Neues Stück im Packhaustheater

Campingfieber

Mit „Campingfieber“ hat das Packhaustheater ab sofort ein neues Stück auf dem Spielplan. In der Komödie mit Musik der 1960er-Jahre dreht sich alles um den Kampf um einen Job im Bettenlager.
09.02.2018, 17:47
Lesedauer: 3 Min
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Campingfieber
Von Alexandra Knief
Campingfieber

Während Erwin Schlowanz (links, Marcus Rudolph) und Titus Hinteregger (rechts, Ulf Albrecht) sich streiten, wer der bessere Matratzen-Mann ist, versucht Oswald Schlummermann Junior (David Wehle) zu schlichten.

Theaterschiff Bremen

Erwin Schlowanz hat einen Traum: Er will Filialleiter der neuen Bettenlager-Schlummerland-Filiale in Hodenhagen werden. Damit dieser Traum wahr wird, muss er aber erst einmal seinen Chef, Oswald Schlummermann, davon überzeugen, dass er einfach der beste für diese neue Aufgabe ist. Und wie geht das besser, als sich auf dem Campingplatz am Oyter See den Stellplatz neben dem Boss zu sichern und ihn mit kaltem Bier, knusprigem Bacon und saftiger Grillwurst zu bestechen?

Gesagt, getan. Tagelang üben Erwin (Marcus Rudolph) und seine Frau Helga (Judith Beier) den Ablauf für die perfekte Umgarnung des Chefs. Sogar sein Lieblingslied haben sie abspielbereit im CD-Player liegen, dessen eingebautes Radio den Rest des Tages dazu dient, gebannt die Nachrichten auf „Radio Fischkopp FM“ zu verfolgen und sich darüber zu ärgern, was auf der A1 schon wieder alles los ist. Dann die böse Überraschung: Anstatt Chef Schlummermann zieht ein junges Hippie-Pärchen nebenan ein. Angeblich hat es den Wohnwagen gekauft. Was Erwin und Helga nicht wissen: Es handelt sich um den Sohn des Chefs und dessen Freundin Chrissi (Olivia-Patrizia Kunze). Und dann taucht zu allem Überfluss auch noch Erwins größter Konkurrent, der alles umarmende Titus Hinteregger (Ulf Albrecht) auf dem Campingplatz auf, um Schlummermann ebenfalls in den Allerwertesten zu kriechen.

Viel zu lachen

Am Donnerstag feierte das Stück „Campingfieber“ im Bremer Packhaustheater Premiere. Regie führte dabei Oliver Geilhardt, der hier im vergangenen Jahr bereits das Stück „Scharfe Brise“ inszenierte. Beide Stücke spielen am Wasser, dann hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf: Während „Scharfe Brise“ vor allem auf flachen Humor und pubertäre Pointen setzt, kommt Geilhardts neue Inszenierung (Buch: Christoph Steinau) weitaus weniger albern daher, und das steht dem Stück sehr gut.

Natürlich darf auch hier wieder ordentlich gelacht werden, und natürlich hilft man da mit überspitzten Charakteren und amüsanten Showeinlagen auch mal nach. „Campingfieber“ geht dabei aber nie unter die Gürtellinie und überzeugt vor allem durch seine schrullig-liebenswerten Charaktere. Besonders hervorzuheben ist hier Schauspieler Jochen Simon, der in Bremen bereits in Stücken wie „Ganze Kerle“ oder „Hosen runter“ auf der Bühne stand. In „Campingfieber“ amüsiert er das Publikum in einer Doppelrolle. Zum einen als Baron Adalbert von T. zu Nesselrödt, der mit seiner Mutter auf dem Campingplatz lebt und in der Nacht einer ganz persönlichen Leidenschaft nachgeht, zum anderen mit wunderbarer Mimik und rheinischem Akzent in der Rolle des Oswald Schlummermann.

Gespickt ist das Stück mit musikalischen Klassikern, die größtenteils aus den 1960er-Jahren stammen. Einigen wurden neue deutsche Texte verpasst, die die Handlung vorantreiben. So wird aus Boney M.s „Sunny“ das Lied „Mami“ mit Tipps gegen Rückenprobleme oder aus „You Can‘t Hurry Love“ von den Supremes ein Werbelied für Matratzen. Ein Großteil der Lieder bleibt aber im Original. Zusammengetragen werden im Laufe des Abends wunderbar rockige Stücke wie „Satisfaction“ von den Rolling Stones, Liebeslieder wie Frankie Vallis „Can‘t Take My Eyes Off You“ oder berührende Balladen, darunter „Crying In The Rain“ von den Everly Brothers oder Albert Hammonds „It Never Rains In Southern California“, bei dem für die richtige Atmosphäre eigentlich nur noch das Lagerfeuer fehlt. Die musikalische Leitung übernimmt David Wehle, der gleichzeitig auch auf der Bühne in der Rolle des Freigeistes Oswald Junior überzeugt – schauspielerisch, aber besonders durch seinen großartigen Gesang.

Angst vor dem Fleischer

Wird Erwin am Ende das Hodenhagener Schlummerland regieren? Oder kommt ihm Widersacher und Verkaufstalent Titus Hinteregger („Wenn der will, dann bringt er das komplette Weserstadion dazu, nur noch Holsten zu saufen“) in die Quere? Die Entscheidung soll eine Verkaufsshow auf dem Campingplatz liefern. Und diese hält für alle Beteiligten noch die eine oder andere Überraschung bereit. Über allem schwebt immer die Angst vor dem „Fleischer von Weyhe“, einem gefährlichen Mörder, der gerade aus der Justizvollzugsanstalt in Oslebshausen ausgebrochen ist und in der Umgebung sein Unwesen treibt. Spannung, gepaart mit jeder Menge Humor und guter Musik – ein gelungener Theaterabend.

Die nächsten Termine: Freitag, 16. Februar, 20 Uhr, Sonnabend, 17. Februar 17 und 20 Uhr, sowie Sonntag, 18. Februar, 15 Uhr. Weitere Termine unter www.packhaustheater-im-schnoor.de

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