Schauspieler Markus Weise im Interview „Da muss ich mitmachen“

Ein Beruf war für Markus Weise nicht genug. Er ist Tischler, Lehrer, Schauspieler, Übersetzer, Clown und mehr. Wie es dazu kam, erzählt er im Interview.
04.07.2017, 15:53
Lesedauer: 4 Min
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„Da muss ich mitmachen“
Von Alexandra Knief

Herr Weise, ihre berufliche Karriere begann als Tischer, dann sind sie aber doch Lehrer geworden. Wie kam das?

Markus Weise: Ich wollte, seit ich 16 bin, Schauspieler werden, aber meine Eltern sagten: 'Kind, lern was Anständiges'. Dann bin ich Tischler geworden, dachte mir aber immer: Ich muss auf dem aufbauen, was ich handwerklich gelernt habe. Während meines Zivildienstes habe ich gemerkt, dass mir Sonderpädagogik ganz gut gefällt. Also bin ich Lehrer für Holztechnik und Sonderpädagogik an der berufsbildenden Schule geworden.

Aber auch das Lehrerdasein reichte Ihnen nicht.

Ganz genau. Erst habe ich nach meinem Studium noch die Ausbildung zum Theaterpädagogen gemacht. Ich bin da sehr pragmatisch unterwegs und gucke immer, was ich gerne mache und gleichzeitig auch im Berufsleben gebrauchen könnte. Nach meinem Referendariat habe ich berufsbegleitend eine Ausbildung zum staatlich geprüften Darsteller für Clowntheater und Komik absolviert.

Treten Sie auch als Clown auf?

Vereinzelt. Aber ich bin nicht der typische Clown, der auf Geburtstagen auftritt. Das ist unten den echten Clowns ein bisschen verrufen. Wir lernten an der Schule eher, der Bühnenclown zu sein, wie man ihn vielleicht aus dem Zirkus Roncalli kennt. Aktuell mache ich eine Fortbildung zum Klinik-Clown. Langfristig möchte ich damit gerne in Altenheimen auftreten.

Das ist immer noch nicht alles...

Nein, nebenbei übersetze ich auch Theaterstücke ins Niederdeutsche. Nachdem ich vor einigen Jahren das Stück „Machos auf Eis“ im Packhaustheater gesehen habe, habe ich mir vom Verlag die Rechte des Stücks besorgt und durfte es übersetzen. Dann kam „Tussipark“, auch da habe ich angefragt, und mittlerweile bin ich mit dem Verlag so verbleiben, dass ich erst mal alle Stücke von Christian Kühn übersetze. Ich übersetze, was mir eben so in die Finger kommt, von dem ich denke: Das ist zeitgenössisches, modernes Komödien-Theater. Denn das fehlt noch ein bisschen an den Niederdeutschen Bühnen.

Woher kommt Ihre Liebe zum Niederdeutschen?

1993 habe ich mit dem Theaterspielen angefangen in einer Jugendtheatergruppe. Als diese sich auflöste, gab meine Großmutter mir einen Zeitungsartikel, in dem stand, dass die Niederdeutsche Bühne in Delmenhorst Nachwuchs sucht. Mit 16 fand ich Niederdeutsch eigentlich voll uncool, bin dann aber trotzdem hingegangen. Durch meine Großeltern hatte ich Plattdeutsch immer im Ohr, musste, als ich meine erste plattdeutsche Rolle bekam, aber noch alles in Lautschrift über den Text schreiben. Seitdem sind 17 Jahre vergangen. Ich bin zwar immer noch kein plattdeutscher Muttersprachler, aber mittlerweile recht sicher. Ich finde, Plattdeutsch hat eine schöne Melodie. Deswegen liebe ich es auch, auf Niederdeutsch zu spielen.

Zu spielen, das ist schon das Stichwort für Ihren nächsten Job. Sie stehen auch selbst auf der Bühne…

Ja. Ich habe mich durch viele Schauspiel-Seminare weiterqualifiziert und bin so von der Niederdeutschen Bühne auch an andere Theater wie das frühere Waldau-Theater oder zum Niederdeutschen Schauspiel am Oldenburgischen Staatstheater gekommen. Durch die Ausbildung zum Theaterpädagogen kamen irgendwann auch erste Regieanfragen. Regie mache ich hier und da auch noch an niederdeutschen Bühnen.

Aktuell sind Sie erstmals auch in Bremen, im neuen Stück des Packhaustheaters zu sehen. Dort aufzutreten war schon immer ein Traum von Ihnen – wie kommt das?

Ich habe beim Theaterschiff und auch beim Packhaustheater immer gedacht: In dieser kleinen, familiären Atmosphäre würde ich auch gerne einmal spielen. Die Stückeauswahl gefällt mir. Durch Zufall habe ich den Casting-Aufruf zu „Scharfe Brise“ gesehen und mich einfach mal beworben. Am Ende habe ich die Zusage bekommen.

Vom Tischler zum Lehrer, zum Komiker, Übersetzer, Regisseur und Schauspieler. Weil das noch nicht reicht, sind Sie noch Weltrekordhalter im Witze erzählen.

Dazu bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Mich rief die Redaktion einer Fernsehsendung an, in der es darum ging, Weltrekorde zurück nach Deutschland zu holen. Ich habe keine Ahnung, warum der Sender mich ausgesucht hat. Meine Kontaktdaten hatten sie vielleicht, weil ich 2008 im Finale von „Bully sucht die starken Männer“ war, einem Schauspieler-Casting für den Film „Wickie und die starken Männer“.

Und dann haben Sie einfach mal zugesagt?

Ja, ich dachte, das ist so ein kurioser Rekord, da muss ich mitmachen. Also habe ich 2012 in Köln den bestehenden Rekord von 18 mit 21 Witzen gebrochen. Nach zwei Jahren hat ein Brite mir den Rekord abgenommen. Das Rekordinstitut Deutschland sprach mich 2015 an, ob ich ihn wiederholen könnte. Das habe ich mit 33 Witzen geschafft.

Haben Sie einen Lieblingswitz?

Meine Lieblingswitze sind etwas länger, aber ich liebe auch diese kurzen Witze wie: „Unterhalten sich zwei Luftballons, sagt der eine: ich habe Platzangst", oder: „Wie nennt man einen Boomerang, der nicht zurückkommt? Stock“. Wenn man sie noch nicht kennt, sind sie doch ganz nett.

Wie geht Ihre Klasse damit um, dass Sie nebenbei auch auf Theaterbühnen stehen?

Die Schüler kriegen das meist gar nicht mit. Wenn doch, sprechen sie mich darauf an und finden es ganz cool, was ihr Lehrer so alles macht. Ich werde oft nach neuen Witzen gefragt, oder die Schüler kommen zu mir, wenn sie selbst neue Witze kennen.

Sehen Sie sich selbst als typischen Lehrer oder überwiegt doch der Künstler in Ihnen?

Ich sehe mich gar nicht unbedingt als Lehrer, sondern eher als Sozialarbeiter. Ich bin 50 Prozent Sozialarbeiter und 50 Prozent Künstler. Loriot hat mal gesagt: „Die berufliche Frage wurde bei mir nie ganz geklärt“. Das ist ein schönes Lebenszitat, das auch auf mich zutrifft. Man weiß nie, wohin einen der Weg noch führt.

Wohin könnte der Weg noch führen? Feuerwehrmann, Astronaut?

Mit Fliegen hab ich es nicht so. Aber ich habe weitere Lebens-Theater-Träume, zum Beispiel: am Ohnsorg-Theater aufzutreten.

Das Interview führte Alexandra Knief.

Zur Person

Markus Weise (34) lebt in Delmenhorst und hat eine ungewöhnliche Karriere hingelegt. Er arbeitet als Lehrer an den Berufsbildenden Schulen II in Delmenhorst, steht aber nebenbei noch auf der Theaterbühne, aktuell unter anderem im Bremer Packhaustheater.
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