Literatur

Claus Peymann blickt zurück

Der 80-jährige Theatermacher mit Bremer Wurzeln verlässt zum Spielzeitende das Berliner Ensemble. Die Dokumentation seines Nachruhms hat der Intendant und Regisseur noch selbst veranlasst.
28.06.2017, 13:31
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Claus Peymann blickt zurück
Von Hendrik Werner
Claus Peymann blickt zurück

Der Bremer Claus Peymann verlässt das Berliner Ensemble zum Spielzeitende.

Jörg Carstensen, dpa

In zwei opulent illustrierten Bänden blickt Claus Peymann, 80-jähriger Theatermacher mit Bremer Wurzeln, auf seine letzte Station als Intendant zurück. „Das schönste Theater. Bertolt-Brecht-Platz 1“ hat er seine Leistungsschau genannt, die einen Zeitraum von sage und schreibe 18 Jahren umfasst. Dabei erfüllt die Publikation trotz ihrer wuchtigen Anmutung den Tatbestand eines leicht zu konsumierenden Fanzines.

Neben zahllosen Fotografien und Plakaten, Besetzungszetteln und Pressemitteilungen bilden die beiden Herausgeber – neben Peymann dessen langjährige dramaturgische Wegbegleiterin Jutta Ferbers – auch allerlei skurrile Dokumente ab. Beispielsweise Bögen mit Fragen an die „fünf treuesten BE-Besucher“ – und Listen mit Inventarnachbestellungen bei Inszenierungen mit besonders hohem Mobiliarverschleiß.

Bei der Rekonstruktion seines spreenahen Wirkens am Schiffbauerdamm hat sich Peymann auch vor unangenehmen Erinnerungen nicht gedrückt. Geharnischte „Zuschauerpost“ findet sich ebenso in der 1200-seitigen Dokumentation wie Impressionen von Auseinandersetzungen der Direktion Claus Peymann mit der 2015 Brecht-Nachfahrin und Aktrice Barbara Brecht-Schall und dem sperrigen Dramatiker Rolf Hochhuth.

Dem in Schwarz-weiß-Tönen gehaltenen Bild-Text-Konvolut ist der Wille zur Komplettierung anzumerken. Neben Theaterproduktionen werden auch Sonderveranstaltungen und Merchandising gebührend gewürdigt – von der Buchpräsentation bis zum Sommerfest, vom Brecht-Mützen-Verkauf bis zur Abonnementsentwicklung.

Anrührende Intermezzi gelten getreuen BE-Beiträgern wie George Tabori, dessen letzter Besuch im Hof des Theaters dokumentiert ist. Der Rest ist Statistik: Die Auslastung wie auch die Anzahl der Einführungen pro Spielzeit gehört zum Standard.

Die Ziffern sind durchweg rühmlich: Zu Beginn seiner Intendanz hatte Peymann angekündigt, „das lebendigste Museum Berlins“ zu einer Ausnahmespielstätte zu machen. Das ist ihm gelungen – mit mehr als 10.000 Theaterabenden (darunter knapp 200 Premieren), die von nahezu fünf Millionen Zuschauern goutiert wurden. Mit Uraufführungen des US-Theatermagiers Robert Wilson, konzertanten Performances von Stars wie Rufus Wainwright – und einem Dramatikerkanon, der neben Peymanns Lieblingen Peter Handke und Thomas Bernhard naturgemäß auch den guten Geist der Bühne, Bertolt Brecht, einbegriff. Peymanns Berliner Jahre waren ergiebig und bedeutsam.

Claus Peymann u. Jutta Ferbers (Hg.): Das schönste Theater. Bertolt-Brecht-Platz 1. Direktion Claus Peymann 1999-2017. Alexander, Berlin. 1200 Seiten, 50 €.
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