kann es noch ein schöner Tag werden“ oder „Wie nennt man einen Mann in Salzsäure? Ein gelöstes Problem“)

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Versucht man darüber hinwegzusehen, macht das Fritz das, was es am besten kann: Es bringt mit tollem LED-Bühnenbild und schönen Kostümen mitreißende, teils immer grüne, teils schon fast in Vergessenheit geratene Songs auf die Bühne. Waren es zuletzt in „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“ noch die 80er-Jahre, hat sich das Ensemble dieses Mal die Musik der 70er-Disco-Ära vorgenommen.

Und präsentiert gesanglich fast durchgehend auf großartigem Niveau unter anderem Songs wie Neil Diamonds „Sweet Caroline“, Elton Johns „Don’t Go Breaking My Heart“ oder Santa Esmeraldas „Please Don’t Let Me Be Misunderstood“. Mit „Disco Inferno“ von The Trammps, fand natürlich auch der Hit seinen Platz in der Handlung, dessen Text dem Stück seinen Titel gegeben hat.

Im Grunde ist „Burn Baby Burn“ eine Hommage an die Liebe, mit dem klaren Statement: Mann oder Frau – es ist egal, wen man liebt. All das wäre aber noch weitaus besser gelungen, wenn auf den einen oder anderen Kalauer verzichtet worden wäre. Dem Publikum hat es dennoch gefallen. Viele der Besucher belohnen das Ensemble mit langem Applaus und euphorischen Lobeshymnen auf dem Weg nach draußen. Für alle, die sich dem nicht angeschlossen haben, bleibt zu hoffen, dass die Theatermacher beim nächsten Mal wieder ein bisschen weniger tief in die Klischee- und Flachwitzkiste greifen.

Weitere Informationen

Weitere Termine im Fritz-Theater, Herdentorsteinweg 39: Donnerstag, 11. Oktober und 25. Oktober jeweils um 19.30 Uhr; Freitag, 26. Oktober, 20 Uhr. Tickets und weitere Termine unter www.fritz-bremen.de.

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