Hilfen für Solo-Selbstständige

Benedikt Vermeer: „Man kommt über die Runden“

Benedikt Vermeer betreibt in Bremen normalerweise den Literaturkeller und tritt mit literarischen Solo-Programmen auf. Im Interview erzählt er davon, wie die Corona-Krise seinen Alltag verändert.
22.01.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Benedikt Vermeer: „Man kommt über die Runden“
Von Alexandra Knief
Benedikt Vermeer: „Man kommt über die Runden“

Benedikt Vermeer betreibt den Literaturkeller.

Björn Hake

Herr Vermeer, wie sieht ihr Alltag seit Beginn der Corona-Krise aus?

Benedikt Vermeer: Mit Unterbrechungen spielen wir seit Mitte März nicht mehr im Literaturkeller. Im Sommer gab es ein paar Open-Air-Auftritte. Seit Dezember machen wir Online-Aufführungen, die man als Gruppe buchen kann, ein bis zwei Mal die Woche öffentliche Online-Auftritte.

Leben kann man davon sicher nicht ...

Nee. Teilweise haben wir auf Rücklagen zurückgegriffen. Ein paar Gäste haben Gutscheine für unser Theater gekauft. Ich habe im Frühjahr die Bremer Künstlersoforthilfe in Höhe von 2000 Euro in Anspruch genommen. Außerdem die November- und Dezemberhilfe, bei der man 75 Prozent des Umsatzes des Vorjahres bis maximal 5000 Euro beantragen konnte. Ein paar Anträge, die ich gestellt habe sind auch noch offen, zum Beispiel aus dem Fonds Darstellende Künste, wo man Gelder für Projekte beantragen kann.

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Das heißt, die Gelder fließen eher langsam?

Zum Teil dauert das, weil einfach wahnsinnig viele Leute die Hilfen beantragen. Andere Sachen, wie die Novemberhilfe, gingen bei den Solo-Selbstständigen – zumindest bei mir – sehr schnell.

Kommt man mit den Hilfen über die Runden?

In der ganzen Mischung kommt man über die Runden. Es gibt schon einige Angebote. Aber es gibt auch Menschen, die durchs Raster fallen. Wir haben das Glück, solidarische Zuschauer zu haben und relativ geringe Betriebskosten. Wer monatlich hohe Mieten für seine Räume zahlen muss, hat es schwerer.

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Wie übersichtlich sind die Hilfsangebote?

Etwas unübersichtlich. Manchmal überschneiden sich Angebote, und man kann nicht mehrere in Anspruch nehmen. Einige Anträge muss man sehr oft lesen, bis man verstanden hat: was heißt das jetzt alles?

Wie wichtig ist es für Sie, dass bei den Hilfen für Solo-Selbstständige gerade noch einmal nachgelegt wurde?

Was das finanziell genau für mich bedeutet, ist mir ehrlich gesagt noch nicht ganz klar, da muss ich mich noch einlesen. Es ist aber schon wichtig, dass da noch einmal nachgelegt wird. Corona wird sich noch hinziehen.

Das Gespräch führte Alexandra Knief.

Info

Zur Person

Benedikt Vermeer (57) hat nahe London Schauspiel und Theaterpädagogik in Ottersberg studiert. Seit 1996 lebt er in Bremen, wo er unter anderem den Literaturkeller betreibt und mit literarischen Solo-Programmen auftritt.

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Zur Sache

Neue Hilfen für Solo-Selbstständige

Am Mittwoch gab die Bundesregierung bekannt, dass sie die Corona-Hilfen für Solo-Selbstständige erhöht. Die Neustarthilfe wird von 25 auf 50 Prozent des Vergleichsumsatzes erhöht, die maximale Förderhöhe für Betriebskosten von 5000 auf 7500 Euro. Geholfen werden soll unter anderem solo-selbstständigen und unständig beschäftigten Künstlern, die zum Beispiel von Lesungen, Projekten oder Coachingangeboten leben.

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